Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen: Die beste Kasse für Sie
09.07.2010
Etwa jedes sechste Krankenkassenmitglied zahlt bereits einen Zusatzbeitrag. Wer deshalb überlegt, die Kasse zu wechseln, sollte vor allem auf die Leistungen achten. Mehrleistungen der Kassen können viele hundert Euro im Jahr ausmachen. test.de nimmt Leistungen und Serviceangebot der Kassen unter die Lupe.
Zusatzbeitrag bald bei noch mehr Kassen
Auch diejenigen, die momentan noch von Zusatzbeiträgen verschont sind, werden möglicherweise im Laufe dieses oder des nächsten Jahres zur Kasse gebeten. Denn die Krankenkassen sind per Gesetz unterfinanziert: Durch die regulären Beiträge sind nur 95 Prozent ihrer Ausgaben gedeckt. Um die Behandlung ihrer Versicherten bezahlen zu können, müssen früher oder später alle Kassen Zusatzbeiträge erheben. Sie dürfen bis zu 1 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens ihrer Mitglieder verlangen. Wer weniger als 800 Euro im Monat verdient, zahlt bei neun der zwölf Kassen mit Zusatzbeitrag sogar mehr als 1 Prozent seines Einkommens. Denn BKK advita, BKK Gesundheit, BKK Phoenix, City BKK, DAK, Deutsche BKK, Esso BKK, KKH-Allianz und Novitas BKK verlangen pauschal 8 Euro im Monat. Das dürfen sie, ohne das Einkommen ihrer Mitglieder zu prüfen.
Persönliche Beratung in der Geschäftsstelle oder zu Hause
Die größte Chance, persönliche Beratung zu erhalten, haben AOK-Versicherte. Die Ortskrankenkassen bieten mit bundesweit 1 476 Geschäftsstellen das dichteste Servicenetz, gefolgt von der Barmer GEK mit 1 090 Geschäftsstellen im gesamten Bundesgebiet. Die DAK unterhält stattliche 829 und die Techniker Krankenkasse (TK) 235 Geschäftsstellen im Bundesgebiet. Die meisten Kassen bieten so viel Kundennähe nicht flächendeckend. Es gibt sogar bundesweit geöffnete Kassen, die nur eine einzige Geschäftsstelle für alle Versicherten betreiben, zum Beispiel die Big direkt gesund oder die Securvita BKK. Wenn ich nicht zur Kasse gehen kann, kommt die Kasse zu mir – diesen besonderen Service kennen die meisten gar nicht. Dabei bietet etwa ein Drittel der untersuchten Kassen dies in ihrem gesamten Tätigkeitsgebiet an. Ist jemand zum Beispiel nicht mobil oder kann aus zeitlichen Gründen nicht in die Geschäftsstelle kommen, machen Berater der Kasse Hausbesuche.
Maximum an Service
Sieben Kassen aus der Untersuchung bieten ein Maximum an Service: Sie sind sieben Tage die Woche erreichbar, für medizinische Fragen sogar rund um die Uhr, sie bieten flächendeckend Hausbesuche an und vermitteln ihren Versicherten auf Wunsch Termine bei Fachärzten. Darunter sind drei Kassen, die bereits einen Zusatzbeitrag erheben: DAK, KKH-Allianz und Novitas BKK. Noch ohne Zusatzbeitrag bieten den Rundumservice die AOK Berlin-Brandenburg, AOK Rheinland/Hamburg, Bergische und TK.
Leistungsunterschiede machen mehrere hundert Euro aus
Ähnlich wichtig wie der Service sind die Leistungen. Unterschiede zwischen den Kassen können unabhängig vom Einkommen mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen. Deswegen kann es sich trotz Zusatzbeitrag lohnen, in seiner Kasse zu bleiben. Die medizinischen Leistungen sind zwar einheitlich geregelt. Die Kassen dürfen aber in einigen Punkten mehr zahlen, als das Gesetz vorschreibt. Bietet eine Kasse nur den gesetzlichen Standard, müssen Versicherte die Kosten für bestimmte Leistungen privat tragen – falls sie es sich leisten können.
Haushaltshilfe für Familien
Was das in Euro bedeuten kann, zeigt das Beispiel Haushaltshilfe. Kann eine Mutter Haushalt und Kinder nicht versorgen, weil sie durch einen Bandscheibenvorfall bewegungsunfähig zu Hause liegt, muss die Kasse normalerweise nicht für eine Haushaltshilfe zahlen. Kommt für zwei Wochen fünf Stunden täglich eine Hilfe ins Haus, kostet das bei 10 Euro Stundenlohn 700 Euro. Es gibt jedoch Kassen, die eine Haushaltshilfe bezuschussen. Fast alle AOKs und etliche weitere Kassen tun dies sogar bei Patienten, die gar keine Kinder zu versorgen haben. Das kann auch für allein lebende ältere Menschen eine interessante Mehrleistung sein. Das bieten auch einige Kassen mit Zusatzbeitrag: Esso BKK, BKK advita, City BKK und BKK Phoenix, letztere allerdings nur für höchstens sieben Tage je Krankheitsfall.
Teure Schutzimpfungen für die Reise
Ein großes Loch in die Familienkasse reißen auch Schutzimpfungen für Urlaubsreisen. Die Impfung gegen Hepatitis A und B wird selbst für Reiseziele wie Süditalien oder die Türkei empfohlen. Pro Person kosten die Spritzen rund 230 Euro. Glücklicherweise übernehmen drei Viertel der Kassen die Kosten ganz oder teilweise. Von den Kassen mit Zusatzbeitrag bietet nur die BKK Westfalen-Lippe keine Reiseimpfungen, die KKH-Allianz streicht die Leistung zum 1. Juli.
Nach individuellen Schwerpunkten suchen
Der Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen hilft Versicherten für ihre individuelle Lebenssituationen die passende Kassen zu finden. Sie können gezielt nach bestimmten Leistungen oder Serviceangeboten suchen oder ihre Kasse mit anderen vergleichen. Wer gut über die eigene Kasse informiert ist, kann das Angebot besser nutzen und so auch ohne Kassenwechsel Geld sparen.
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