Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muß die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Wie viel Ertrag eine Geldanlage bringen wird, ist selten gleich zu sehen. Banken dürfen diese Frage nämlich auf unterschiedliche Weise beantworten. So überschütten sie Anleger oft mit Angaben, die zwar ein schönes Licht auf einzelne Sparanlagen werfen, aber nichts über ihre wahre Ertragsstärke aussagen: Wertzuwachs, durchschnittliche Verzinsung, Nominalzins oder Zins mit Bonus ­ um verschiedene Angebote zu vergleichen, ist jedoch allein der Effektivzins hilfreich.

Der Effektivzins einer Geldanlage wird auch als Rendite bezeichnet und sollte pro Jahr dargestellt werden. Er verdeutlicht dann, wie viel Ertrag diese Geldanlage auf ein Jahr gerechnet bis zum Ende ihrer Laufzeit bringt.

Der Effektivzins berücksichtigt immer den vereinbarten Zins p. a. (pro Jahr). Nach der in Deutschland üblichen Zinsmethode legen die Banken bei der Berechnung dieses Jahreszinses pro Monat generell 30 Tage und pro Jahr 360 Tage zugrunde. Das erleichtert ihnen und ihren Kunden die Zinsberechnung für Geldanlagen, die kürzer als ein Jahr laufen oder vorzeitig gekündigt werden.

Werden die Zinsen einer Geldanlage nach ihrer Fälligkeit (meistens einmal jährlich) nicht an den Kapitaleigentümer ausgezahlt, sondern zu den gleichen Konditionen wieder angelegt, werden sie später ebenfalls verzinst. Dadurch entsteht der so genannte Zinseszinseffekt. Auch die Zinseszinsen müssen in den Effektivzins eingerechnet werden.

Schreibt eine Bank einem Anleger jährliche Zinsen erst am Ende einer mehrjährigen Laufzeit gut, gibt es keinen Zinseszinseffekt. Der Effektivzins dieser Anlage ist dadurch niedriger als der angegebene Nominalzins. Die Bank GiroTel gibt ein gutes Beispiel, wie Kunden auf diese Weise an der Nase herumgeführt werden: Attraktive 4,5 Prozent Zinsen verspricht sie derzeit Anlegern, die fünf Jahre lang zwischen 10.000 und 50.000 Mark auf ihrem Festgeldkonto "SuperFest" parken. Weil die Zinsen erst am Ende der Laufzeit überwiesen werden, bekommt ein Kunde, der 10.000 Mark anlegt, dann auf einen Schlag für jedes Anlagejahr 4,5 Prozent Zinsen oder 450 Mark. Sein Kapital erhöht sich nach fünf Jahren also auf insgesamt 12.250 Mark. Der Effektivzins beträgt 4,14 Prozent. Würden die 4,5 Prozent Zinsen dem Kunden dagegen jährlich gutgeschrieben, hätte er am Schluss knapp 12.462 Mark. In diesem Fall läge auch der Effektivzins bei 4,5 Prozent pro Jahr.

Zinstreppe, Boni und Prämien

Anlageberater müssen im Effektivzins auch eine mögliche Zinstreppe berücksichtigen. Von einer Zinstreppe spricht man, wenn der Jahreszins einer Geldanlage mit mehrjähriger Laufzeit jedes Jahr stufenweise ansteigt. Bundesschatzbriefe beispielsweise sind mit einer Zinstreppe ausgestattet.

Eventuelle Bonuszahlungen oder Prämien müssen im Effektivzins ebenfalls enthalten sein. Gern werden mäßig verzinste Sparanlagen von Bankern durch ein unverhältnismäßiges Herausstellen von Sonderzahlungen wie Boni oder Prämien gepuscht. In welcher Größenordnung sich solche Zahlungen aber auf das Gesamtergebnis, also auf den Effektivzins, auswirken, hängt davon ab, wann sie gutgeschrieben werden.

Sonderzahlung worauf?

Entscheidend ist auch, ob Sonderzahlungen nur auf die Zinsen des jeweiligen Jahres, auf den eingezahlten Betrag oder auf die Gesamtsumme aller Einzahlungen berechnet werden. Manchmal steigen Boni oder Prämien auch erst während der Laufzeit an. Ein Kunde, der eine kurze Laufzeit wählt, hat dann kaum etwas davon.

Wirbt eine Bank mit Bonuszahlungen oder Prämien, sollten Interessenten vor der Unterschrift auch immer fragen, ob gutgeschriebene Bonusbeträge bei vorzeitigem Ausstieg erhalten bleiben oder rückwirkend entfallen.

Beim Kauf von festverzinslichen Wertpapieren, bei denen der Effektivzins ebenfalls einen aus- sagekräftigen Maßstab darstellt, fallen normalerweise Kaufspesen an. Auch sie sollten in der Effektivzinsangabe nicht fehlen, sind allerdings nicht automatisch enthalten. Anleger sollten deshalb nachfragen, ob alle Kosten berücksichtigt wurden. Bei reinen Sparanlagen wie Sparbriefen ist das dagegen kein Problem. Dafür kassieren die Banken nicht ab.

Für den Kauf von Investmentfondsanteilen oder Aktien gibt es keinen vergleichbaren Effektivzins, weil ihre Rendite ­ in diesem Fall Wertentwicklung oder Performance genannt ­ nur für die Vergangenheit berechnet werden kann. Aussagen über die künftige Wertentwicklung beruhen bei diesen Anlagen immer auf Prognosen.

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