Autoversicherung: Jetzt wechseln und sparen
Die Autoversicherer locken mit vielen neuen Tarifen. Im Schnitt stagnieren die Beiträge zwar, doch die Preisspannen werden immer größer. Kunden können deshalb viel sparen. Besonders oft in unsere Top Ten schafften es WGV-Schwäbische Allgemeine, Huk24 und Direct Line.
Die Autoversicherer sind zurzeit sehr kreativ. Sie kommen mit immer mehr Tarifen auf den Markt und machen mit den Namen fast schon der Deutschen Telekom Konkurrenz. Mit Bezeichnungen wie „Relax“, „Komfort“, „Gespart“, „Sorglos“, „Mobil“, „Advanced“ oder „Super Plus“ wollen sie die Kunden locken.
Während im Jahr 2000 bei unserer Untersuchung 77 Anbieter mit 82 Tarifen auskamen, haben wir dieses Mal 84 Anbieter mit 140 Tarifen untersucht. 125 Angebote, die nicht auf bestimmte Personenkreise beschränkt sind, haben wir in unserer großen Tabelle („Angebote der Autoversicherer“) mit Beitragsniveau und Leistungsumfang abgebildet.
Viele Versicherer bieten inzwischen zwei oder drei Kfz-Tarife an. Anbieter wie die Huk- oder die WGV-Gruppe bringen es sogar auf mehr als sechs. Der Tarifboom ist ein Versuch, trotz im Schnitt stagnierender Preise Kunden zu gewinnen. Denn die Talfahrt bei den Beiträgen der letzten Jahre scheint erst mal gestoppt.
Trotzdem können Versicherungsnehmer bei der Autoversicherung immer noch sehr viel Geld sparen. Die Preisspannen sind sogar größer geworden. Um das zu verdeutlichen, haben wir für acht Modellfahrer die jeweils zehn günstigsten Tarife mit unterschiedlichen Leistungen, zum Beispiel mit oder ohne Rabattschutz, herausgesucht und sie dem jeweils teuersten Tarif für sie gegenübergestellt.
Preisspanne von über 3 000 Euro
So zahlt unser Fahranfänger Nick Hennig bei einem Beitragssatz von 230 Prozent im besten Fall für seine Haftpflichtversicherung beim neuen Versicherer Zurich Connect für den Onlinetarif 1 660 Euro im Jahr. Hätte der 19-jährige Berliner, ohne vorher zu vergleichen, beim teuersten Tarif unserer Untersuchung eine Police abgeschlossen, wären unerschwingliche 4 646 Euro im Jahr für die Haftpflichtversicherung fällig. Und gar 6 210 Euro würde es kosten, wenn er auch seine Freunde ab und zu ans Steuer lässt.
Ganz so extrem fallen die Preisunterschiede bei unseren anderen Modellkunden nicht aus. Aber einige Hundert Euro können fast alle sparen, wenn sie einen günstigen Anbieter wählen.
Die Rentnerin Elisabeth Wissing aus dem westfälischen Vreden müsste für ihren Haftpflicht- und Vollkaskoschutz für den Tarif Basis online der Direct Line 304 Euro im Jahr zahlen. Der teuerste Tarif würde sie 625 Euro im Jahr kosten.
Die Basis-Tarife der WGV-Schwäbischen Allgemeinen, der Huk24 und der Direct Line schaffen am häufigsten den Sprung in unsere Top Ten. Hier sind die Chancen für Kunden also relativ groß, ein günstiges Angebot zu bekommen.
Tarifvielfalt erschwert Suche
Dass das nicht für jeden gilt, sieht man an Nick Hennig. Die für viele Personengruppen günstige Direct Line gehört bei Fahranfängern zu den sehr teuren Anbietern. Je nachdem, welche Kunden Versicherer anlocken oder eher abschrecken möchten, machen sie Tarife teurer oder billiger. Es ist wichtig, immer bei mehreren günstigen Gesellschaften Angebote einzuholen, damit man nicht gerade die erwischt, die einen gar nicht haben möchte. Gerade für jüngere und ältere Menschen ist der Schutz teuer (siehe Grafik). Aber auch Vielfahrer werden gerne zur Kasse gebeten.
Wer ganz genau wissen will, welche Versicherung für ihn die günstigste ist, kann für 16 Euro unsere Computeranalyse nutzen (siehe Analyse KFZ-Versicherung).
Den optimalen Schutz auf eigene Faust zu finden, ist aufgrund der Tarifvielfalt und der Menge der unterschiedlichen Leistungen schwierig. „Vergleichen tue ich schon – aber bisher nur bei den Versicherungen, die für mich erreichbar in meiner Stadt liegen. Beim Kauf meines jetzigen Autos vor einigen Jahren bin ich bei allen vorbeigefahren und habe mir ein Angebot machen lassen“, sagt Elisabeth Wissing.
Das Internet kann bei der Suche nach einem Tarif eine Hilfe sein. Denn viele Versicherer haben inzwischen Tarifrechner im Netz, mit denen Kunden sich ihren Beitrag unverbindlich ausrechnen können. Auch gibt es inzwischen einige Internet-Versicherungsvergleichsportale.
Hier müssen Kunden darauf achten, wie aktuell diese sind und dass auch wirklich eine große Anzahl – mindestens 80 – unterschiedlicher Tarife miteinander verglichen wird. Meist werden die unterschiedlichen Leistungsmerkmale bei diesen Auswertungen aber nicht berücksichtigt. Und es kostet Zeit, diese in den Versicherungsbedingungen einzeln nachzulesen.
Wir haben in unserer großen Tabelle deshalb die interessantesten Extras aufgeführt. Dazu gehört zum Beispiel der Einschluss der Mallorca-Police, die mindestens die in Deutschland vorgeschriebene Deckung auch für Mietwagen im Ausland bietet, oder der Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Fehlt er, zahlen Kaskoversicherer ihren Kunden für einen Schaden aufgrund grober Fahrlässigkeit bisher gar nichts und künftig nur einen Teil.
Doch für mehr Leistung zahlt der Kunde meist auch mehr. Familie Steeck aus Leipzig müsste beim günstigsten Anbieter 419 Euro im Jahr für Haftpflicht und Vollkasko für ihren Citroën Berlingo ausgeben. Wir haben ebenfalls ausgerechnet, was die Familie zahlen müsste, würde sie jeweils den Maximalschutz für bestimmte Extras wie die Mallorca-Police, den erweiterten Wildschaden oder die Abdeckung von Marderbissschäden versichern. Mindestens 220 Euro würde sie mehr zahlen.
Versicherungsnehmer sollten sich deshalb genau überlegen, welche Leistungserweiterungen ihnen wirklich wichtig sind und ob diese den höheren Preis rechtfertigen. Denn den Grundschutz übernehmen fast alle Kaskotarife gleichermaßen. Nur manche Anbieter wie Allianz, Gothaer, Debeka oder Direct Line beschränken ihren Diebstahlschutz auf bestimmte Länder (siehe große Tabelle „Angebote der Autoversicherer“, Fußnote 9).
Die Teilkasko deckt vor allem Diebstahl und Schäden durch Unwetter, die Vollkasko zusätzlich selbstverschuldete Schäden am eigenen Wagen und Schäden durch Vandalismus. Vollkasko lohnt sich oft nur bei neueren Wagen bis etwa drei Jahre. Ausgenommen davon sind Fahrer mit einer sehr hohen Schadenfreiheitsklasse. Für diese ist manchmal die Vollkaskoversicherung sogar billiger als Teilkasko.
Auch der Teilkaskoschutz wird irgendwann überflüssig, da die Kaskoversicherung nur den Zeitwert des Fahrzeugs ersetzt. Bei einem Diebstahl von einem zehn Jahre alten Auto zahlt der Versicherer nur noch wenig und die Beiträge lohnen sich dann kaum noch.
Wer nur eine Haftpflichtpolice braucht, die für Schäden aufkommt, die der Fahrer bei anderen verursacht, kann diese alleine nach dem Preis aussuchen. Da dies eine gesetzlich vorgeschriebene Versicherung ist, sind die Leistungen nahezu bei allen Anbietern gleich. Allenfalls der Vertriebsweg könnte eine Rolle spielen. Es gibt inzwischen viele reine Internettarife auf dem Markt. Wer seine Schadensabwicklung nicht online machen will, sollte auf solche Angebote nicht zurückgreifen.
Die 72-jährige Elisabeth Wissing hätte mit einem Onlinetarif kein Problem. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, mit dem Netz klarzukommen: „Internetangelegenheiten erledigt jetzt meine Tochter Dagmar für mich.“
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