Kranken­versicherung + Pflege

2017 Special

Der allgemeine Beitrags­satz in der gesetzlichen Kranken­versicherung bleibt stabil, doch viele Kassen langen beim Zusatz­beitrag kräftig zu. Anfang Januar tritt zudem die letzte Stufe der Pflegereform in Kraft. Viele Pflegebedürftige erhalten deutlich mehr Pflegegeld und Sach­leistungen, die Beratung wird ausgebaut und in zahlreichen Kommunen sollen Modell-Pfle­gestütz­punkte entstehen.

Gesetzliche Kranken­versicherung: Allgemeiner Beitrags­satz bleibt stabil

Der für alle gesetzlichen Krankenkassen vorgeschriebene allgemeine Beitrags­satz von 14,6 Prozent des Brutto­einkommens bleibt 2017 gleich. Der durch­schnitt­liche Zusatz­beitrag, den gesetzlich Kranken­versicherte zahlen müssen, ändert sich laut Prognose des beim Bundes­versicherungs­amt gebildeten Schätzer­kreises im nächsten Jahr nicht. Er bleibt mit 1,1 Prozent stabil. Einzelne Versicherte müssen vielleicht dennoch tiefer in die Tasche greifen. Den Zusatz­beitrag legt jede Krankenkasse selbst fest. Den müssen die Versicherten allein bezahlen. Er unterscheidet sich von Kasse zu Kasse aber stark und liegt 2016 zwischen 0 und 1,9 Prozent. Außerdem zahlen Gutverdiener mehr: Nach Beschluss der Bundes­regierung steigt die Beitrags­bemessungs­grenze für die Kranken- und Pflege­versicherung bundes­weit an – von derzeit 4 237,50 Euro auf 4 350 Euro (siehe Steuern und Recht).

Tipp: In unserem Produktfinder Krankenkassen finden Sie die Beitrags­sätze für derzeit 77 Kassen – und damit für mehr als 97 Prozent der gesetzlich Versicherten. Und Sie können bequem recherchieren, welche Kasse welche Extra­leistungen bietet. Nächstes Update unserer Daten­bank: Anfang Januar.

Pfle­gestärkungs­gesetz III tritt in Kraft

Zu Jahres­beginn tritt das letzte von drei Pfle­gestärkungs­gesetzen (PSG) in Kraft. Mit den voran­gegangenen Gesetzen wurde geregelt, dass ab Jahres­beginn viele Pflegebedürftige deutlich mehr Pflegegeld und Sach­leistungen bekommen. Bei der Begut­achtung zählen nun neben körperlichen auch psychische Einschränkungen. Im dritten Gesetz geht es um diese Punkte:

Ausbau der Beratung. Die Beratung zu finanziellen Möglich­keiten und recht­lichen Ansprüchen gegen­über der Kranken- und Pflege­versicherung wird ergänzt. Bis zu 60 Kreisstädte und kreisfreie Städte sollen Modell-Pfle­gestütz­punkte für mindestens fünf Jahre einrichten. Dort oder zu Hause bei Betroffenen sollen Mitarbeiter zum Beispiel zur neuen Begut­achtung und den Pfle­gegraden beraten.

Kommunale Beteiligung. Kommunen sollen mit Personal- und Sach­leistungen dazu beitragen, dass Angebote entstehen, die den Alltag von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen erleichtern und sie entlasten.

Entlastungs­betrag. Pflegebedürftige müssen den ab Januar geltenden Entlastungs­betrag von 125 Euro im Monat anders als die früheren Entlastungs­leistungen nicht extra bei der Kasse beantragen. Künftig reicht es, die Kostenbelege für die Alltags­hilfe einzureichen. Sie können das Geld zum Beispiel für Gedächtnis­training, Vorlesen oder Hilfe beim Einkauf einsetzen, aber auch Regel­leistungen der Tages- oder Nacht­pflege damit aufstocken. Die Ausgaben werden dann von der Kasse erstattet.

Gegen Abrechnungs­betrug. Durch das neue Gesetz wird das Prüfrecht des Medizi­nischen Dienstes der Kranken­versicherung (MDK) erweitert. Künftig kann er Pflege­unternehmen und -dienste besser kontrollieren. Stich­proben­artige Kontrollen, ob Pflegebedürftige fachgerecht versorgt werden, sind ohne Vorankündigung möglich. Bei Unregelmäßig­keiten in der Abrechnung der Pflege­dienste soll der MDK ebenfalls unangekündigt die Abrechnungen prüfen können.

Zuständig­keit. Das neue Gesetz soll verschiedene Kosten­träger unter einen Hut bringen. Es soll zum Beispiel klar­stellen, welche Leistungen für Menschen mit Behin­derung künftig das Sozial­amt und welche die Pflegekasse bezahlt. Wichtige Regeln dazu waren bei Redak­tions­schluss noch offen.

Tipp: Einen umfassenden Über­blick über die neue Begut­achtung, die Pfle­gegrade und Beträge für Pflege- und Sach­leistungen finden Sie in unserem Special Pflege.

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