ABC für Anleger Meldung

Gerhard Cromme, neuer Chef des Siemens-Aufsichtsrats, ist auch Vorsitzender der Regierungskommission „Deutscher Corporate Governance Kodex“. Mehr Transparenz ist sein Ziel.

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher regelmäßig ein grundlegendes Thema.

Zum Aufräumen ist Gerhard Cromme als Aufsichtsratschef zu Siemens gekommen. Manager des Unternehmens hatten Geschäftspartner großzügig geschmiert, um an Aufträge unter anderem im Nahen Osten zu gelangen.

Mit „Aufräumen“ beschäftigt Cromme sich schon länger. Nach ihm ist eine Regierungskommission benannt, die sich um gute Unternehmensführung und eine effiziente Kontrolle der Geschäftsführung in börsennotierten Firmen bemüht. Die Cromme-Kommission will deutsche Unternehmen zu einer Art „Unternehmensverfassung“ führen. Dass Cromme seine Sache ernst nimmt, zeigte er schnell:

Mit Peter Löscher holte er einen neuen Vorstandschef von außen. Die vermeintlich besser qualifizierte, aber möglicherweise belastete Managerriege im bestehenden Siemens-Vorstand ließ er unberücksichtigt.

Strenger als das Gesetz

Die Cromme-Kommission stellt seit 2001 Regeln auf, die Unternehmen für die Aktionäre durchschaubarer machen sollen. Transparenz, so die Überlegung, führe zu einer realistischeren Unternehmensbewertung und damit zu einem geringeren Risiko für Geldanleger.

Der „Deutsche Corporate Governance Kodex“ regelt Aufgaben- und Machtverteilung von Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionären. Er fasst die gesetzlichen Bestimmungen zur Unternehmensführung und ihrer Kontrolle zusammen. Diese Vorgaben erweitert er um etwa 80 Empfehlungen – um Verhaltensstandards, wie sie international zusehends üblich werden. Hierzu gehört etwa, dass eine ordentliche Hauptversammlung nach vier bis sechs Stunden beendet und im Internet übertragen werden soll. Der Kodex ist unter www.corporate-governance-code.de nachzulesen.

Grobe Verstöße gegen den Kodex stellen Aktionärsschützer zumindest bei großen Unternehmen kaum noch fest. Das heißt aber nicht, dass sich die Firmen immer korrekt verhalten – wie der Fall Siemens zeigt und ebenso die gesetzwidrigen Bestechungen von Betriebsräten bei VW.

Beide Unternehmen setzen die Empfehlungen und Anregungen des Kodex übrigens weitgehend um. Aber: „Betrug lässt sich damit nicht verhindern“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Erreichen will der Kodex, dass die Aktionäre mehr über ihr Unternehmen und darüber, wie es geführt wird, erfahren. „Sehr zurückhaltend“ gehe die Porsche AG mit den Empfehlungen um, sagt Kurz.

Die schwäbischen Sportwagenbauer geben keine Quartalsberichte heraus, sondern informieren ihre Aktionäre lieber in häufigen Aktionärsbriefen. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, selbst Mitglied der Cromme-Kommission, sieht keinen Nachteil für die Aktionäre: Die Hatz von Quartalsergebnis zu Quartalsergebnis führe zu kurzatmiger Firmenpolitik und stehe langfristigen Strategien im Wege.

Lufthansa, Eon und RWE erhalten vom Aktionärsschützer ein Lob. „Sie erfüllen den Kodex nicht nur weitgehend, sondern präsentieren Informationen auch so, dass Anleger sie verstehen können“, sagt Kurz.

Derzeit geben 14 Dax-Gesellschaften an, den Kodex vollständig umzusetzen. Viele andere halten sich nicht an alle Regeln. Börsengehandelte Aktiengesellschaften, die den Kodex nicht vollständig umsetzten, müssen im Geschäftsbericht eine „Entsprechenserklärung“ abgeben und darin erläutern, welchen Empfehlungen sie nicht folgen und warum.

Kodex entwickelt sich weiter

Der Kodex ist ein Instrument, das die Kommission ständig weiterentwickelt. In der Diskussion sind derzeit Empfehlungen, die Höhe der Abfindungen für ausscheidende Vorstandsmitglieder zu begrenzen. Gerichtliche Auseinandersetzungen wie um die Abfindung für den Ex-Mannesmann-Boss Klaus Esser und die Rolle seines Aufsichtsrats Josef Ackermann bei der Gewährung dieser Abfindung sowie der damit einhergehende Gesichtsverlust der Akteure in der Öffentlichkeit wären dann weniger wahrscheinlich.

Eine weitere Initiative zielt darauf, die „Frühstücksdirektoren“ aus den Aufsichtsräten zu entfernen. Ein klares Anforderungsprofil soll dafür sorgen, dass sie durch Frauen und Männer ersetzt werden, die den Anforderungen dieser Aufgabe gewachsen sind.

In der Zukunft soll ihnen ein Mindestmaß an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen abverlangt werden. Solches Fachwissen wird bislang nur vom Finanzprüfer im Aufsichtsrat verlangt.

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