Vertrag gestalten: Weniger zahlen
Mit einigen Tricks lassen sich die hohen Kosten für den Berufsunfähigkeitsschutz etwas drücken. Es hilft schon, den Beitrag jährlich statt monatlich zu zahlen.
Die Bedingungen sind top, der Vertrag läuft bis zum Alter von 65 Jahren und es sind auch keine Krankheiten vom Schutz ausgenommen. Hat ein Kunde so ein Angebot für die perfekte Berufsunfähigkeitsversicherung, könnte ihm vor der Unterschrift unter den Vertrag dennoch ein Schauer über den Rücken laufen – wegen des Preises.
Doch der Beitrag lässt sich drücken, ohne dass er weniger Rente oder schlechtere Bedingungen in Kauf nehmen muss.
Er sollte auf jeden Fall den Beitrag jährlich zahlen. Denn bei monatlicher Zahlungsweise sind Ratenzahlungszuschläge von 5 Prozent üblich. Durch Jahresbeiträge allein wird der Berufsunfähigkeitsschutz aber nur wenig billiger. Was also noch?
In unserem großen Test haben wir ein Modell vorgegeben, um die Angebote vergleichbar zu machen. Nun wollten wir wissen, welche Vorschläge die Versicherer ihren Kunden machen, um bei besten Bedingungen den Beitrag zu senken, ohne die Rente von 1 000 Euro im Monat und die Laufzeit bis zum Alter von 65 Jahren anzutasten. Die Tabelle „Günstiger zu 1 000 Euro...“ zeigt beispielhaft für 30-jährige Bürokaufleute, welche Ideen die Versicherer für ihre „sehr gut“ bewerteten Angebote haben.
Testsieger Huk-Coburg schlägt für beide Angebote eine von 50 000 auf 25 000 Euro verminderte Todesfallsumme für die integrierte Risikolebensversicherung vor. Dem Kunden bringt das bei der Huk-Coburg aber nur eine Preisersparnis von 6 Euro (Frau) beziehungsweise 16 Euro (Mann). Beim Internetangebot (Huk24) kann eine Frau den Beitrag auf diese Weise um 5 Euro drücken, ein Mann um 14 Euro – im Jahr, wohlgemerkt.
Bei anderen sind die Spielräume größer. So schlägt der Volkswohl Bund vor, vollständig auf den Todesfallschutz zu verzichten und eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) abzuschließen. Die 30-jährige Bürokauffrau müsste so statt 738 nur 623 Euro jährlich für ihre 1 000 Euro Rente aufbringen, ihr 30-jähriger Kollege statt 696 nur 476 Euro, also 220 Euro im Jahr weniger. Das lohnt sich.
Für Frauen ist der Berufsunfähigkeitsschutz teurer, weil ihr Berufsunfähigkeitsrisiko statistisch betrachtet höher ist. Bei Männern fällt der Todesfallschutz stärker ins Gewicht, weil sie eine niedrigere Lebenserwartung als Frauen haben. Deshalb ist es für Männer oft günstiger, ganz auf den Todesfallschutz zu verzichten.
Doch nicht immer ist ein Einzelvertrag für Männer am günstigsten. Und mancher Mann will ohnehin seine Angehörigen absichern, braucht also den Todesfallschutz.
Netto und brutto
Auch die Überschussbeteiligung kann sich auf den Preis auswirken. Die Versicherer legen die Beiträge ihrer Kunden an und können damit Überschüsse am Kapitalmarkt erwirtschaften. Überschüsse können auch anfallen, wenn die Verwaltungskosten geringer sind als kalkuliert oder weniger Kunden berufsunfähig werden. Ein Plus kann entstehen, muss aber nicht. Wie hoch die Überschüsse sind, wird von den Unternehmen geschätzt.
Machen Versicherer Überschüsse, fließen diese an die Kunden zurück. Wie, ist aber unterschiedlich. Manche Anbieter stellen im Antrag dafür mehrere Formen zur Wahl. Vier Varianten gibt es: die Beitragsverrechnung (B), das Bonussystem (BO), die verzinsliche Ansammlung (VA) und den Schlussüberschuss (SÜ).
Bei der Variante verzinsliche Ansammlung wird wie beim Schlussüberschuss zum Vertragsende das Plus ausgeschüttet. Der Kunde erhält dann eine Geldsumme. Besser ist es wegen der hohen Kosten für den Berufsunfähigkeitsschutz, mit den Überschüssen die Beiträge niedrig zu halten.
Bei der Beitragsverrechnung, der üblichen Variante, werden die Überschüsse Kunden jährlich direkt für ihren Beitrag gutgeschrieben. Die Rente bei Berufsunfähigkeit steht fest. Hat der Versicherer gut kalkuliert, bleibt der Beitrag über die gesamte Laufzeit hinweg recht stabil. Dann zahlt ein Kunde möglicherweise dauerhaft den so genannten Nettobeitrag. Fallen keine oder weniger Überschüsse an als anfangs kalkuliert, kann der Beitrag steigen, maximal aber auf den Bruttobeitrag.
Beim Bonussystem dagegen werden die Überschüsse angelegt. Wird ein Kunde berufsunfähig, fällt seine Rente höher aus. So könnte er von vornherein eine niedrigere garantierte Rente vereinbaren, was preiswerter ist. Wie viel er einmal bekäme, weiß er nicht, weil nicht sicher ist, wie hoch die Überschüsse bis dahin sind. Wird ein Kunde bereits mit 40 berufsunfähig, wäre seine Rente niedriger, als wenn er mit 50 Jahren ausfällt. Das ist riskant, denn niemand weiß, ob und wann er berufsunfähig wird.
Nachversicherungsgarantie
Je höher die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ist, desto teurer ist natürlich der Beitrag beim selben Anbieter, sofern die sonstigen Konditionen identisch sind. Trotzdem sollte die Rente nicht aus Kostengründen zu niedrig gewählt werden. Sonst reicht sie im Ernstfall nicht aus.
Mancher kann sich aber nicht mehr leisten, ein anderer verfügt als Student oder Auszubildender zunächst über kein oder kaum Einkommen. Dann kann er sich nur bis zu einer Obergrenze versichern.
Im Laufe eines Lebens ändern sich die finanziellen Bedürfnisse, etwa wenn jemand eine Familie gründet oder sein Einkommen deutlich steigt. Enthält der Vertrag eine Nachversicherungsgarantie, kann die anfängliche Berufsunfähigkeitsrente später unter festgelegten Voraussetzungen, meist bis Alter 40 oder 45, ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden.
Die „sehr gut“ bewerteten Angebote in der Tabelle „BUZ + RLV“ bieten alle diese Möglichkeit.
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Tabelle: Günstiger zu 1 000 Euro Rente kommen
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