ABC für Anleger Meldung

Anleger können mit Aktien auf zwei Wegen Geld verdienen: Entweder durch Kurssteigerungen oder durch Dividenden. Die Grafik zeigt, dass die Dividendenrendite der RWE-Aktie dann besonders hoch war, als ihr Kurs am Boden lag. Kein Anleger sollte also allein auf die Dividendenrendite achten.

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundsätzliches Thema.

Dividenden sind weltweit im Gespräch. US-Präsident Georg Bush will künftig ganz auf Steuern für Dividenden verzichten, und reiche Aktiengesellschaften locken mit üppigen Ausschüttungen neue Aktionäre an.

Nach drei Jahren Börsenbaisse sind die Kurse im Keller und das Image der Aktie ist besonders bei Kleinanlegern ruiniert. Eine Besserung der Stimmung an den Aktienmärkten scheint weiterhin nicht in Sicht zu sein.

Da könnte die bushsche Steuerbe­freiung für Dividenden den Anteilscheinen helfen. Diese Idee findet auch in Deutschland Sympathisanten.

Der Vorstand entscheidet

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, der auf die Aktionäre verteilt wird, und zwar entsprechend der Anzahl ihrer Aktien.

Wie viel vom Bilanzgewinn an die Aktionäre ausgezahlt wird, darüber entscheidet formal die Hauptversammlung, faktisch jedoch der Vorstand.

In besonders gewinnträchtigen Zeiten zahlen manche Unternehmen zur Dividende noch einen Bonus. Bei schlechter Ertragslage kann die Dividende auch ganz ausfallen. Gut haben es da die Besitzer besonderer Vorzugsaktien. Ihnen werden ausgefallene Dividenden in den folgenden Geschäftsperioden nachgezahlt.

Um herauszufinden, wie dividendenstark eine Gesellschaft ist, wird die Dividende pro Aktie durch den aktuellen Aktienkurs geteilt. Das Ergebnis ist die Dividendenrendite und heißt auch Aktienrendite oder neudeutsch „Stock Yield“.

Bleibt die Dividende über zwei Jahre hinweg bei sinkenden Aktienkursen unverändert, steigt die Dividendenrendite. Bleibt der Aktienkurs gleich und die Dividende wächst, steigt die Rendite auch.

Über 20 Prozent Rendite

Amerikanische Aktien bringen es nach einer Aufstellung der Investmentbank Schroder, Salomon, Smith und Barney auf Dividendenrenditen von 4 bis 5 Prozent. Hierzulande führt im Dax die Hypovereinsbank mit über 7 Prozent Dividendenrendite die Hitliste an.

Es folgen Konzerne aus ganz unterschiedlichen Branchen, der Reiseveranstalter Tui, die Münchener Rückversicherung und Thyssen-Krupp, alle mit einer sechs vor dem Komma (Stand: Ende Januar 2003). Unterhalb der größten 30 Dax-Werte finden sich sogar Dividendenrenditen von über 20 Prozent.

Anleger, die auf dividendenstarke Titel setzen, gehen ein Risiko ein. Denn Dividenden ändern sich. So will der bisherige Dividendenhit Hypovereinsbank aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse auf seiner Hauptversammlung die Dividende für 2002 auf null fahren.

Informationen über die Dividendenrendite einzelner Aktien lassen sich leicht finden. In vielen Tageszeitungen und Zeitschriften werden sie im Kursteil veröffentlicht. Finanztest veröffentlicht die Dividenden jeden Monat in der Tabelle „Dax-Werte im Vergleich“ im Marktplatz.

Trügerische Gewinne

Eine hohe Dividendenrendite kann trügerisch sein. Einen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg, Aktienkurs und der Dividendenhöhe gibt es nämlich nicht. So zahlen manche Vorstände selbst in schlechteren Zeiten möglichst hohe Dividenden aus, um Aktionäre oder Analysten bei Laune zu halten.

Andere Konzernlenker setzen ihr Kapital dagegen lieber innerhalb des Unternehmens ein, anstatt es an die Aktionäre auszuschütten. „Dadurch“, so Jörg Krämer von Invesco Asset Management, „ist die Dividende weitgehend abgekoppelt von der tatsächlichen Finanzlage.“ Folglich kann aus einer beträchtlichen Dividendenrendite keineswegs auf eine gute Kursentwicklung geschlossen werden.

Ein Blick auf den Dax belegt sogar eher einen umgekehrten Zusammenhang: Viele Konzerne mit einem enttäuschenden Kursverlauf neigen dazu, ihren Börsenruf mit einer stattlichen Dividende aufzupolieren.

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