Alters­vorsorge, Rente und Pflege

In der gesetzlichen Rente bringt das neue Jahr einige Änderungen. Vor allem Gering­verdiener und Mütter profitieren. Arbeit­geber und Arbeitnehmer teilen sich künftig wieder paritätisch den Krankenkassenbeitrag, der Pflege-Tüv soll besser werden, und Gutverdiener zahlen höhere Beiträge in der Sozial­versicherung. Auch sonst ändert sich was im Geldbeutel: Die 100- und 200-Euro-Noten sehen künftig anders aus.

Neue Geld­scheine – Hunderter und Zwei­hunderter werden sicherer

2019 Special

Ab 28. Mai 2019 kommen die neuen 100-Euro- und 200-Euro-Scheine in Umlauf. Es sind die letzten beiden Scheine der neuen Europa-Serie. Europas Währungs­hüter haben sie mit besseren Sicher­heits­merkmalen ausgestattet.

Wie bei den anderen Stückelungen – 5, 10, 20 und 50 Euro – lässt sich mit dem Test „Fühlen-Sehen-Kippen“ über­prüfen, ob die Bank­noten echt sind. Die neuen Hunderter und Zwei­hunderter haben auf der Vorderseite oben rechts ein Satelliten-Hologramm. Um die Wert­zahl bewegen sich beim Neigen kleine Euro-Symbole. Auch die Smaragdzahl wurde über­arbeitet: auf der Zahl sind €-Symbole zu erkennen.

Tipp: Einzel­heiten inklusive eines 3-D-Films zu den Sicher­heits­merkmalen der neuen Europa-Serie finden Sie auf der Website www.ecb.europa.eu unter dem Stich­wort „Der Euro“.

Gesetzliche Rente – Gut für Gering­verdiener

2019 Special

Mütter, neue Erwerbs­minderungs­rentner, Gering­verdiener und Teil­zeit­beschäftigte profitieren von der jüngsten Rentenreform. Allgemein soll das Renten­niveau bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken. Der Beitrags­satz zur Renten­versicherung soll bis dahin 20 Prozent nicht über­schreiten.

Mütter. Frauen, die vor 1992 Kinder geboren haben, bekommen ab Januar für jedes Kind zwei Jahre und sechs Monate Renten­beitrags­zeit ange­rechnet. Dies gilt für Rentne­rinnen und für Mütter, die noch keine Rente beziehen.

Erwerbs­geminderte. Wer ab Januar 2019 erst­mals eine Erwerbs­minderungs­rente bekommt, wird so gestellt, als ob er länger Rentenbeiträge gezahlt hätte.

Gering­verdiener und Teil­zeitjobber. Wer weniger als 1 300 brutto im Monat verdient, zahlt ab Juli 2019 einen geringeren Rentenbeitrag. Dies schmälert die Rente aber nicht.

Tipp: Alle wichtigen Infos zum Thema gesetzliche Rente lesen Sie in unserem Special Gesetzliche Rentenversicherung: Das sollten Sie über Ihre Rente wissen.

Betriebliche Alters­vorsorge – Zuschuss vom Chef

Wenn der Arbeitnehmer für eine betriebliche Alters­vorsorge spart, muss der Arbeit­geber ab 2019 bei neu abge­schlossenen Verträgen 15 Prozent dazu­geben. Das gilt jedoch nur, sofern der Arbeit­geber Sozialbeiträge spart. Der Arbeitnehmer muss also unter­halb der Beitrags­bemessungs­grenzen für die Renten­versicherung und die gesetzliche Kranken- und Pflege­versicherung verdienen. Mehr zum Thema in unserem Special Betriebliche Altersvorsorge: Mit dem Arbeitgeber für die Rente sparen.

Sozial­versicherung – Gutverdiener zahlen höhere Beiträge

Die Beitrags­bemessungs­grenzen der Sozial­versicherung steigen auch 2019. Sie legen das Einkommen fest, bis zu dem Beiträge für die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeits­losen­versicherung fällig sind. Wer mehr verdient, zahlt nicht mehr.

In der Kranken- und Pflege­versicherung verschiebt sich die Grenze von 4 425 Euro auf 4 537,50 Euro monatlich. Bei einem Beitrags­satz von 15,5 Prozent (inklusive Zusatz­beitrag von 0,9 Prozent) liegt der maximale Kassenbeitrag für Arbeitnehmer bei rund 352 Euro. Denn sie zahlen 2019 nur noch den halben Beitrags­satz (siehe „Gesetzliche Krankenkasse“ unten).

Um in die private Kranken­versicherung zu wechseln, müssen Versicherte 5 062,50 Euro im Monat und damit 112,50 Euro mehr als bisher verdienen.

Beitrags­bemessungs­grenzen im Jahr 2019

Bis zu diesen Beträgen steigen die Beiträge zur Sozial­versicherung mit dem Gehalt.

Grenzen je nach Versicherung

Brutto­lohn 2018 (Euro)

Brutto­lohn 2019 (Euro)

Monat

Jahr

Monat

Jahr

Kranken- und Pflege­versicherung

Versicherungs­pflicht­grenze 1

4 950

59 400

5 062,50

60 750

Beitrags­bemessungs­grenze

4 425

53 100

4 537,50

54 450

Renten- und Arbeits­losen­versicherung

Beitrags­bemessungs­grenze

West: 6 500

Ost:   5 800

West: 78 000

Ost:   69 600

West: 6 700

Ost:   6 150

West: 80 400

Ost:   73 800

    Quelle: Bundes­ministerium für Arbeit und Soziales

    • 1 Ab dann Wechsel zur privaten Versicherung möglich.

    Gesetzliche Krankenkasse – Geringere Beiträge

    Ab Januar 2019 teilen sich Arbeit­geber und Beschäftigte den gesamten Krankenkassenbeitrag. Das sieht das „Gesetz zur Beitrags­entlastung in der gesetzlichen Kranken­versicherung“ vor, das 2019 in Kraft tritt. Bislang galt dies nur für den allgemeinen Beitrags­satz von derzeit 14,6 Prozent. Krankenkassen können darüber hinaus einen Zusatz­beitrag verlangen, wenn es ihre finanzielle Situation erfordert. Dieser wird ab dem kommenden Jahr ebenfalls zwischen Arbeit­geber und Arbeitnehmer geteilt. Bislang mussten die Versicherten ihn allein bezahlen. Sie können dank der neuen Regel je nach Höhe des Zusatz­beitrags ihrer Kasse und ihres Gehalts mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.

    Viele selbst­ständige Kassen­mitglieder mit geringen Einkünften müssen nicht mehr so hohe Kassenbeiträge zahlen: Die Einkommens­grenze für den Mindest­beitrag sinkt auf 1 038 Euro monatlich. Bisher betrug sie 2 284 Euro im Monat.

    Tipp: Mehr Infos zum Thema finden Sie in unserem großen Krankenkassenvergleich.

    Pflege-Tüv soll besser werden

    Ein Gutachten schlägt ein neues Verfahren vor, um Pflege­dienste und Pfle­geheime zu bewerten. Es soll ab Herbst 2019 gelten.

    Pflegenoten. In Deutsch­land gibt es knapp 15 000 ambulante Pflege­dienste und rund 16 000 Pfle­geheime – doch welche Einrichtung ist gut? Der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft seit 2009 alle Pfle­geheime und Pflege­dienste und vergibt Noten. Sie werden im Internet in Daten­banken der Pflegekassen wie Pflege-navigator.de und Pflegelotse.de veröffent­licht. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen können solche Daten­banken nutzen, wenn sie nach geeigneten Pfle­geheimen oder -diensten suchen.

    Umstritten. Die Pflegenoten stehen massiv in der Kritik, seit es sie gibt. Sie bewerten vor allem die Pflegedokumentation, zu der Pflege­dienste verpflichtet sind, nicht aber die praktische Pflege selbst. Die Kritik: Durch das Verfahren schnitten zu viele Dienste und Heime sehr gut ab. Das sei wenig aussagekräftig und sogar irreführend.

    Qualitäts­ausschuss. Der Gesetz­geber reagierte und verpflichtete Betreiber von Heimen und ambulanten Diensten und die Pflegekassen, ein verläss­licheres Prüf­verfahren zu entwickeln. Ihr gemein­samer Qualitäts­ausschuss gab ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag. Es liegt nun vor und beschreibt Grund­züge eines neuen Prüf­verfahrens. Künftig soll konkret geschaut werden, wie gut die Pflege ist. Aufschluss darüber sollen zum Beispiel Stich­proben von bis zu neun Bewohnern geben. Das Bewertungs­system soll im Herbst 2019 umge­stellt werden.

    Tipp: Pflegebedürftige und Angehörige können sich nicht auf die derzeit veröffent­lichten Pflegenoten verlassen. Machen Sie sich ein eigenes Bild. Sind Sie unzufrieden mit der Pflege, sprechen Sie die Pflege­dienst­leitung an. Wird es nicht besser, wechseln Sie den Dienst oder die Einrichtung.

    Einfacher mit dem Taxi zum Arzt kommen

    Pflegebedürftige und Menschen mit Behin­derungen, die in Pfle­geheimen versorgt werden oder zu Hause wohnen, können oft nur per Taxi zum Arzt kommen. Bislang über­nahm die Krankenkasse die Fahrt­kosten nur, wenn zuvor ein Antrag gestellt und genehmigt wurde – das war für alle Beteiligten aufwendig . Ab Januar 2019 können Pflegebedürftige ab Pfle­gegrad 3 und Menschen mit Behin­derungen ein Taxi zu einer ambulanten Behand­lung nehmen, wenn es über eine ärzt­lichen Verordnung als genehmigt gilt.

    Bei Kuren wird Pflegebedürftiger mitbetreut

    Viele pflegende Angehörige sind körperlich und seelisch stark bean­sprucht – das zehrt. Eine Reha in einer Klinik kann helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Bislang war es vielfach kompliziert, die Pflege des Kranken zu Hause zu managen. Ab Januar 2019 sollen die kurende Pfleger ihre pflegebedürftigen Familien­mitglieder in der gleichen Einrichtung betreuen lassen können. Wenn sich der Reha-Aufenthalt zu zweit nicht organisieren lässt, soll die Krankenkasse mit der Pflegekasse die Versorgung des Pflegebedürftigen während des Kurauf­enthalts absprechen und koor­dinieren.

    Dieser Artikel ist hilfreich. 166 Nutzer finden das hilfreich.