Berufsunfähigkeits­versicherung: 92 Tarife im Test

Berufsunfähigkeitsversicherung Test

finanztest 07/2007

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung hilft, wenn ein Mensch nicht mehr arbeiten kann. Die Angebote sind noch besser geworden. Die Preisunterschiede unter den Besten sind groß.

Berufsunfähigkeits­versicherung

Die Rente mit 67 ist in der Berufsunfähigkeitsversicherung angekommen. Über die Hälfte aller Unternehmen, die Schutz für den Fall bieten, dass jemand auf Dauer nicht mehr arbeiten kann, haben jetzt Verträge bis zum Alter von 67 Jahren im Programm. 2006 waren es erst drei.

Wird ein Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens so krank, dass er seinen Job auf Dauer nicht mehr ausüben kann, fällt sein Einkommen weg. Je früher das Aus kommt, umso dramatischer. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung lindert die Folgen. Sie zahlt eine Rente, wenn der Kunde aus Gesundheitsgründen nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann.

Die Invaliditätsleistungen vom Staat reichen nicht aus, um den Lebensstandard zu sichern. Zudem bewilligt die gesetzliche Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente erst, wenn der Betroffene keinerlei Tätigkeit mehr bewältigen kann.

92 Tarife im Test

Wir haben 92 Angebote für Berufsunfähigkeits­zusatzversicherungen untersucht und bewertet. „Zusatz“ heißt, der Schutz hängt an einer Hauptversicherung, hier einer Risikolebensversicherung. Dabei zahlt der Versicherer zusätzlich eine Geldleistung, wenn der Versicherte stirbt.

Die untersuchte Kombination wird oft verkauft. Wir empfehlen sie, weil der Todesfallschutz nur wenig kostet. Berufsunfähigkeitsversicherungen werden aber auch als Einzelpolicen vertrieben.

Für beide Varianten gibt es viele gute Angebote. Von den untersuchten Zusatzversicherungen erhielten 27 das Finanztest-Qualitätsurteil „sehr gut“. Ausschlaggebend für die Bestnote waren vor allem kundenfreundliche Versicherungsbedingungen.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich einiges verbessert. Weniger Unternehmen behalten sich vor, im Ernstfall nur zu zahlen, wenn eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes nicht möglich ist. Die Versicherer prüfen auch seltener, ob ein gesundheitlich Angeschlagener noch in einem früher ausgeübten Beruf arbeiten könnte.

Die Bedingungen gingen mit 70 Prozent in das Gesamturteil ein. Zu 20 Prozent entschied die Qualität des Formulars, mit dem die Versicherung beantragt wird.

Dabei haben wir untersucht, wie weit die Gesundheitsfragen in die Vergangenheit des Kunden zurückreichten und wie verständlich sie für ihn, den Laien, waren. Die Frage, ob der Antragsteller anderswo bereits abgelehnt wurde, taucht im Vergleich zu 2006 weniger häufig auf.

Mit 10 Prozent wirkte sich aus, ob Versicherer für 24 der häufigsten Berufe langlaufende Verträge anboten – möglichst bis 67 Jahre. Oft wird Kunden ein zu kurz greifender Schutz verkauft, sodass ihre Berufsunfähigkeitsrente lange vor dem vorgesehenen Ruhestand endet.

Preisanstieg seit 2006

Jeder, der nicht sehr vermögend ist, braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sogar wenn er nicht berufstätig ist, studiert oder zuhause Kinder betreut, sollte er sich versichern. Jemand von außen, der die Hausarbeit voll übernimmt, ist teuer. Und ein Student, der nie arbeiten wird, benötigt finanzielle Unterstützung.

Hauptursache für Berufsunfähigkeit sind bei Frauen wie Männern mittlerweile psychische Probleme. An zweiter Stelle folgen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor Rückenleiden.

Günstig ist der Zusatzschutz nicht. Wer Berufsunfähigkeit ausreichend absichern will, muss tief in die Tasche greifen.

Je früher man einsteigt, desto niedriger sind jedoch die Beiträge, weil die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, bei jungen Leuten gering ist. Entsprechend kalkulieren die Versicherer.

Der Preis hängt unter anderem von der Höhe der vereinbarten Rente, der Vertragslaufzeit, vom Geschlecht und besonders vom Beruf des Kunden ab.

In den Preisbeispielen in der Tabelle wir 30-jährige Modellkunden unterstellt, die einen Vertrag mit 35 Jahren Laufzeit abschließen. Die Verträge enden also, wenn der Kunde 65 Jahre alt ist.

Besser sind Verträge bis zum Alter von 67 Jahren. Da sie aber noch nicht von allen Versicherern angeboten werden, haben wir für die Beispiele 65 Jahre gewählt, um die Angebote vergleichbar zu machen.

Die Preise sind im Vergleich zu 2006 gestiegen, aber nicht für alle. So zahlt der 30-jährige Bürokaufmann im Schnitt 760 Euro für 1 000 Euro Rente bis 65 Jahre und damit haargenau so viel wie 2006.

Der stärker körperlich tätige Industriemechaniker muss durchschnittlich 1 160 Euro netto ausgeben. Das sind rund 50 Prozent mehr als im Jahr 2006. Damals zahlte der Mechaniker noch kaum mehr als der Bürokaufmann.

Mit ihrem Vertrag wappnen sich beide für eine Notlage – einigermaßen. Denn 1 000 Euro Rente reichen nur wenigen, um ihren Lebensstandard zu sichern.

Neben dem Nettopreis, den der Kunde zahlt, nennen die Versicherer den Bruttopreis. Wir geben beide in unserer Tabelle an. Meistens entspricht der Bruttopreis dem Betrag, bis zu dem der Beitrag maximal steigen kann, wenn der Versicherer keinerlei Überschüsse erzielt (siehe „Clever kombinieren“).

Im Schnitt beläuft sich der Bruttopreis für den 30-jährigen Industriemechaniker auf 1 740 Euro im Jahr.

Beitrag hängt vom Kunden ab

Mehr oder weniger kleine Gesundheitsstörungen können den Preis für den Berufsunfähigkeitsschutz hochtreiben. Anlass kann ein Heuschnupfen sein, der auf eine Asthmaerkrankung hindeutet oder eine Sportverletzung, die den Versicherer Spätfolgen befürchten lässt.

Der Kunde muss Vorerkrankungen im Antrag angeben und zahlt dann möglicherweise einen Risikozuschlag. Je älter ein Antragsteller ist, desto eher hatte er vielleicht schon einmal ein Rückenleiden, Herz-Kreislauf-Probleme oder musste wegen Depressionen behandelt werden.

Häufig machen die Versicherer ein Angebot, das die Leistung bei Berufsunfähigkeit für eine oder mehrere Erkrankungen ausschließt. Bevor ein Antragsteller einen lückenhaften Vertrag abschließt, sollte er sich anderswo um kompletten Schutz bemühen.

Nach günstigen Angeboten suchen

Wie viel ein Angebot kostet, hatte keinen Einfluss auf unser Qualitätsurteil. Denn ob der Versicherungsschutz wirklich nutzt, hängt nicht davon ab, wie viel ein Kunde vorher bezahlte, sondern ob sein Versicherer im Ernstfall tatsächlich leistet.

Selbst bei gleich guten Bedingungen unterscheiden sich die Preise deutlich, wie die Beispiele in den großen Tabellen zeigen. Interessenten sollten mit der Vertragssuche bei den günstigen der „sehr guten“ Angebote anfangen, beispielsweise bei der Huk24, der Huk-Coburg, der CosmosDirekt oder der Hannoverschen Leben.

Manchmal ist es sinnvoll, eine möglichst geringe Todesfallleistung zu vereinbaren oder doch eine Einzelpolice nur für den Fall der Berufsunfähigkeit abzuschließen. Auch das kann Beitrag sparen, wie die Tabelle „1 000 Euro Rente günstiger vereinbaren“ zeigt. Wird der Todesfallschutz benötigt, um Angehörige abzusichern, ist davon aber abzuraten.

Deutlich preiswerter wird es, wenn der Schutz zum Beispiel mit 60 statt mit 65 oder 67 Jahren endet. Vermittler empfehlen kürzere Laufzeiten gern als Billigmacher. Bei der preiswerten CosmosDirekt machen fünf Jahre für die 30-jährige Bürokauffrau 183 Euro im Jahr aus. Statt 503 Euro netto zahlt sie 320 Euro.

Doch im Ernstfall klafft eine große Lücke, zumal nach 1963 Geborene erst ab 67 Jahren die volle gesetzliche Rente erhalten. Fünf Jahre kürzer sind bei 1 000 Euro Rente im Monat 60 000 Euro, sieben Jahre 84 000 Euro. Wer früh aus dem Beruf aussteigen muss, wird es kaum schaffen, solche Summen zusammenzusparen.

Zu überlegen wäre, den Schutz über zwei Verträge zu splitten. Einer läuft bis 60 Jahre, einer bis 65 oder 67 Jahre. Zusammen mit Erspartem käme die Kundin in den letzten Jahren vielleicht mit einer geringeren Rente über die Runden.

Bei der Huk-Coburg kostet ein Vertrag mit 500 Euro Rente bis 60 eine 30-jährige Bürokauffrau 199 Euro. Einer mit 500 Euro Rente bis 65 macht 284 Euro netto. Das sind zusammen 483 Euro im Jahr, jeweils mit 25 000 Euro Todesfallsumme.

Sparen lässt sich auch, indem ein Kunde die Risikodauer auf 60 Jahre verkürzt, als Leistungsdauer aber 65 oder besser 67 Jahre vereinbart. Für 1 000 Euro Rente bei der CosmosDirekt zahlt die 30-jährige Kauffrau 514 Euro netto für einen Vertrag bis 60 mit einer Leistungsdauer bis 67 Jahre.

Wird sie vor dem 60. Geburtstag berufsunfähig, überweist ihr Versicherer die Rente, bis sie 67 Jahre alt ist. Muss sie ihren Beruf aufgeben, wenn sie schon 60 ist, bekommt sie nichts. Dafür hatte sie vorher vielleicht Zeit, ein Polster für eine Notlage aufzubauen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine volle Erwerbsminderung von der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt wird, jenseits von 60 Jahren größer als bei jüngeren Leuten.

Den idealen Vertrag bis 67 mit einer Leistungsdauer ebenfalls bis 67 Jahre bekommt die Bürokauffrau bei der CosmosDirekt für 610 Euro netto im Jahr.

Schönheitsfehler in der Kalkulation

Eine Möglichkeit, den Schutz in den ersten Jahren bezahlbar zu halten, bieten einjährig kalkulierte Verträge. Hier zahlt der Kunde immer das, was seinem Berufsunfähigkeitsrisiko im jeweiligen Jahr entspricht. Mit 30 ist das Risiko natürlich deutlich geringer als mit 55 Jahren.

Die Dialog hat ein solches Angebot für selbstständige Verträge. Eine 30-jährige Bürokauffrau mit 1 000 Euro Rente bei 35-jähriger Laufzeit zahlt im ersten Jahr netto 204 Euro, im nächsten Jahr 220 Euro. Mit 55 beliefe sich ihr Beitrag auf 1 332 Euro, mit 58 Jahren auf 1 494 Euro.

Die Idee ist nicht schlecht, doch die Dialog ist eher teuer. Ein normaler Vertrag, in den man nur innerhalb der ersten sechs Jahre wechseln kann, kostet die Frau 835 Euro netto, ab 45 Jahren 678 Euro.

Die Stuttgarter bietet ihr speziellen Schutz für 536 Euro netto. Schönheitsfehler: Im Ernstfall gibt es nur drei Jahre lang 1 000 Euro Rente, danach nur noch 500.

Die Hannoversche Leben mit 484 Euro oder die CosmosDirekt mit 503 Euro, die durchgängig 1 000 Euro Rente zahlen, wären für die Frau die bessere Wahl.

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