ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Anleger kennen Fonds, die am Geldmarkt investieren, als sichere Häfen. So wie Yachtbesitzer ihre Boote während der Hurrikan-Saison in einer geschützten Bucht verankern, können Anleger ihr Geld in Geldmarktfonds parken, bis konjunkturelle Schlechtwetterzonen vorbeigezogen sind.

Seit 1994 verschaffen solche Fonds privaten Anlegern Zugang zum Geldmarkt. Sie bringen zwar nur bescheidene Erträge, im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 3,5 Prozent (siehe Grafik). Doch anders als Aktienfonds bieten sie bei rauer See Sicherheit.

Doch wo fließt das Geld der Anleger eigentlich hin? Was ist der Geldmarkt? Die Finanzmärkte unterscheiden zwischen kurz- und langfristiger Finanzierung. Langfristige Finanzierung findet auf dem so genannten Kapitalmarkt statt. Der Markt, auf dem das Geld binnen Stunden und Tagen umgeschlagen wird, heißt Geldmarkt.

Eine weltweit einheitliche Definition gibt es nicht. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwendet den Begriff für sämtliche kurzfristigen Geldgeschäfte. Als kurzfristig gelten normalerweise Laufzeiten bis zu zwölf Monaten.

Auf dem Geldmarkt handeln vor allem die Zentralbanken der Staaten, große Kreditinstitute und große Unternehmen. Sie tun dies im direkten Geschäftskontakt ohne eine zentrale Börse.

Ihre Ware ist schnell verfügbare Liqui­dität: Der eine hat, der andere braucht Geld. Am nächsten Tag kann es anders herum sein. Banken und große Unternehmen stellen sich also gegenseitig Geld gegen Zinsen zur Verfügung. Die Fachwelt nennt dies Liquiditätsmanagement.

Geld oder Wertpapiere

Der Geldmarkt kennt zwei Warenty­pen: das Geld und die Geldmarktpapiere. Der Preis für die Ware ist in beiden Fällen der Zins.

Beim Geldhandel räumen sich Banken oder große Unternehmen unterein­ander kurzfristige Kredite ein, manchmal nur über Nacht. Abgerechnet werden diese Tagesgelder über den Durchschnittszinssatz Eonia, den Euro Overnight Index Average.

Laufen die Kredite länger, beispielsweise einige Monate, ist der Euribor der Referenzzinssatz (Euro Interbanken Offer Rate). Das ist der Durchschnitt der Zinssätze, zu denen internationale Banken an Banken mit sehr guter Kreditwürdigkeit Geld leihen. Der am stärksten beachtete Euribor-Satz ist der für Laufzeiten von drei Monaten.

Beliebte Geldmarktpapiere

Geldmarktpapiere sind Wertpapiere mit kurzer Laufzeit, die die Zentralbanken und die Kreditinstitute oder Unternehmen auflegen und auch untereinander handeln. Dazu gehören variabel verzinsliche Anleihen, so genannte Floater.

Manager von Geldmarktfonds investieren üblicherweise stark in Floater. Denn diese Anleihen laufen länger als ein Jahr und verursachen deshalb weniger Kauf- und Verkaufskosten. Die Geldmarktfonds dürfen Floater trotz ihrer Laufzeit von mehr als einem Jahr halten, weil die Floater keine festen Zinsen zahlen. Ihre Zinssätze werden alle drei oder sechs Monate an den Durchschnittszinssatz Euribor angepasst.

Commercial Papers und U-Schätze

Zu den Geldmarktpapieren zählen außer den Floatern auch die Commercial Papers (Unternehmensschuldverschreibungen), die Certificates of Deposit (verbrieftes Termingeld) und die kurzfristigen Staatspapiere (U-Schätze).

Commercial Papers sind Schuldverschreibungen von großen Unternehmen, die sich damit kurzfristig Geld beschaffen. Sie werden nicht an Börsen gehandelt, sondern von Unternehmen herausgegeben und über Banken verkauft. Sie laufen drei, sechs, neun oder zwölf Monate. Die Mindestanlagesumme beträgt 2,5 Millionen Euro.

Hohe Mindestanlagesummen fordern auch die Certificates of Deposit. Das sind verbriefte Termingelder, die vor allem von Banken aus Großbritannien ausgegeben werden. Hierbei erhält der Investor ein Zertifikat über den Anlagebetrag, das Certificate of Deposit. Das Zertifikat ist jedoch nicht auf den Namen des Investors ausgestellt. Damit wird das Papier zum Inhaberpapier und ist gut verkäuflich. Der letzte Inhaber legt das Papier am Ende der Laufzeit bei der Geschäftsbank vor und erhält den Anlagebetrag plus Zinsen.

Die unverzinslichen Schatzanweisungen (U-Schätze) werden vom Bund herausgegeben. Sie sind abgezinste Wert­papiere, das heißt, der Investor zahlt einen Betrag unterhalb des Nennwerts, erhält jedoch am Ende der Laufzeit den vollen Nennbetrag des Papiers zurück.

Privatanleger haben mit Fonds einen bequemen Zugang zum Geldmarkt. In den vergangenen beiden Jahren haben viele diese sicheren Häfen genutzt. Im Oktober 2003 waren nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) immerhin 70,2 Milliarden Euro in Geldmarktfonds investiert.

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