360-Grad-Kameras im Test: Gute Rundum-Bilder gibts schon für 200 Euro

360-Grad-Kameras im Test - Gute Rundum-Bilder gibts schon für 200 Euro

Rundum-Panorama. Die Software vereint, was zwei Objektive einfangen. Es entsteht ein ausgerolltes, entzerrtes Rundum-Bild: Rechts schließt wieder links an. In der Höhe haben wir die Aufnahme aus Potsdam beschnitten, damit sie besser passt.

Sie liefern beein­druckende Panorama­bilder und Videos aus allen Richtungen. Schon für 200 Euro gibts gute Rundum-Bilder.

Abge­fahren sind die Bilder, die diese Kameras liefern: Rundum-Panorama-Aufnahmen, der rechte Bild­rand dockt praktisch links wieder an. Vor allem beim Scrollen am Rechner beein­druckt der Effekt, aber auch Foto-Abzüge sind ein Erlebnis. Die 360-Grad-Kamera filmt und fotografiert mit zwei gegen­über­liegenden Objektiven. Beide fangen extrem weitwink­lige Bilder ein. Der Blick­winkel ähnelt Fisch­augen mit 180 bis 235 Grad.

Software vereint beide Bilder zu einem 360-Grad-Panorama. Das funk­tioniert per App auf dem Smartphone oder Rechner. Die Software kann das erzeugte Panorama auch flach ausrollen. So ist unser großes Foto oben entstanden. Besonders reizvoll ist der Rundum-Effekt im bewegten Bild, etwa wenn Skater, Surfer oder Snowboarder durchs Video flitzen. Alles, was Actionfilmer dafür brauchen, ist eine 360-Grad-Kamera, ein Smartphone mit App und einen PC mit Software, Übung und viel Zeit.

Unser Rat

Die GoPro Fusion setzt Maßstäbe: gute 360-Grad-Videos dank bester Bild­stabilisierung mit Sensoren für Ausrichtung und Beschleunigung. Ihre PC-Software kann sogar den Horizont gerade ziehen. Der stolze Preis: 760 Euro. Die Samsung Gear 360 kostet nur 189 Euro und über­zeugt mit guten Panorama­fotos. Brauch­barere Videos liefern Insta360 fürs iPhone (315 Euro) und Garmin Virb 360 (785 Euro).

Zwei Kameras in einer

Die 360-Grad-Kamera besteht aus zwei Kameras in einem Gehäuse. Jeweils mit 180-Grad-Weitwinkel-Objektiv. Gegen­über montiert, fangen beide Objektive das Panorama aus allen Richtungen ein.

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Linke Kamera: Fängt ein 180-Grad-Panorama-Bild ein. Weitwink­lig wie ein Türspion.
Rechte Kamera: schießt noch ein 180-Grad-Panaroma. Kombiniert ergibt sich das 360-Grad-Bild.

Gute Fotos für unter 200 Euro

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Kugel-Panorama. Das Panorama in Kugelform, per Software gerechnet. Im Mittel­punkt steht der Erdboden, deshalb heißen diese Aufnahmen auch „Little Planet“ – kleiner Planet.

Der Spaß muss nicht teuer sein. Für weniger als 200 Euro gibt es bereits eine der besten Kameras im Test: Die Samsung Gear 360 für 189 Euro macht eindrucks­volle Fotos. Für ein Modell, dass gute Videos aufnimmt, müssen Panorama­fans etwas mehr Geld auf den Tisch legen: 315 Euro kostet die Insta360 One fürs iPhone. Sie liefert nicht nur gute 360-Grad-Videos, sondern auch gute Rund­umfotos. Am besten gelingen sie mithilfe eines iPhones, denn ohne das Smartphone von Apple lässt sich die Insta 360 One kaum sinn­voll verwenden. Android-Smartphones können die 360 One zwar fern­steuern, die Kamera über­mittelt ihnen aber keine Vorschau.

Die insgesamt besten Videos macht die GoPro Fusion – die einzige Kamera mit guter Gesamt­note im Test. Das liegt an ihrer hervorragenden Bild­stabilisierung. Der stolze Preis für die Kamera: 760 Euro.

Die Software macht den Unterschied

Für alle 360-Grad-Kameras gilt: Ohne Smartphone und App läuft nicht viel. Die Kamera lässt sich damit aus der Ferne steuern, auf einem Stativ etwa oder einem Stick. Außerdem zeigt das Smartphone die Fotos und Videos auch an. Der Kamera selbst fehlen Display und Software dazu. Die Fern­steuerung ist sinn­voll, weil der Fotograf sonst im Bild landet, viel vom Panorama verdeckt und durch die weitwink­lige Aufnahme verzerrt erscheint.

Die Qualität der fertigen Videos hängt auch von der Software ab. Zum Teilen im Netz reicht die mobile App. Für kreative Video­clips ist die PC-Software empfohlen.

„Stitching“, eng­lisch für Nähen, nennen Experten das Zusammenfügen mehrerer Perspektiven zu einem Panorama. Die Software über­nimmt das und anschließend die Bild­stabilisierung. Sehr gut ist die GoPro Fusion: Sie stabilisiert das Bild mithilfe von Sensoren, die Ausrichtung und Beschleunigung der Kamera erfassen. Stabilisiert wird schon in der Firmware der Kamera, ein zweites Mal in der externen Software. Samsung, Ricoh, Nikon und Easypix verzichten auf Sensoren zur Stabilisierung. Das sieht man ihren Videos auch an. Wackelt die Kamera, wackelt auch das Video.

Der Spaß steht im Vordergrund

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Röhren-Panorama. Umge­kehrt gewölbt, stellt die Software mit demselben Motiv wie links den Himmel in den Mittel­punkt. Das Panorama erscheint nun wie der Blick durch eine Röhre, eng­lisch: „Tube View“.

Nach der anfäng­lichen Schwärmerei wollen wir nicht verschweigen, wofür die 360-Grad-Kamera steht: für Spaß, Action und Effekte. Anspruchs­volle, wohl­komponierte Fotos und Videos sind nicht ihr Metier. Wie eine Action-Cam bietet sie kaum Einstell­möglich­keiten und kein Zoom­objektiv, mit dem sich ein Ausschnitt wählen ließe. Die Kamera nimmt einfach alles auf. Eine kreative Bearbeitung findet erst am PC oder am Smartphone statt. Die GoPro speichert sogar die Aufnahmen der beiden Objektive getrennt auf zwei Speicherkarten. Erst die Software macht brauch­bare Videos daraus.

Großes Kino sollten 360-Grad-Filmer von den kleinen Kameras nicht erwarten. Vor allem nicht beim Ton. Die Videos klingen oft dünn und verrauscht. An den Sound einer guten Systemkamera kommt selbst die Insta mit „gutem“ Klang nicht heran. Die GoPro verspricht 360-Grad-Surround-Sound, liefert aber zunächst keine klare Raum­wirkung. Zudem fehlt es an Bass. Ein Anflug von Räumlich­keit entsteht erst nach aufwendiger Nachbearbeitung mithilfe der Software.

Positiv: Garmin, Samsung und Kodak funk­tionieren auch als Action-Cam mit einem Objektiv. GoPro und Insta können Rohdaten aufzeichnen. Damit lassen sich Fotos zu besserer Qualität „entwickeln“. Videos brauchen dagegen viel Zeit und Rechnenpower. Das Hoch­laden einer Minute Video per App aufs Handy dauerte bis zu neun Minuten. Das könnte auch Spaß­vögeln irgend­wann die Geduld rauben.

Inspiration vom Profi

Wer sehen möchte, wie 360-Grad-Aufnahmen wirken und was sie leisten können, sollte sich im Netz umschauen. Die eindrucks­vollsten Bilder kommen meist von Profis: von Arte (sites.arte.tv/360/de) bis ZDF (vr.zdf.de/). Coole Videos sind auch bei Youtube zu finden (youtube.com/360) und auf den Webseiten der Kamera­hersteller. Für die Wieder­gabe selbst gedrehter Videos ist die Software erforderlich, die der Anbieter zum Download anbietet. Egal ob GoPro, Garmin oder Samsung: Jeder nutzt sein System. Weitergeben und anderswo abspielen klappt in der Regel nicht. Samsung bietet auch eine App, mit der sich selbst gedrehte 360-Grad-Videos auf der Gear-VR-Brille wiedergeben lassen (test 12/2016), schränkt aber ein, dass App und Brille nicht mit allen Smartphones harmonieren.

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