30 Jahre nach Tschernobyl Meldung

Drei Jahr­zehnte ist es her, dass im ukrai­nischen Atom­kraft­werk Tschernobyl der größte anzu­nehmende Unfall passierte, der GAU. Aus dem Reaktor wurden damals erhebliche Mengen radio­aktiver Stoffe freigesetzt und mit dem Wind nach Nord- und Mittel­europa getragen. test.de informiert, ob die Strahlung auch 30 Jahre danach noch ein Problem darstellt, etwa in Pilzen und Wild­bret.

Bayern besonders betroffen

Schon wenige Tage nach der Katastrophe erreichten kontaminierte Luft­massen auch Deutsch­land. Wo es regnete, wurden die verstrahlten Partikel aus den Tschernobyler Wolken in die Böden gespült – haupt­sächlich im südlichen Bayern, teils in Franken, aber auch in einigen Land­strichen in Meck­lenburg, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Viele radio­aktive Stoffe sind längst zerfallen und bedeuten keine Gefahr mehr. Das lang­lebige Cäsium 137 aber macht vor allem in süddeutschen Wald­gebieten nach wie vor Probleme. Mit einer Halb­wert­zeit von 30 Jahren strahlt die Hälfte des 1986 freigesetzten Cäsiums 137 noch heute.

Auf Wildpilze verzichten?

Im Gegen­satz zu land­wirt­schaftlichen Nutz­flächen speichert der Wald­boden den radio­aktiven Stoff in der Humus­schicht. Unter­irdische Pilz­pflanzen nehmen das Cäsium 137 beständig auf und reichern es in ihren Frucht­körpern an. Zwar ist die Belastung durch den Verzehr von Wild- und Wald­pilzen laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gering, wenn man sie nicht jeden Tag isst, sondern in üblichen Mengen zu sich nimmt. Doch wer ganz sicher gehen will, sollte in Süddeutsch­land lieber auf das Sammeln und Essen von Pilzen verzichten. Hier finden Sie weitere Informationen und Tipps zum Thema Wildpilze sammeln und zubereiten. Auch Wald­beeren können im Süden Deutsch­land immer noch Cäsium 137 enthalten.

Wild­bret im Sommer weniger belastet

Und wie sieht es mit Wild­bret aus? Hirsche, Rehe oder Wild­schweine, die sich von belasteten Wald­pilzen oder auch Beeren ernähren, können die radio­aktiven Stoffe in die Nahrungs­kette tragen. Deswegen untersucht zum Beispiel das Bayerische Landesamt für Umwelt regel­mäßig den Wild­bestand auf Radio­aktivität – und wird immer wieder fündig. Vor allem viele erlegte Wild­schweine landen wegen erhöhter Cäsium-137-Strahlung statt im Brat­ofen in der Tierkör­perbeseitigung. Im Sommer und im Spät­herbst allerdings sind die Tiere weniger belastet. Dann nämlich suchen sie sich ihr Futter bevor­zugt auf Äckern, wo radio­aktive Verseuchung so gut wie kein Problem mehr ist.

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