ABC für Anleger Meldung

Wie Kakaobauern von den Herstellern der Schokolade behandelt werden, wollte unsere Zeitschrift test bei der Untersuchung von Bitterschokolade wissen (Heft 12/07).

Wer Chancen auf den Kapitalmärkten nutzen will, muss die wichtigsten Regeln kennen. Finanztest erläutert daher regelmäßig ein grundlegendes Thema.

The business of business is business –frei übersetzt: Unternehmen sollen sich einzig um die Geschäfte kümmern. Dieser Satz des amerikanischen Nobelpreisträgers und Ökonomen Milton Friedman war lange Zeit das Motto der meisten Wirtschaftsunternehmen. Hauptsache, der Rubel rollt. Inzwischen sind sich jedoch immer mehr Firmen ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und ihrem Umfeld bewusst und handeln entsprechend. Beispielsweise achten sie auf die Umwelt, berücksichtigen die Interessen ihrer Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden. Ein häufig verwendetes Schlagwort für diesen Trend ist Corporate Social Responsibility, kurz CSR.

Den Aktionären zuliebe

Der Druck der Öffentlichkeit spielt dabei eine große Rolle. Aktionäre erwarten von ihrem Unternehmen, dass es sich etwa in Sachen Klimaschutz engagiert. Immer mehr Anleger wollen ihr Geld nach ethisch-ökologischen Maßstäben investieren. Auch die Stiftung Warentest fragt bei Tests von Produkten nach dem verantwortungsvollen Handeln der Hersteller und bezieht seit 2004 CSR-Kriterien mit ein.

Bei der Untersuchung von Bitterschokolade ging es beispielsweise um den Umgang mit den Kakaobauern, beim Kochschinkentest unter anderem um die Herkunft des Fleischs und um Dumpinglöhne bei der Verarbeitung. Beim Test von Fußbällen hat uns das Thema Kinderarbeit interessiert, bei der Untersuchung der Funktionsjacken die ökologische Produktionsweise.

CSR steht nicht für einzelne Aktionen, sondern ist ein ganzheitliches Konzept, auf dessen Grundlage die Unternehmen soziale und ökologische Kriterien in ihr Geschäft einbeziehen.

An die anderen denken ...

Die Unternehmen, die sich sozial verantwortliches Handeln auf die Fahne geschrieben haben, kommen aus allen Branchen. Bei Lufthansa etwa reicht die CSR-Palette von der Integration behinderter Menschen über flexible Arbeitszeitmodelle bis hin zu sozialen Projekten wie Straßenkinder-Hilfsorganisationen oder einem Buschhospital in Kenia. Zudem engagiert sich Lufthansa bei der Klimaforschung und im betrieblichen Umweltschutz.

Der Chemiekonzern Bayer hat schon 2005 gemeinsam mit National Geographic einen Forschungsfonds aufgelegt, der neue Ideen zum Schutz von Trinkwasser fördert. Außerdem unterstützt Bayer weltweit Umweltprojekte für Kinder und Jugendliche und engagiert sich bei der Entwicklung eines Tuberkulosemedikaments.

McDonald's Deutschland hat bereits vor fast 20 Jahren die McDonald's Kinderhilfe ins Leben gerufen, die schwerkranke Kinder und deren Eltern unterstützt. Außerdem gibt es bei der Fastfoodkette ein Umweltprogramm zur Ressourcenschonung und Energieeinsparung.

... und sich selbst dabei nützen

Oft wird CSR mit Sustainability, Nachhaltigkeit, gleichgesetzt. Zur Nachhaltigkeit gehören streng genommen aber nicht nur soziale und ökologische, sondern auch ökonomische Belange. Nachhaltig ist ein Unternehmen nur, wenn es zusätzlich auch wirtschaftlichen Erfolg hat.

Das schien jahrelang ein Widerspruch in sich zu sein. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sozial verantwortliches Handeln den Unternehmen konkreten wirtschaftlichen Nutzen bringen kann

Der effizientere Einsatz von Rohstoffen zum Beispiel ist billiger, senkt dadurch die Kosten und verringert zudem langfristig die Abhängigkeit von Ressourcen. Weiterbildung verbessert die Qualifikation der Mitarbeiter. Eine familienfreundliche Personalpolitik motiviert und bindet die Mitarbeiter an das Unternehmen. Auch das Image des Unternehmens profitiert.

Nachweis erbracht

Die Rating-Agentur oekom research aus München hat zusammen mit der Technischen Universität München ermittelt, dass sich in den Jahren 2001 bis 2003 Kapitalrendite und Gewinn bei nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen besser entwickelten als bei nicht nachhaltigen Wettbewerbern.

Eine aktuelle Studie der oekom research in Zusammenarbeit mit der Hypovereinsbank belegt, dass von 2001 bis 2006 die durchschnittliche Rendite von Aktien nachhaltiger Unternehmen besser war als die Wertentwicklung des MSCI Welt Aktienindexes, in vier der sechs Jahre sogar deutlich besser.

Dass auch die Geldanlage in ethisch-ökologische Fonds nicht mit Renditeverzicht einhergehen muss, zeigt unsere monatliche Untersuchung von Investmentfonds. Fonds wie der ÖkoVision, der soziale und ökologische Kriterien gleichermaßen berücksichtigt, oder der Pioneer Global Ecology zählen schon seit Jahren zur Gruppe der „stark überdurchschnittlichen".

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