3D-Fernsehen Meldung

Dem Fernsehen mit räumlicher Tiefe soll die Zukunft gehören. Wir sind noch skeptisch. Lesen Sie hier, warum.

Der Kinoerfolg „Avatar“ löste eine 3D-Euphorie aus. Das ist seit gut hundert Jahren nun schon der dritte, wenn auch Erfolg versprechendste Anlauf, Filme mit Tiefeneindruck zu vermarkten. Die Geräte für räumliches Fernsehen sind potenter als je zuvor. Dennoch sollte der Kauf eines Fernsehers mit 3D-Funktion überlegt sein: Die Technik sorgt bei etlichen Zuschauern für Unwohlsein und steckt noch in den Kinderschuhen.

Mangel an 3D-Fernsehprogrammen

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Doppelbilder: 3D-Fernseher zeigen zwei Bilder – je eins für jedes Auge (links). Scharfmacher: Die 3D-Brille separiert die zwei Bilder und sorgt so für scharfe Bilder mit Tiefenwirkung (rechts).

Doppelbilder: 3D-Fernseher zeigen zwei Bilder – je eins für jedes Auge (links). Scharfmacher: Die 3D-Brille separiert die zwei Bilder und sorgt so für scharfe Bilder mit Tiefenwirkung (rechts).

Ein klarer Minuspunkt ist das geringe Angebot an 3D-Filmen, von einem frei empfangbaren 3D-Fernsehprogramm ganz zu schweigen. Günstiger als noch zu Beginn der 3D-Welle stellen sich die Preise dar. Anfangs fanden wir zwischen sonst vergleichbaren Fernsehern der 102-Zentimeter-Klasse mit und ohne 3D noch bis zu 700 Euro Preisunterschied. Das ist vorbei. Die Option auf 3D ist bei vielen hochwertigen Fernsehern Standard. Bleiben die obligatorischen Brillen: Meist liegen eine oder zwei bei. Wer mehr braucht, muss noch um die 100 Euro pro zusätzlicher Brille ausgeben. Unverzichtbar ist auch der 3D-Blu-ray-Spieler. Kostenpunkt: ab 180 Euro. Er zeigt Filme mit Tiefeneindruck von der Scheibe und ergänzt das magere 3D-TV-Programm.

Wovor Samsung warnt

Viele Probleme beim 3D-Fernsehen liegen daran, dass es für den Tiefeneindruck mächtig tricksen muss. Die Technik nutzt nur eine von drei Methoden, die wir für räumliches Sehen kombinieren. Im Alltag fangen beide Augen ein leicht versetztes Bild ein (Mechanismus 1: Doppelbilder). Außerdem drehen sie sich leicht schielend auf das angeschaute Objekt (Mechanismus 2: Konvergenz) und stellen die Schärfe genau darauf ein (Mechanismus 3: Akkommodation). Das ergibt ein räumliches Bild. 3D-Fernsehen zeigt zwar Doppelbilder (Mechanismus 1). Doch die Mechanismen 2 und 3 bedient das 3D-Fernsehen nicht. Die Augen müssen trotz unterschiedlicher Tiefeninformation immer auf die Kinoleinwand oder Fernseher-Mattscheibe scharfstellen und den Blickwinkel beider Augen zueinander beibehalten. Unser Gehirn setzt aber auch beim 3D-Fernsehen unwillkürlich auf Konvergenz und Akkommodation. Die Folge: schnelles Ermüden und womöglich sogar Orientierungsstörungen. Samsung selbst, einer der 3D-Pioniere, warnt ausdrücklich vor diesen Nebenwirkungen. Alle unsere Probanden fühlten sich strapaziert und wollen daheim kein 3D sehen. Im Kino mildert der große Sehabstand diese Probleme.

Animationsfilme sind schärfer

Bei 2D-Filmen lenkt die Kamera mit der Schärfeebene den Blick des Zuschauers. Er folgt der Handlung und ist kaum versucht, auf einen unscharfen Teil zu schauen. Bei 3D will er eher den Blick durch das räumliche Bild schweifen lassen. Doch auch bei 3D ist das Bild nur dort scharf, wo die Kamera fokussiert, alles andere ist unscharf. Animationsfilme sind im Vorteil: Sie können jedes Objekt scharf zeigen und sind deshalb verträglicher als „richtige“ Filme.

Was doch für 3D-Fernseher spricht

Obwohl die Technik nicht optimal ist, hat ein 3D-Fernseher einiges für sich. Er muss ein helles Bild mit hoher Bildwechselfrequenz schaffen. Diese Tugenden kommen auch dem 2D-Bild zugute. Jedenfalls landeten die bisher von uns geprüften 3D-Fernseher auf den besseren Rängen. Es ist die allgemeine Qualität der Modelle, die den Kauf rechtfertigt. 3D ist eine nette Zugabe, nutzen muss der Zuschauer sie ja nicht.

Tipp: 3D funktioniert nicht nur mit den teuren HDMI-Kabeln der Spezifikation 1.4. Auf kurze Distanz genügen nach unseren Erfahrungen auch deutlich günstigere HDMI-Kabel der Spezifikation 1.3.

Der Schub wird für 2014 erwartet

Auf absehbare Zeit bleibt 3D im Fernsehen Mangelware. Nur ausgewählte Filme und Sportereignisse sollen in räumlicher Aufzeichnung ins Haus kommen. Einen 3D-Schub erwartet die Branche erst zur Fußball-WM 2014. Vorreiter sind die Deutsche Telekom mit dem Internetfernsehen Entertain und der Bezahlsender Sky.

Der Grund für die Zurückhaltung der Sender bei 3D ist die Konzentration auf das HD-Fernsehen: Mehr Sender und Sendungen sollen hochauflösende Qualität bieten. Das ist wichtiger als der 3D-Spaß.

Ein seltsam flächig wirkendes Bild

Viele 3D-Fernseher können herkömmliches 2D in 3D umrechnen. Das überzeugt bisher aber nicht. Wenn die Information fehlt, welches Objekt vorn und welches tiefer im Raum liegt, muss die Elektronik raten. Das klappt oft nicht. Ordnet die Elektronik alles am unteren Bildrand dem Vordergrund und alles am oberen Bildrand dem Hintergrund zu, werden Ebenen ohne fließenden Übergang geschaffen. Das erzeugt ein seltsam kulissenartiges Bild.

Plasmafernseher punkten bei 3D

Die geringe Helligkeit und der hohe Stromverbrauch sind zwei Nachteile von Plasmafernsehern. Bei 3D punkten sie jedoch mit kontrastreichem Bild und guter Farbdarstellung, das 3D-Bild wirkt sehr plastisch. Dazu kommt ihre schnelle Reaktionszeit. Das mindert Doppelkonturen, das sogenannte „Ghosting“. Plasmafernseher sind bei 3D auch deshalb angenehmer, weil Tiefenwirkung und Helligkeit des Bildes bei zur Seite geneigtem Kopf kaum leiden. Auch hier sind sie deutlich besser als LCDs. Bei LCDs ändert sich die 3D-Darstellung, wenn der Zuschauer den Kopf neigt. Einerseits vermindert sich die Helligkeit. Andererseits können der Tiefeneindruck schwinden und Doppelkonturen auftreten.

Mit Shutterbrillen flimmert es

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Mit Gelenk: Zuweilen können Bügel von Shutterbrillen mit einem Schieber von gerader Stellung für breite Köpfe auf schmale Gesichter eingeklappt werden.

Die bislang favorisierte 3D-Technik mit Shutterbrillen erzeugt ein leichtes Flimmern. Die Ursache: 3D-Fernseher zeigen abwechselnd Teilbilder für das rechte und das linke Auge. Synchron wird das jeweilige Glas der Shutterbrille durchlässig oder dunkel geschaltet (shutter: englisch für Klappe oder Verschluss).

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Mit Batterie: Shutterbrillen brauchen Strom – aus Akku oder Knopfzelle.

Umgebungslicht und subjektive Veranlagung entscheiden, ob und wie störend das Flimmern wahrgenommen wird. Bei indirektem und nicht zu hellem Umgebungslicht ist das Flimmern unauffällig. Doch es stört, wenn Tageslicht durch die Brille scheint – beispielsweise, wenn der Fernseher seitlich oder gar vor dem Fenster steht. Auch die Tagesform spielt eine Rolle. Ausgeruht fällt Flimmern eher auf als abends mit müden Augen.

Mit Polarisationsbrille flimmert nichts

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Brillenakkus: Sie werden per USB-Kabel geladen.

Auch eine im Kino bewährte Technik soll bald ins Wohnzimmer einziehen: 3D mit Polarisationsbrillen. Dabei werden die Brillengläser nicht abwechselnd verdunkelt wie bei Shutterbrillen. Vielmehr erzeugt das Fernsehgerät gerichtetes „polarisiertes“ Licht – für ein Auge waagerecht, für das andere senkrecht ausgerichtet. Die Brillengläser lassen nur das Licht durch, das für das jeweilige Auge gedacht ist. Sie bleiben aber stets durchsichtig und erzeugen deshalb keinen Flimmereffekt. Auf der weltgrößten Branchenmesse, der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas, stellte der koreanische Konzern LG Electronics im Januar 2011 ein entsprechendes Modell vor, den LG LW6500. Er soll im März in den Handel kommen, der Preis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

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Viel Technik: Manche 3D-Brillen haben einen Aus-Schalter.

Die Technik hat aber nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile: Einerseits erhalten beide Augen gleichzeitig ein Bild, nichts flimmert. Und die Polarisationsbrillen sind sehr leicht und billig. Andererseits aber wird die Auflösung halbiert.

Es geht auch ohne Brille

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Mit Nasenklemme: So kann die 3D-Brille wenigstens grob angepasst werden.

Doch es geht auch ohne Brille, aber schlecht. Mehrere Hersteller präsentierten solche Fernseher. Auch sie zeigen getrennte Bilder für rechtes und linkes Auge. Bei diesen Modellen werden die Teilbilder jedoch durch Minilinsen auf der Bildschirmoberfläche nach rechts beziehungsweise links ausgelenkt. Stimmen Kopfhaltung und individueller Sehabstand des Zuschauers, ergibt sich ein 3D-Effekt. Schon geringste Abweichungen von der idealen Sehposition lassen den Effekt drastisch schwinden. Nachteilig ist auch die verminderte Auflösung: Jeder Zuschauer bekommt beispielsweise bei den von Toshiba vorgestellten Modellen nur ein Neuntel der Pixelzahl des Fernsehers angeboten. Dadurch geht die Detailfülle von HD verloren.

Was HD-3D-ready bedeutet

Das 3D-Fernsehen ist also wenig attraktiv. Anders sieht es im Kino oder beim Fussballgucken in der Sportkneipe aus: Mit großem Bild und mehr Sehabstand kommt eher Spaß auf. Wer dennoch gerüstet sein möchte, kann auf das Zeichen HD-3D-ready achten. Diese Fernseher werden ohne Steuersender und Brille ausgeliefert, sind aber für 3D vorbereitet. So kann der Kunde später aufrüsten, muss es aber nicht.

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