Berufsunfähigkeitsversicherung: Top-Angebote für eine hohe Rente

Berufsunfähigkeitsversicherung Test

finanztest 07/2008

Von 59 Tarifen im Test schnitten 16 Angebote „sehr gut“ ab. Mit den Verträgen für Berufsunfähigkeitsschutz pur sind sehr hohe Renten möglich.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Chemiker Norbert Neumann-Laucke, 53, wird seinen Töchtern Alina, 19, und Leonie, 17, während der Ausbildung je eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1 000 Euro Rente bezahlen. „Wenn sie selbst genug verdienen, können sie entscheiden, ob sie dabeibleiben. Jedenfalls haben sie dann schon mal einen guten, günstigen Vertrag.“

Seine Töchter müssen ihren Lebensunterhalt später wie die meisten Menschen mit eigener Arbeit bestreiten. Wären sie dazu gesundheitlich nicht mehr in der Lage, bekämen sie Probleme. Neumann-Laucke handelt vorbildlich.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kostet noch nicht viel, wenn sie in jungen Jahren abgeschlossen wird. Da die beiden jungen Frauen vollkommen gesund sind, werden sie Verträge ohne Risikozuschlag oder Leistungsausschluss bekommen.

So kalkulierte auch Betriebswirt Thorsten Schlegel, 30, als er vor zehn Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei der CosmosDirekt abschloss. Ihr Schutz erhöht sich jedes Jahr. 375 Euro jährlich kostet ihn das zurzeit – das ist für 1 200 Euro Monatsrente sehr günstig, auch wenn der Schutz nur bis zu seinem 60. Geburtstag läuft.

Fast jeder braucht privaten Schutz

Berufsunfähigkeitsversicherung Test
Chemiker Norbert Neumann-Laucke, 53, will für seine Töchter demnächst eine Berufsunfähigkeits­versicherung abschließen. Alina, 19, (rechts) macht gerade Abitur. Ihre Schwester Leonie, 17, muss noch ein bisschen die Schulbank drücken.

Privater Berufsunfähigkeitsschutz ist für gesetzlich Rentenversicherte wichtig, weil der Schutz über die gesetzliche Rentenversicherung völlig unzureichend ist. Auszubildende, Studenten und Hausfrauen haben gar keinen Invaliditätsschutz.

Beamte sind generell etwas besser abgesichert, in den ersten Berufsjahren jedoch schlecht. Nur Freiberufler, die berufsständischen Versorgungswerken angehören, haben oft nach kurzer Zeit höheren Berufsschutz. Es empfiehlt sich aber auch für diese Gruppe, die Bedingungen zu prüfen und eine mögliche Lücke privat zu schließen.

Im Test: Einzel- und Kombiverträge

Berufsunfähigkeitsversicherung Test
Betriebswirt Thorsten Schlegel, 30, hat sich schon vor zehn Jahren um Berufsunfähigkeits­schutz gekümmert und freut sich über seinen günstigen Vertrag.

Berufsunfähigkeitsschutz ist in unterschiedlicher Qualität und zu ganz verschiedenen Preisen zu haben. Wir haben diesmal 59 Angebote für selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen untersucht und bewertet (siehe Tabelle „Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen“).

„Selbstständig“ heißt diese Variante, weil sie nicht an eine andere Versicherung gekoppelt ist. Bei diesem puren Schutz ist ausschließlich der Fall versichert, dass der Kunde aus gesundheitlichen Gründen seinem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu mindestens 50 Prozent nachgehen kann. Dann erhält er die vereinbarte Rente.

Überwiegend werden noch immer Kombinationen mit Lebensversicherungen verkauft. Das Angebot für Einzelverträge hat sich aber stark vergrößert. Ihr Vorteil ist, dass die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente nicht an andere Vertragsbestandteile gebunden ist, sondern relativ frei gewählt werden kann. So können sich auch Gutverdienende angemessen absichern.

Bewertet haben wir die Versicherungsbedingungen, die Anträge sowie die angebotenen Laufzeiten für 26 häufige Berufe. 16 Angebote bekamen das Finanztest-Qualitätsurteil „sehr gut“. 24 waren „gut“, 7 „befriedigend“ und 8 „ausreichend“.

Die Preisbeispiele in den Tabellen geben einen Hinweis auf das Preisniveau eines Versicherers. Teurer Anbieter unter den „sehr guten“ ist beispielsweise die DBV Winterthur, preiswert ist die Alte Leipziger.

Unternehmen, die den Berufsunfähigkeitsschutz nur kombiniert mit Lebensversicherungen anbieten, tauchen in der großen Tabelle nicht auf. Besonders einige günstige Direktversicherer bieten aber nur kombinierte Verträge. Wir haben uns deshalb auch die Doppelverträge angeschaut.

Zehn „sehr gute“ und „gute“ Angebote für Kombinationen mit einer Risikolebensversicherung, stehen in der Tabelle „Sehr gute“ und „gute“ Kombinationstarife. Sie sind besonders preisgünstig und bieten zusätzlich eine Leistung im Todesfall. In Kombiverträgen heißt der Berufsunfähigkeitsschutz „Berufsunfähigkeitszusatzversicherung“, die Abkürzung „BUZ“. Als Kombination empfehlen wir nur die Variante mit einer Todesfallleistung.

Von Verträgen mit Sparvertrag (Renten- und Kapitallebensversicherung, Fondspolicen) raten wir ab. Sie sind meist stark mit Gebühren belastet. Und ein guter Berufsunfähigkeitsversicherer ist noch lange keine gute Adresse für die Geldanlage.

Ausreichend absichern

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Johannes Laakmann, 28, Betriebswirt im Aufbaustudium, hat kürzlich eine Berufsunfähigkeits­versicherung abgeschlossen.

Die Preisangaben in den Tabellen zwischen 650 Euro und über 2 000 Euro im Jahr gelten für unsere Musterfälle. Das sind Diplomkaufleute und Diplombauingenieure im Alter von 30 Jahren. Sie schließen Verträge mit 2 000 Euro Rente im Monat ab.

Interessenten können so sehen, was ein angemessener Schutz etwa kostet. Wer zum Beispiel nur 1 000 Euro Rente abschließen will, kann den angegebenen Preis beim jeweiligen Versicherer in etwa halbieren.

Viele Kunden vereinbaren zu geringe Renten, auch in den selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen. Hier werden mit 850 Euro durchschnittlich zwar höhere Renten abgeschlossen als in kombinierten Verträgen (450 Euro). Gut verdienende Akademiker benötigen im Ernstfall aber sicherlich viel mehr Geld, um ihren Lebensstandard halten zu können.

Sinnvoll ist eine lange Vertragslaufzeit, am besten bis 67 Jahre, denn für jüngere Leute gibt es erst dann die volle gesetzliche Rente. Weil nicht alle Gesellschaften für beide Musterberufe Verträge bis 67 anbieten, nennen wir für unsere Beispielverträge zur besseren Vergleichbarkeit die Preise für die Laufzeit bis 65 Jahre.

Das Preisniveau

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Diplomkaufmann Christian Messerschmidt, 25, will sich rasch guten Berufsunfähigkeits­schutz sichern.

30-jährige Diplomkauffrauen bezahlen für eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung nach unseren Vorgaben durchschnittlich 1 306 Euro im Jahr, für Männer sind es 1 094 Euro. Die Verträge laufen dann bis zum 65. Geburtstag. Zwei Jahre Laufzeit mehr – bis 67 Jahre – verteuern den Vertrag für Frauen im Schnitt um 189 Euro, für Männer um 156 Euro.

Meistens wird den Kunden ein Netto- und ein Bruttopreis genannt (Überschusssystem „Beitragsverrechnung“, siehe „Checkliste“). Nettopreise sind dann das, was jemand aktuell zahlen muss. Der Preis bleibt stabil, wenn die Überschüsse, die der Versicherer mit den Kundenbeiträgen vor allem am Kapitalmarkt erwirtschaftet, so anfallen, wie er sie kalkuliert. Macht die Gesellschaft weniger Überschüsse, steigt der Nettopreis, jedoch maximal auf die Höhe des bei Vertragsbeginn genannten Bruttopreises.

Versicherer kalkulieren vorsichtig. Je besser der Versicherer kalkuliert hat, desto stabiler bleibt der Nettobeitrag. Bei vielen Anbietern klafft aber eine riesige Lücke zwischen Netto- und Bruttobeiträgen. Kunden sollten sich an beiden Preisen orientieren.

Günstige Kombination

Der Einzelvertrag ist für Männer wegen ihrer geringeren Lebenserwartung meist preiswerter als die Kombination mit einem Todesfallschutz. Im Schnitt aller Anbieter zahlt ein Diplomkaufmann für einen Solovertrag bis 65 Jahre (2 000 Euro Rente) 1 094 Euro, für einen Vertrag inklusive Todesfallleistung dagegen 1 176 Euro. Seine gleichaltrige Kollegin bekommt den Einzelvertrag für 1 306 Euro netto und das Paket für 1 301 Euro, zahlt also fast das Gleiche.

Der Bruttopreis des Einzelvertrags für die 30-jährige Diplomkauffrau liegt im Schnitt bei 1 981 Euro. Das ist etwas weniger als die Kombination mit einem Todesfallschutz bei gleicher Laufzeit und Rente (2 014 Euro). Bei Männern beträgt der Bruttopreis für den Einzelvertrag 1 700 Euro, für die Kombination 1 885 Euro.

In der kleinen Tabelle („Sehr gute“ und „gute“ Kombinationstarife) stehen nur sehr günstige Tarife für die Kombination mit Todesfallschutz. Einige sind deutlich preiswerter als viele Einzelverträge.

Möglichst lange Laufzeit

Vermittler empfehlen gern Verträge nur bis 60 Jahre. Das kostet viel weniger. Tritt der Ernstfall ein, klafft aber eine Riesenlücke.

Wenn jemandem ein Vertrag bis 67 Jahre zu teuer ist, könnte er den Risikoschutz nur bis 60 Jahre vereinbaren, die Leistungsdauer aber bis 67 Jahre. Wird er vor 60 berufsunfähig, erhält er die Rente bis 67.

Wer erst nach 60 berufsunfähig wird, geht allerdings leer aus. Vielleicht konnte er aber bis dahin genügend Vermögen ansammeln, um ein paar Jahre auch ohne Rente zu überbrücken. Oder er sichert sich mit einem zweiten Vertrag bis 67 wenigstens noch eine kleine laufende Unterstützung. Am besten bleibt aber ein kompletter Vertrag bis zum 67. Geburtstag.

Mehrere Angebote einholen

Interessenten sollten parallel mehrere Angebote für „sehr gut“ bewertete Tarife einholen. Ein solcher Vertrag hat vor allem „sehr gute“ Bedingungen.

Der Preis kommt erst im zweiten Schritt ins Spiel: Er kann entscheiden, wenn ein Interessent auf seine Anfragen hin mehrere gleich gute Angebote bekommt.

Die Angebote sind zunächst unverbindlich. Erst wenn ein Interessent den Antrag mit den Gesundheitsfragen ausgefüllt hat, prüft der Versicherer, ob und zu welchen Bedingungen er ihm ein verbindliches Angebot macht.

Viele werden also mehrere verbindliche Angebote auf den Tisch bekommen. Innerhalb von 30 Tagen müssen sie schriftlich alle Angebote widerrufen, die sie nicht annehmen wollen. Denn am Ende soll ja nur ein Vertrag bleiben.

Individueller Preis

Was ein Vertrag kostet, hängt vom Preisniveau des Versicherers ab, aber auch von individuellen Faktoren. Der Preis steigt mit höherem Eintrittsalter. Frauen zahlen mehr als Männer. Für körperlich Tätige ist der Beitrag höher als für Büroarbeiter. Das Beispiel des Bauingenieurs zeigt das. Er verbringt im Gegensatz zum Diplomkaufmann die Hälfte seiner Arbeitszeit auf Baustellen und zahlt im Schnitt 115 Euro netto mehr im Jahr als der Diplomkaufmann.

Für den Preis ist außerdem der Gesundheitszustand eines Antragstellers ausschlaggebend. Wer starke Allergien hat, Bluthochdruck oder in jüngster Zeit eine Psychotherapie machte, hat sogar wenig Chancen, überhaupt einen Versicherer zu finden.

Andere müssen Risikozuschläge zahlen oder einen Leistungsausschluss für bestimmte Krankheitsbilder akzeptieren.

Antragsteller, die eine Psychotherapie gemacht haben, haben es sehr schwer, von einem Berufsunfähigkeitsversicherer akzeptiert zu werden. Für sie kann es sinnvoll sein, sich erst fünf Jahre nach Ende einer Therapie um einen Vertrag zu bemühen.

Nichts verschweigen

Im Antrag sind die behandelnden Ärzte anzugeben, die damit von ihrer Schweigepflicht entbunden werden.

Zu nennen sind auch Erkrankungen, nach denen nicht explizit gefragt wird, weil sie vielleicht selten sind. Kommt später heraus, dass der Kunde etwas verschwiegen hat, kann er den Schutz verlieren.

Seit Januar gilt ein neues Versicherungsvertragsgesetz. Versicherer müssen jetzt genau fragen und Antragsteller gut auf das Risiko hinweisen, den Schutz durch fehlende oder falsche Angaben zu verlieren. In der Praxis haben sich die Anträge jedoch im Vergleich zu 2007 kaum verändert. Der wichtige Hinweis auf den möglichen Verlust des Schutzes ist manchmal sogar schwerer zu finden als vorher.

Interessenten müssen damit rechnen, dass ihre Angaben überprüft werden. Sie sollten ihre Ärzte fragen, was im Krankenblatt steht, auch Verdachtsdiagnosen, die sich später nicht bestätigt haben. Es empfiehlt sich, die Ärzte zu bitten, alle Auskünfte strikt auf die abgefragten Zeiträume zu begrenzen. Sonst führt eine längst ausgeheilte Erkrankung noch zur Ablehnung.

Wer nirgendwo vollen Schutz findet, sollte mit guten Anbietern verhandeln. Viele Versicherer sagen zu, dass der Ausschluss einer Krankheit oder ein Risikozuschlag nach drei Jahren entfällt, wenn die Gesundheitsstörung nicht wieder auftritt. Eine schriftliche Bestätigung dieser Zusage empfiehlt sich.

Christian Messerschmidt sucht noch nach gutem Berufsunfähigkeitsschutz. „Ich will das sehr bald im Kasten haben“, sagt der 25-jährige Diplomkaufmann, der am Flughafen Hannover arbeitet.

Johannes Laakmann, 28, ist bei der Axa versichert und zufrieden mit seiner Wahl. „Es hat mehrere Monate gedauert, bis ich den Vertrag in der Tasche hatte“, sagt der Betriebswirt. Zurzeit ist Laakmann für ein berufsbegleitendes Aufbaustudium in den USA. Danach geht er nach Japan. Die Berufsunfähigkeitsversicherung reist mit. Sie gilt auch im Ausland.

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