Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher in jeder Ausgabe ein grundlegendes Thema.

Früher war alles einfach: Ausländisches Geld wurde in Deutschland an Devisenbörsen in Hamburg, München, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt/ Main ge- und verkauft. Einmal am Tag stellten amtliche Devisenmakler fest, wie viel Mark beispielsweise ein Dollar kostet, was für einen japanischen Yen zu zahlen ist und wo der Wert des britischen Pfunds liegt. "Amtliches Fixing" hieß das Prozedere, bei dem allmittäglich an der Devisenbörse in Frankfurt / Main für alle fünf Börsen die Wechselkurse aufgeschrieben wurden.

Heute ist alles anders: Die Frankfurter Devisenbörse ist geschlossen, das amtliche Fixing abgeschafft und die Devisenmakler vom Amt widmen sich anderen Aufgaben.

Trotzdem tauschen Banken nach wie vor ausländische Währungen gegen Euro oder Mark ­ Bares am Schalter, Geld vom Konto, wenn Kunden im Ausland mit Kreditkarte bezahlt haben oder wenn über sie die Rechnung für den Wertpapierkauf an ausländischen Börsen beglichen wird.

Früher gab der amtlich fixierte Börsenwechselkurs hier den Ausschlag, heute orientieren die Banken sich an ihren eigenen Werten. Denn die meisten Devisengeschäfte wickeln sie direkt mit ihren ausländischen Geschäftspartnern ab. Gemäß Angebot und Nachfrage werden die Kurse ausgehandelt ­ außerhalb der Börse.

Einen festen Kurs für den jeweiligen Tag brauchen die Banker aber trotzdem. Mitunter schließen Bankkunden Geschäfte ab, die erst Tage später abgerechnet werden. Auch sie vertrauen dabei auf den aktuellen Wechselkurs ­ etwa, wenn sie im Ausland Aktien kaufen.

Die Tauschverhältnisse der einzelnen Devisen werden statt wie früher amtlich jetzt intern fixiert: Große Geschäftsbanken legen für ihr Haus gegen 13 Uhr die für den Tag gültigen Kurse fest ­ zur gleichen Zeit geschah früher das amtliche Fixing.

Öffentlich-rechtliche und genossenschaftliche Institute wie die Sparkassen, die Volks- und Raiffeisenbanken richten sich nach den Werten, die die Landesbanken und -girozentralen aus ihren Devisengeschäften ableiten. Euro-FX heißt das System, in dem die insgesamt 15 Institute gegen 13 Uhr Mittelwerte ihrer Wechselkurse festlegen und veröffentlichen.

Nach einer Telefonkonferenz mit den zwölf Zentralbanken der Euro-Teilnehmerländer stellt auch die Europäische Zentralbank (EZB) täglich kurz nach 14 Uhr Wechselkurse ­ so genannte Referenzkurse ­ fest. Sie werden aber weniger für Devisengeschäfte als für Statistiken und Bilanzen von Großunternehmen genutzt.

Die bankinternen Kurse, die Werte des Euro-FX und die Referenzkurse der EZB liegen in aller Regel dicht beieinander. Große Ausreißer kann sich wegen des Wettbewerbs der Banken ohnehin kein Institut leisten: Wer sich von seinem Institut benachteiligt fühlt, könnte ja zur Konkurrenz wechseln, die günstigere Kurse bietet. An wessen Kursfestlegung eine Bank sich hält, steht in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Von Kursvergleichen befreit ist, wer in Frankreich, in Spanien oder sonst einem Land einkauft, in dem der Euro gilt: Die Tauschverhältnisse der so genannten In-Währungen zueinander sind schon seit Januar 1999 definitiv festgelegt. Mark, Franc, Peseta und Lira sind nur noch ­ wenn auch krumme ­ Unterteilungen des Euro.

So ist die neue Währung auch mit verantwortlich für das Aus der Frankfurter Devisenbörse. Denn nach der Festlegung der Wechselkurse innerhalb des Eurolands wären nur 8 der früher 17 in Frankfurt fixierten ausländischen Währungen übrig geblieben: der japanische Yen, das britische Pfund, der Schweizer Franken, US- und Kanada-Dollar sowie schwedische, norwegische und dänische Kronen. Dafür hätte es sich nicht gelohnt, die ohnehin kaum noch genutzte Börse aufrechtzuerhalten.

Auch das amtliche Fixing fiel dem gemeinsamen europäischen Geld zum Opfer. Die in Deutschland übliche amtliche Festschreibung war bei den europäischen Partnern unüblich. Den weltweiten Gepflogenheiten anpassen musste man mit der Einführung des Euro auch die Schreibweise der Wechselkurse: Statt in Mark den Preis für einen Dollar, einen Yen oder ein britisches Pfund anzugeben, wird jetzt der Wert eines Euro in Dollar, Yen oder Pfund vermeldet ­ Fachleute sprechen von Mengen- statt Preisnotierung.

Am Geschehen am Devisenmarkt hat sich aber weder durch das neue Fixing noch durch die neue Kursnotierung Wesentliches geändert.

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