Unfall-App der Ergo Direkt: Nichts für den Notfall

Unfall-App der Ergo Direkt Schnelltest

27.08.2011

Der Versicherer Ergo Direkt geht neue Vertriebswege: Mit dem Unfall-App „Unfall-Schutz48“ bietet er eine Unfallversicherung für 48 Stunden zum Preis von 99 Cent. Kunden können sie mit ihrem iPhone abschließen. test.de hat sich den Unfallschutz genauer angesehen.

Angebot

Die Ergo Direkt bietet für Kunden mit einem iPhone oder einem iPad mit Mobilfunkvertrag ein Unfall-App an, mit dem sie das Produkt „Unfall-Schutz48“ über ihr Mobiltelefon oder das iPad abschließen können. Dabei handelt es sich um eine Unfallversicherung, die 48 Stunden gültig ist, also einspringt, wenn Kunden in dieser Zeit einen Unfall haben. Der „Unfall-Schutz48“ kostet 99 Cent. Die Versicherung ist ab dem gewählten Tag ab 0 Uhr für die Dauer von insgesamt 48 Stunden gültig. Eine Kündigung ist nicht erforderlich. Der Vertrag erlischt nach Ablauf der Zeit automatisch. Zu den Leistungen im Schadensfall gehören eine Todesfallleistung von 50 000 Euro, Krankenhaustagegeld in Höhe von 50 Euro pro Tag, wenn Versicherte aufgrund eines Unfalls stationär behandelt werden müssen sowie Bergungskosten von maximal 5 000 Euro. In den Bergungskosten enthalten sind auch die Kosten für einen ärztlich angeordneten Transport in ein Krankenhaus sowie der Mehraufwand bei der Rückkehr der verletzten Person an ihren Wohnort. Personen, die bereits Pflegestufe II oder III erhalten, können die Versicherung nicht abschließen.

Vorteil

„Eine Versicherung dann abschließen, wenn sie wirklich gebraucht wird.“ Damit wirbt die Ergo Direkt in ihrer Pressemitteilung für die neue Unfall-App. Auf den ersten Blick ist das tatsächlich ein Vorteil, denn Kurzentschlossene können so mit wenigen Klicks schnell einen Unfallschutz erhalten, wenn sie zum Beispiel auf dem Weg in den Skiurlaub oder zum Wandern in den Bergen unterwegs sind. Eine Gesundheitsprüfung gibt es nicht. Kunden müssen nur persönliche Angaben wie ihren Namen, die Adresse, Geburtsdatum sowie bezugsberechtigte Personen im Todesfall angeben.

Nachteil

Der große Nachteil des Unfall-Apps: Die wichtigste Leistung einer klassischen Unfallversicherung ist immer das Geld, das Kunden bei einem bleibenden Gesundheitsschaden, also einer Invalidität, infolge eines Unfalls erhalten. Diese Leistung ist im „Unfall-Schutz48“ nicht enthalten. „Eine Unfallversicherung ist die beste Möglichkeit, seine Sorgen in ein gutes Gefühl der Vorsorge zu verwandeln“, schreibt die Ergo Direkt weiter in ihrer Pressemitteilung. Leider trifft das auf Kunden, die nach einem schweren Unfall bleibende Schäden erleiden, nicht zu. Zudem schließt die Police Unfallschäden aus, die zum Beispiel durch Bewusstseinsstörungen (auch unter Alkoholeinfluss) oder Epilepsie entstanden sind.

Fazit

Die Idee der Ergo Direkt mit ihrer Unfall-App ist innovativ, weil sie einen schnellen und einfachen Versicherungsabschluss erlaubt. Allerdings wiegt sie Kunden in falscher Sicherheit, denn der „Unfall-Schutz48“ kommt für die wichtigste Leistung einer Unfallversicherung nicht auf: Leistungen für bleibende Schäden sind in dem Unfallschutz nicht enthalten. Kunden sollten besser rechtzeitig für den optimalen Versicherungsschutz sorgen. Das heißt: Hohe Priorität hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie unabhängig von der Ursache zahlt, wenn der Versicherte seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss. Wer diesen Schutz aufgrund von Vorerkrankungen nicht bekommen kann, sollte sich nach einer guten und preiswerten Unfallversicherung umsehen. Für Kinder ist die Kinder-Invaliditätsversicherung erste Wahl. Und Hinterbliebene lassen sich am günstigsten über eine preiswerte und gute Risikolebens-Versicherung absichern.

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