Krankenversicherung: Kasse oder privat?

Krankenversicherung Test
Für männliche Singles kann die private Krankenversicherung auf Dauer günstiger sein als die gesetzliche Krankenkasse.

finanztest 10/2003

Nur wenige Bundesbürger können die gesetzliche Krankenversicherung verlassen. Und nicht für jeden, der gehen kann, ist ein Wechsel zur privaten Versicherung auch sinnvoll.

Krankenversicherung

Etwa 86 Prozent der Deutschen sind gesetzlich krankenversichert. Die meisten können nicht anders. Nur jeder zehnte Kassenpatient darf in die private Krankenversicherung wechseln. Das sind etwa 6,7 Millionen Personen.

Gehen dürfen Angestellte mit einem Monatseinkommen über 3 825 Euro brutto. Selbstständige und Beamte dürfen sich unabhängig vom Einkommen privat versichern. Aber sollten sie das auch tun?

Leicht zu entscheiden ist das für Beamte. Für sie ist die gesetzliche Krankenversicherung aus finanziellen Gründen nicht sinnvoll.

Ihr Arbeitgeber beteiligt sich mit der Beihilfe an den Behandlungskosten – bei ledigen Bundesbeamten zum Beispiel zu 50 Prozent. Für die verbleibenden Kosten schließen sie am besten eine private Krankenversicherung ab. Würde sich ein Beamter gesetzlich krankenversichern, müsste er den gesamten Beitrag aus der eigenen Tasche bezahlen.

Schwieriger ist die Entscheidung für Angestellte und Selbstständige. Für Angestellte zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags, egal ob sie privat oder gesetzlich versichert sind. Selbstständige müssen alles selbst zahlen.

Gegen Reformen versichert

Ein Vorteil der Privatversicherung wird umso deutlicher, je mehr Leistungen die Politik aus der gesetzlichen Versicherung streicht. Private Versicherer können die einmal mit dem Kunden vereinbarten Leistungen nicht nachträglich kürzen. Einem Privatpatienten kann es also nicht passieren, dass er plötzlich seinen Zahnersatz selbst bezahlen muss.

Private Versicherungstarife bieten meist deutlich mehr als die gesetzlichen Kassen. Allerdings kann sich der Kunde nicht wie bei den gesetzlichen Kassen auf vorgeschriebene und bei allen Anbietern gleiche Leistungen verlassen. Er muss genau vergleichen. Zur Orientierung haben wir die Leistungen der privaten und der gesetzlichen Versicherung gegenübergestellt.

Viele wechseln in die private Krankenversicherung, weil sie dort zunächst weniger zahlen als in der gesetzlichen. Die private Versicherung kalkuliert die Beiträge nach Alter, Geschlecht und Gesundheit der Versicherten zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Ältere zahlen mehr als Junge, Frauen mehr als Männer und Kranke mehr als Gesunde. Das Einkommen spielt keine Rolle für die Höhe der Beiträge.

Eine beitragsfreie Versicherung von Kindern gibt es nicht. Für ein Kind unter 10 Jahren sind zwischen 100 und 200 Euro im Monat zu zahlen.

Mit den Jahren steigen die Beiträge für die private Krankenversicherung und wachsen manchen über den Kopf.

Das kann in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht passieren. Hier wird keiner finanziell überfordert, weil sich die Beiträge nach dem Einkommen richten. Kinder und Partner ohne eigenen Verdienst sind beitragsfrei beim Hauptverdiener mitversichert.

Sinkt das Einkommen, sinken auch die Beiträge, steigt es, muss der Versicherte mehr zahlen – aber höchstens bis zur Bemessungsgrenze von derzeit 3 450 Euro brutto im Monat.

Rückweg im Alter versperrt

Wird es später finanziell eng für einen privat Versicherten, kann er kaum in die gesetzliche Kasse zurück, ab 55 Jahren ist das sogar nahezu ausgeschlossen.

Als einziger Ausweg bleibt dann der Standardtarif der privaten Krankenversicherung. Er bietet etwa die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und darf nicht mehr kosten als der durchschnittliche Höchstbeitrag der Kassen, derzeit 483 Euro im Monat.

Wer auch im Alter nicht auf die besseren Leistungen der privaten Krankenversicherung verzichten will, muss sich darauf einstellen, regelmäßig Geld auf die Kante zu legen, damit er auch später, wenn die Einkünfte sinken, den Beitrag aufbringen kann. Denn die privaten Beiträge laufen auch im Rentenalter in voller Höhe weiter. Zuschüsse vom Rentenversicherungsträger gibts zwar auch für Privatpatienten. Doch die orientieren sich an den bedeutend niedrigeren Krankenversicherungsbeiträgen der gesetzlich versicherten Rentner.

Die Beitragsersparnis gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung muss also über viele Jahre erheblich sein, damit sich der Wechsel finanziell lohnt. Leider lässt sich kaum vorhersagen, wie sich die Beiträge der gesetzlichen Kassen und der privaten Tarife in Zukunft entwickeln werden. Daher ist es streng genommen auch gar nicht möglich, zu sagen, ob und wie viel jemand durch den Wechsel langfristig sparen kann.

Finanztest hat zur groben Orientierung aber eine Faustformel entwickelt: Legt der Kunde seine aktuelle monatliche Ersparnis bis zum Rentenalter verzinslich an, muss mindestens ein Betrag herauskommen, der reicht, um ab dem 65. Lebensjahr weitere 25 Jahre den Beitrag für die private Versicherung zu zahlen. Wie hoch der sein wird, haben wir vorsichtig geschätzt: mindestens doppelt so hoch wie heute.

Versichert sich zum Beispiel ein allein stehender, gesunder, selbstständiger Mann im Alter von 33 Jahren privat, zahlt er 270 Euro Monatsbeitrag bei ­einer jährlichen Selbstbeteiligung von 360 Euro. Seine maximale monatliche Belastung beträgt also 300 Euro, wenn man den Selbstbehalt auf die Monate verteilt. Wir nehmen an, dass die Kostenbelastung mit 65 mindestens doppelt so hoch liegt, also bei 600 Euro. Um als Rentner für 25 Jahre monatlich diese 600 Euro zusätzlich zur Verfügung zu haben, müsste er in seiner erwerbstätigen Zeit monatlich 199 Euro sparen, wenn er für sein Geld eine durchschnittliche Ver­zin­sung von 3 Prozent erreicht.

In unserem Beispiel ist der Selbstständige bislang Mitglied in einer Kasse mit einem Beitragssatz von 15,7 Prozent und zahlt dort 541,65 Euro im Monat. Versicherte er sich privat, wür­de er also 241,65 Euro im Monat sparen. Damit könnte er zumindest heute die errechnete Rate für den Beitrag im Alter aufbringen und darüber hinaus noch etwas Geld sparen.

Eine gleich alte selbstständige Frau, die in der gleichen Kasse versichert ist, kommt in der privaten Krankenversicherung inklusive Selbstbehalt zum Beispiel auf eine monatliche Kostenbelastung von 450 Euro und würde ab 65 Jahren 900 Euro monatlich benötigen. Dafür müsste sie bei einem Zinssatz von 3 Prozent jeden Monat 299 Euro ansparen.

Sie würde aber durch den Wechsel nur 91,65 Euro im Monat sparen. Hat sie kein anderes Vermögen, dann muss sie im Alter wohl irgendwann in den Standard­tarif wechseln. 

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