Berufsunfähigkeitsversicherung: Viele sehr gute Angebote für wenige
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung braucht jeder. Doch viele scheuen zunächst den Abschluss wegen der Kosten. Ändern sie später ihre Meinung, bekommen sie oft keinen Vertrag mehr.
Krank durch den Beruf oder zu krank für den Beruf – das Ergebnis ist gleich: Irgendwann ist der Job weg, eine andere Arbeit ist auch nicht mehr möglich. Insgesamt wird jeder Vierte vorm regulären Rentenalter berufsunfähig.
Viele sind zwar schon über 50, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf an den Nagel hängen müssen. Für die Altersrente sind sie aber zu jung. Was sie für ihren Lebensabend gespart haben, reicht selten aus, um zusätzliche zehn Jahre zu finanzieren. Und selbst wenn ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente vom Staat besteht: Diese Rente wäre verhältnismäßig klein.
Wer dann auf eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zurückgreifen kann, schließt oder verringert diese finanzielle Lücke.
Für junge, gesunde Menschen am Anfang ihres Arbeitslebens ist Berufsunfähigkeit kaum ein Thema. Sie sind es jedoch, die sich möglichst umgehend um eine Versicherung dafür bemühen sollten. Wenn überhaupt, bekommen nur junge Leute problemlos einen Vertrag.
Können sich Menschen unter 30 oder um die 30 Jahre preiswert und lang genug für den Fall von Berufsunfähigkeit absichern, bleiben sie ihr gesamtes Berufsleben über abgesichert. So sind sie geschützt, wenn sie vielleicht mit 56 Jahren aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit aufgeben müssen, aber auch, wenn sie schon mit 35 Jahren deshalb nicht mehr berufstätig sein können.
Finanztest hat die angebotenen Berufsunfähigkeitsversicherungen untersucht und bewertet. Hinter den 139 Tarifen in den Tabellen stehen 73 Versicherer. Geprüft haben wir 92 Kombinationsprodukte aus Berufsunfähigkeitszusatz- und Risikolebensversicherung. Hier ist neben einer Rentenzahlung bei Berufsunfähigkeit vereinbart, dass Angehörigen eine Geldsumme gezahlt wird, sollte der Versicherte sterben.
Auch Solo-Verträge getestet
Erstmals haben wir zusätzlich 47 Angebote für selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen getestet. Die Solo-Variante erfreut sich seit einigen Jahren steigender Beliebtheit und wird inzwischen von vielen Versicherungsunternehmen angeboten.
Männer, die sich für einen Solo-Vertrag entscheiden, können oft Beitrag sparen. Im Schnitt zahlen sie für die Einzelpolice weniger als für die Kombination mit einer Risikolebensversicherung. Weiterer Vorteil: Sie können die Berufsunfähigkeitsrente flexibler festlegen. Denn ihre Höhe wird nicht durch die Versicherungssumme der Lebensversicherung begrenzt wie bei der Kombination. Hier sind oft 48 Prozent der Summe die Obergrenze für die Berufsunfähigkeitsrente pro Jahr.
Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen sollten vor allem die Bedingungen stimmen, die dem Vertrag zugrunde liegen. In das Finanztest-Qualitätsurteil gingen die Bedingungen mit 70 Prozent ein, die Qualität der Anträge mit 30 Prozent. Die Bedingungen der Einzelpolicen unterscheiden sich kaum von denen der Kombinationstarife.
Viele „sehr gute“ Angebote
Die Angebote der Berufsunfähigkeitsversicherungen werden immer besser. Mehr als ein Viertel der untersuchten Tarife erreichte bei den Kombinationstarifen ein „Sehr gut“ im Finanztest-Qualitätsurteil. Bei den Einzelpolicen war das Ergebnis genauso gut.
Wer nicht als „Risikoperson“ gilt, kann zurzeit also unter sehr vielen guten Angeboten wählen. Leider bekommen viele Interessenten aber die guten Verträge nicht, weil sie einen aus Sicht der Anbieter zu riskanten Beruf haben. Deutlich mehr Kunden werden abgelehnt, weil sie nicht mehr ganz gesund sind, wenn sie einen Vertrag abschließen wollen (siehe „Beharrlichkeit lohnt“).
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