Berufsunfähigkeits­versicherung: Flexible Verträge

Berufsunfähigkeitsversicherung Test
Eltern sollten ihre Familie auch dadurch ­absichern, dass sie für sich selbst eine Berufsunfähigkeits-Versicherung abschließen.

finanztest 03/2004

Der wichtige Berufsunfähigkeitsschutz kann sich im Laufe der Jahre als zu knapp ­erweisen. Mit einer Nachversicherungsgarantie lässt sich die anfangs ­vereinbarte Rente bei bestimmten Anlässen ohne Gesundheitsprüfung erhöhen. ­FINANZtest hat geprüft, welche Unternehmen das erlauben und in welchen ­Fällen sie das tun.

Berufsunfähigkeits­versicherung

Mit 25 Single und Student, mit 35 Familienvater – ein klassischer Weg in größere Verantwortung. Eltern müssen für ihre Kinder sorgen. Dazu gehört, dass sie die Möglichkeit in Betracht ziehen, aus gesundheitlichen Gründen irgendwann nicht mehr arbeiten zu können. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Eltern deshalb unerlässlich.

Aber auch Menschen ohne Familie sollten eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab­schließen, denn vom Staat gibt es für ab 1961 Geborene kein Geld mehr, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Nur Ältere haben in der Rentenversicherung noch eine Absicherung für diesen Fall. Der gewohnte Lebensstandard lässt sich im Ernstfall aber auch damit nicht halten.

Für alle anderen Rentenversicherten gibt es eine volle so genannte Erwerbsminderungsrente nur, wenn sie dauerhaft so krank sind, dass sie keiner Erwerbstätigkeit mehr länger als drei Stunden täglich nachgehen können.

Privaten Berufsunfähigkeitsschutz zu bekommen, ist nicht leicht. Schon kleine Zipperlein wie eine Hausstauballergie oder gelegentliche Kopfschmerzen können einen Vertragsabschluss verhindern oder den gewählten Versicherer zu Zuschlägen oder zum Ausdünnen des Versicherungsschutzes veranlassen.

Weil junge Menschen meist noch gesund sind, ist es am besten, wenn sie möglichst noch während der Ausbildung eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Außerdem sind sie dann von Anfang an geschützt.

Mit den knappen Bezügen während einer Lehre oder mit Bafög lässt sich aber noch kein bis zum Ruhestand ­ausreichender Berufsunfähigkeitsschutz bezahlen. Zudem lassen die Unternehmen es nicht zu, dass sich Kunden mit geringen Einkünften hoch versichern.

Die Untersuchung

Steigen die Einnahmen nach der Ausbildung, sollte die Berufsunfähigkeitsrente erhöht werden. Denn sie soll im Ernstfall Einkommenseinbußen ausgleichen. Dafür muss der Vertrag eine Nachversicherungsgarantie enthalten, die dem Kunden gestattet, den Schutz ohne erneute Gesundheitsprüfung auszubauen.

Finanztest hat vor einem halben Jahr in einem großen Test Berufsunfähigkeitsversicherungen bewertet. Nun haben wir noch tiefer gebohrt und genauer aufgeschlüsselt, welche Nachversicherungsgarantien die Angebote enthalten. 32 der insgesamt 83 geprüften Tarife für Berufsunfähigkeitsversicherungen haben in ihren Versicherungsbedingungen eine solche Garantie festgeschrieben, die unseren Kriterien standhielt (siehe Tabelle „Nachversicherung bei 32 Tarifen möglich“.

Die Garantien unterscheiden sich je nach Tarif. Nach Geburt oder Adoption eines Kindes können Kunden fast aller Anbieter mit Nachversicherungsgarantie eine höhere Berufsunfähigkeitsrente für sich vereinbaren. Heirat und Scheidung gelten bei den meisten Versicherern als Erhöhungsgrund. Nur Condor und Arag lassen auch nach dem Tod des mitverdienenden Ehegatten den Ausbau des Versicherungsschutzes zu.

Häufig liefern berufliche Veränderungen wie der Abschluss einer Berufsausbildung, eines Hochschulstudiums oder eine Meisterprüfung die Voraussetzung für den Ausbau des Berufsunfähigkeitsschutzes ohne neue Gesundheitsprüfung. Auch der Eintritt in die Selbstständigkeit gilt oft als Anlass.

Nur drei Anbieter lassen eine Erhöhung auch ohne konkreten Anlass zu.

Umfang der Steigerung

Meist lassen die Versicherer nur eine begrenzte Erhöhung der Rente zu, beispielsweise um 6 000 Euro im Jahr wie die universa oder um maximal 50 Prozent der Ursprungsrente wie die Axa.

Bei manchen ist eine Nachversicherung nur möglich, wenn auch die Versicherungssumme der Hauptversicherung – die Risikolebensversicherung – angehoben wird. Solche Angebote sind in der Tabelle „Nachversicherung“nicht enthalten. Herausgefallen sind auch Anbieter, die eine Nachversicherung nur bei Kombinationen mit einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung anbieten. Von solchen Tarifen, bei denen der Berufsunfähigkeitsschutz an eine Geldanlage geknüpft wird, rät ­FINANZtest grundsätzlich ab.

Fristen einhalten

Bei fast allen Anbietern muss der Kunde seinen Antrag auf Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente innerhalb einer Frist von häufig drei oder sechs Monaten nach Eintritt des Ereignisses stellen. Ansonsten kann die Rente aus diesem Grund nicht mehr erhöht werden.

Oft erlischt das Erhöhungsrecht komplett, wenn der Kunde 40 oder 45 Jahre alt wird, selten erst ab 50 Jahren. Andere Unternehmen lassen ein nachträgliches Rentenplus nur in den ersten zehn Vertragsjahren zu oder nur, wenn der Vertrag geschlossen wurde, bevor ein Kunde 35 Jahre alt war. Manche verlangen eine bestimmte Restlaufzeit des Versicherungsvertrags.

Wird der Erhöhungsantrag angenommen, zahlt der Kunde für den zusätzlich vereinbarten Teil der Rente einen höheren Beitrag als für den Rest. Denn inzwischen ist er älter geworden. Das schlägt mit einem höheren Risikoanteil im Beitrag zu Buche.

Wer die Rente nicht erhöhen darf

Menschen, die Berufe ausüben, in denen es statistisch betrachtet mehr Fälle von Berufsunfähigkeit gibt als in anderen, dürfen sich oft nicht nachversichern. Die Unternehmen streichen die Nachversicherungsgarantie dann einfach aus ihrem Vertrag heraus. Auch Kunden, die aus Sicht des Versicherers ein gesundheitliches Risiko haben, müssen damit rechnen, dass ihnen die Möglichkeit einer späteren Rentenerhöhung verwehrt wird.

Bei einigen Versicherern bleiben Auszubildende und Studenten auf ihrer anfangs vereinbarten Minirente sitzen. Dann funktioniert der FINANZtest-Tipp nicht, möglichst früh in einen guten Tarif zu gehen und die Berufsunfähigkeitsrente später über diese Garantie ohne Gesundheitsprüfung zu erhöhen.

Die meisten Versicherer ermöglichen aber auch Jungeinsteigern einen späteren Ausbau ihres Schutzes ohne erneute Gesundheitsprüfung. Oft ist die Option für diese Kunden aber nicht automatisch Bestandteil des Vertrags, sondern muss bei Vertragsschluss extra vereinbart werden.

Nichterwerbstätige, zu denen auch Studenten gehören, trifft noch eine andere Einschränkung. Manchmal kann der Kunde die Rente nur erhöhen lassen, wenn er erwerbstätig ist. Damit schließen die Versicherer aus, dass ein Student, der Vater wird, aus diesem Grund seine Berufsunfähigkeitsrente erhöht.

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