ABC für Anleger Meldung

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Das Frühjahr ist die Zeit der Jahreshauptversammlungen. Bei Sekt und Schnittchen präsentieren Aktienunternehmen ihren Gesellschaftern die Bilanz des vergangenen Jahres. Auch die Medien berichten jetzt besonders viel über Unternehmensgewinne und Konzernabschlüsse: "Der Ebit-Anstieg auf 25,2 Millionen Euro ist weitgehend vom Markt erwartet worden." Doch was verrät ein Ebit-Anstieg über die Entwicklung eines Unternehmens?

Das Ebit (earnings before interests and taxes) ist das Betriebsergebnis eines Unternehmens. Darin nicht berücksichtigt ist das Zinsergebnis, also die Aufwendungen für Kredite und die Erträge aus Geldanlagen. Auch das außerordentliche Ergebnis des Unternehmens steckt nicht darin: die Aufwendungen und Erträge, die nichts mit dem eigentlichen Geschäftszweck zu tun haben. Dazu gehört zum Beispiel der Verkauf von Beteiligungen an Unternehmen, dazu gehören auch Rückstellungen wegen möglicher Schadenersatzforderungen oder Aufwendungen für einen Sozialplan. Das alles zählt nicht zum Ebit.

Die Kennzahl Ebit zeigt deshalb die Ertragsstärke eines Unternehmens unverfälschter als der Jahresüberschuss. Denn im Gegensatz zum Betriebsergebnis sind beim Jahresüberschuss bestimmte Ausgaben wie Steuern oder Zinsen für Kredite enthalten. Auch Einnahmen, die nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben, wie der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen, zählen zum Jahresüberschuss.

Noch genauer lassen sich Unternehmen jedoch mit einer anderen Schlüsselgröße vergleichen: Ebitda ­ earnings before interests, taxes, depreciation and amortization ­ heißt übersetzt Jahresüberschuss vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Das Ebitda berücksichtigt also im Gegensatz zum Ebit keine Abschreibungen. Beide Kennzahlen finden Interessierte normalerweise im Jahresabschluss eines Unternehmens.

Ohne Schönrechnen

Aktionäre und Anleger wollen wissen, wie gut ein Unternehmen in seinem Kerngeschäft wirtschaftet. Um die wirtschaftliche Situation richtig zu beurteilen, sind sie normalerweise auf Angaben aus der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung angewiesen. Unternehmen haben jedoch beim Bilanzieren einen Spielraum. Durch Jonglieren mit bestimmten Kosten wie den Abschreibungen können sie "Bilanzkosmetik" betreiben. Das heißt, Konzerne können durch eine geschickte Bilanzierung ihren Gewinn schmälern oder steigern. Über wie viele Jahre schreibt ein Unternehmen Patentrechte ab? Verkauft ein Industriebetrieb einige seiner Immobilien und steigert so seine Einnahmen? All diese Entscheidungen beeinflussen die Höhe des Gewinns.

Die Kennzahlen Ebit und Ebitda hingegen schärfen den Blick auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, ohne sich von der Bilanzpolitik zu sehr blenden zu lassen. Sie rechnen aus dem Ergebnis diejenigen Faktoren heraus, die nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben.

Steigt also das Ebit eines Unternehmens, floriert das Kerngeschäft: Ein Einzelhandelskonzern verkauft mehr Waren oder erzielt höhere Preise für die Waren; ein Automobilhersteller setzt mehr Autos ab oder produziert dieselbe Menge günstiger.

Derselbe Einzelhandelskonzern kann durch den Ausbau der Verkaufsräume einmalig hohe Aufwendungen gehabt haben, ohne dass sein eigentliches Geschäft dadurch beeinträchtigt gewesen wäre. Und der Automobilhersteller könnte eine neue Maschine gekauft haben, die er nun abschreiben muss: Schlecht für den Gewinn, aber eine gute Investition für die Zukunft.

Wie Abschreibungen, aber auch Zinsen das Ergebnis trüben können, zeigt das Beispiel junger und innovativer Unternehmen. Die haben für die Startphase unter Umständen hohe Kredite aufgenommen und müssen nun einen Haufen Zinsen zahlen ­ was den Gewinn erheblich schmälert. Ein hohes Ebit können sie deshalb trotzdem aufweisen.

Aktionäre sollten sich also bei Jahreshauptversammlungen nicht ausschließlich von hohen Gewinnen beeindrucken lassen.

Unternehmensvergleich möglich

Die modischen Kennzahlen haben noch einen weiteren Vorteil: Vor allem das Ebitda ermöglicht es, Unternehmen international zu vergleichen, weil länderspezifische Steuersysteme und Bilanzierungsregeln unberücksichtigt bleiben. Durch die Reduktion des Geschäftserfolgs auf den Kerngeschäftsbereich können Unternehmen auch mit ausländischen Konzernen, die weniger Steuern bezahlen oder andere Abschreibungsvorschriften befolgen, verglichen werden.

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