Berufsunfähigkeits­versicherung: Der Preis hängt stark von Alter und Beruf ab

finanztest 08/2004

Je älter ein Kunde bei Vertragsbeginn ist, desto mehr kostet ihn sein ­Berufsunfähigkeitsschutz. Überwiegend körperlich Tätige zahlen mehr.

Berufsunfähigkeits­versicherung

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, wird von dem Versicherer, den er sich dafür aussucht, individuell taxiert. Vom Ergebnis hängt ab, ob er angenommen wird und wie viel er für den Schutz bezahlt. Bei der „Risikoprüfung“ spielen Geschlecht, Alter und gesundheitliche Verfassung eines Kunden eine Rolle. Sehr wichtig ist, wovon jemand lebt. So versichert die VGH Missionare nur, wenn die Direktion extra zustimmt. Die Stuttgarter lehnt Zeitungsausträger ab.

Die meisten Versicherer teilen Antragsteller je nach Beruf in eine Risiko- und damit Beitragsgruppe ein. Viele unterscheiden vier Berufsgruppen (siehe Tabelle „Verschiedene Kategorien“), manche nur drei. Akademiker wie Wirtschaftsprüfer, Anwälte oder Ärzte zahlen normalerweise am wenigsten für ihren Versicherungsschutz. Für Angehörige von Berufen mit starker körperlicher Anstrengung ist der Vertrag am teuersten.

Die Beiträge für als riskant betrachtete Berufe sind in jüngster Zeit stark gestiegen. So hätte ein 30-jähriger Krankenpfleger 2003 brutto im Schnitt 1 250 Euro jährlich für einen Vertrag mit einer monatlichen Berufsunfähigkeitsrente von 1 000 Euro plus Risikolebensversicherung mit 50 000 Euro Todesfallleistung bezahlt. Inzwischen muss er im Schnitt 1 530 Euro brutto dafür aufbringen.

Zuschläge mit System

Von Angehörigen „riskanter“ Berufe werden oft zusätzlich systematisch Zuschläge verlangt. Bauarbeiter sind meist betroffen. Bei der Arag zahlt auch der Arbeiter einer Zementfabrik 100 Prozent Zuschlag auf den hohen Normalbeitrag. Wer im Gastgewerbe tätig ist, muss bei dem Versicherer 50 bis 100 Prozent Aufschlag hinnehmen. Wer einen Zuschlag zahlen muss, bekommt oft zusätzlich nur einen Vertrag mit einer verkürzten Laufzeit, etwa bis er 55 Jahre alt wird. Wird ein Kunde erst danach berufsunfähig, was statistisch betrachtet wahrscheinlicher ist als eine frühere Berufsunfähigkeit, gibt es keine Rente.

Jung einsteigen spart

Das Alter eines Kunden bei Vertragsbeginn wirkt sich stark auf den Preis seiner Berufsunfähigkeitsversicherung aus. Das zeigen die Beispiele in der Tabelle links, die auf Angaben des Versicherungsunternehmens Axa beruhen. Der Unterschied zwischen dem, was 30-jährige Kunden im Vergleich zu 20-jährigen zahlen, ist viel kleiner als zwischen dem, was Kunden von 40 Jahren im Vergleich zu 30-jährigen für einen gleichwertigen Schutz aufbringen müssen. Mit zunehmendem Eintrittsalter steigen die Beiträge also überproportional.

Die Beispiele zeigen auch, dass die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung besonders für ältere Männer viel günstiger ist als die Kombination mit einer Risikolebensversicherung. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass der Endpreis des Einzelvertrags für Männer zwar günstiger ist als der für die Kombination. Doch dafür gibt es ja auch keine Todesfallleistung.

Vergleicht man in beiden Varianten nur die Kosten für den Berufsunfähigkeitsschutz (in der Tabelle nicht ersichtlich), ist die Kombination preiswerter. Im Test würde ein 30-jähriger kaufmännischer Angestellter im Schnitt knapp 9 Prozent weniger in der Kombination für eine gleich hohe Berufsunfähigkeitsrente aufbringen müssen, der Krankenpfleger 7 Prozent weniger.

Männer, die keine Angehörigen versorgen müssen oder das anders tun, sollten sich dennoch den Todesfallschutz sparen und den Einzelvertrag vorziehen, weil sie insgesamt weniger zahlen.

Frauen finden oft günstigere Kombinationstarife als Einzelpolicen. Solo-Verträge sind für sie auch teurer als für Männer. Bei den Kombinationen zahlen Frauen meist weniger als Männer.

Rentenhöhe

Wie die Tabelle links unten zeigt, ist eine um die Hälfte höhere Monatsrente bei der Kombination nicht etwa um 50 Prozent teurer. Der Preisanstieg flacht mit steigender Rentenvereinbarung ab.

Der Grund liegt auf der Hand: Wenn nur die Berufsunfähigkeitsrente höher ist, nicht aber die Versicherungssumme der Risikolebensversicherung (Todesfallleistung), zeigt sich das im Beitrag. Zwar zahlt der Kunde auch bei der ­Einzelpolice bei einer um 50 Prozent höheren Berufsunfähigkeitsversicherung nicht die vollen 50 Prozent mehr. Hier ist der Unterschied aber gering.

Die Angaben in den Tabellen („Ältere zahlen drauf“, „Was die Rente kostet“) sind nur Beispiele. Sie zeigen jedoch Tendenzen, die sich in den Angeboten der meisten Unternehmen finden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Tabelle: Ältere zahlen drauf

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (0)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Weitere Angebote