Buggys: Schadstoffe in Griffen und Bezügen
Leicht, bequem und wendig – so wünschen sich Eltern den Zweitwagen fürs Kind. Unpraktisch, zu schwer und schadstoffbelastet ist häufig der, den sie tatsächlich schieben.
Ausgerechnet in Kinderbuggys fand die Stiftung Warentest jetzt jede Menge Schadstoffe: Weichmacher (Phthalate), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und in einem Fall Organozinnverbindungen (siehe „Schadstoffe“). Ein Risiko für die Gesundheit – langfristig und erst recht, wenn sich problematische Stoffe häufen.
Seit Monaten machen wir auf Schadstoffe bei Werkzeugen für Heimwerker aufmerksam. Besonders Billigartikel enthalten oft gefährliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Nun aber sind die Schadstoffe ausgerechnet in Produkten für die Kleinsten, die auf unser aller besonderen Schutz angewiesen sind, ein brisantes Thema.
Zwei von drei Wagen sind belastet
Bei 10 der 15 Kinderwagen wurden die Messgeräte fündig, manchmal sogar mehrfach. Die schädlichen Substanzen stecken in Teilen, die die Eltern notgedrungen berühren müssen und an die der Nachwuchs leicht herankommt: Griffe, Schutzbügel, Polster und Textilbezüge. Akut gefährlich ist das nach heutigem Wissen nicht, weder für die Kleinen noch für die Großen. Aber niemand weiß bislang, ob und wie sich mehrere bedenkliche Stoffe ergänzen und was eine Dauerbelastung über mehrere Jahre bewirkt. Genügend Gründe für uns, die zehn „Problemkinder“ dieser Untersuchung mit Punktabzügen zu „bestrafen“ – im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes. Kleinkinder lutschen nun einmal gern an allem, sei es an der Haltestange des Buggys oder am Stoffzipfel des Rückenpolsters. Und Eltern wie auch Babysitter halten die Schiebergriffe ständig in den Händen. Gerade Schleimhaut und Haut sind aber mögliche Eingangspforten für fett- und speichellösliche Substanzen wie PAK und Weichmacher. Wie viel sich aus den Materialien herauslöst und vom Menschen aufgenommen wird, ist individuell verschieden und von vielen Faktoren abhängig, zum Beispiel von der Menge, der Kontaktzeit und der Größe der Kontaktfläche.
Unnötig und technisch vermeidbar
Eins aber ist klar und unstrittig: Krank machende Stoffe haben in Gegenständen des täglichen Gebrauchs nichts zu suchen. Schon gar nicht in Produkten, mit denen kleine Kinder in Berührung kommen. Egal ob Weichmacher, PAK oder Organozinnverbindungen: All das ist unnötig und auf jeden Fall vermeidbar. Das zeigen die fünf unbelasteten Kinderkutschen: Graco CitiSport, Mini Star by Hauck, Peg Pérego, Stokke Xplory und Tchibo TCM. Sie sind weitgehend frei von potenziell gefährlichen Stoffen.
Ruckzuck zusammengeklappt
Trotzdem reichte es auch bei ihnen nicht für ein „Gut“ im test-Qualitätsurteil. Kein Buggy bot eine rundum überzeugende Vorstellung. Weder im Labor, wo alle Wagen einen „Dauerlauf“ mit Hindernissen und einen intensiven Sicherheitscheck überstehen mussten. Noch auf der Straße, wo Eltern die Buggys gezielt über Bordsteine, Treppen und Stufen fuhren, durch enge Gänge, über Kopfsteinpflaster, Rasen und Sand kurvten und auf abschüssigen Wegen die Feststellbremsen beanspruchten. Dabei probierten sie natürlich auch alle Handgriffe aus, die tagtäglich erforderlich sind.
Häufig kritisierten die Eltern ein umständliches Zusammenfalten und Aufklappen. Das ist in der Regel nur mit zwei freien Händen und unter kraftvollem Ziehen oder Drücken zu bewerkstelligen. Rühmliche Ausnahme: Inglesina Zippy Rain. Hier reicht eine Hand und ein kräftiger, gezielter Fußdruck gegen den Rahmen und er faltet sich ganz einfach auseinander. So wünschen es sich Eltern und Betreuer. Eher umständlich gestaltet sich hier aber das Sichern gegen Wegrollen. Üblich ist, dass mit einer Fußbetätigung zwei Räder gleichzeitig blockieren. Nicht bei Inglesina Zippy, Hauck Jet und Tchibo TCM. Hier sind zwei Fußbetätigungen nötig, weil rechtes und linkes Rad separat bremsen. Hoffentlich vergessen Mütter und Väter das in der Hektik nicht.
Schmerzhafte Erfahrungen
Das Sichern mit der Feststellbremse muss in Fleisch und Blut übergehen – das Lösen nicht, jedenfalls nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Bugaboo Cameleon kann das aber passieren, weil der Hebel oben am Schieber dabei plötzlich zurückschnellt und schmerzhaft auf die Hand schlagen kann. Bei Mini Star Pluto sind die Füße in Gefahr. Man muss zum Lösen der Bremse derart kräftig von unten gegen den Fußhebel drücken, dass Zehen oder Fußrücken weh tun. Wahrlich kein Spaß, schon gar nicht in sommerlichen Flipflops oder Sandalen.
Tipp. Drehen Sie schon im Geschäft einige Runden, um festzustellen, wie die Bremsen funktionieren und ob der Wagen Ihnen auch sonst liegt.
Nur zwei fürs Kind gut geeignet
Buggys mit ihren kleinen, wendigen Rädern und dem vergleichsweise geringen Gewicht sind ideal für die Stadt, in der Regel aber erst für Kinder, die schon gut allein sitzen können. Das ist ungefähr mit einem halben Jahr der Fall. Die meisten Anbieter empfehlen ihr Gefährt auch erst ab sechs Monate. Nach oben legen sie die Grenze meist bei 15 Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht einem kleinen Dreijährigen. Genau diese Größe hat das „Kieler Kind“, eine von Anthropologen eigens für die Stiftung Warentest entwickelte Messpuppe, um Passformen zu prüfen. Sie kam zum Einsatz, als es darum ging, wie gut Dreijährige noch in den Kutschen sitzen und schlafen können. Jeder Buggy lässt sich nämlich auch zum Liegen einstellen fürs Nickerchen zwischendurch.
Alles in allem zeigten sich nur Peg Pérego Pliko lite und Inglesina Zippy Rain für den Nachwuchs „gut“ gerüstet. Vor allem deshalb, weil sie angemessen gefedert sind, bessere Gurte haben und die Sprösslinge bei Regen trocken halten. Aber ihre Sitz- und Liegeverhältnisse sind noch nicht ideal.
Damit sich auch noch große Sprösslinge während der Fahrt wohlfühlen, sollte der Sitz mindestens 32 Zentimeter breit sein, besser noch 35. Peg bietet maßvolle 33 Zentimeter, Inglesina gerade mal 30. Doch es geht noch enger. Graco CitiSport und Stokke Xplory kommen mit knappen 24 beziehungsweise 26 Zentimeter Breite daher. Für kräftige Jungen und Mädchen wird es darin schnell zu eng. Wichtig ist auch eine gute Fußstütze, die sich idealerweise individuell anpassen lässt. Bis auf Stokke leider Fehlanzeige. Bei Bébé Confort, Chicco, Esprit, Hauck und Mini Star sind die Stützen gar so weit vom Sitz entfernt, dass die Füße in der Luft baumeln.
Teure Kultwagen mit einigen Macken
Fast schon Kultstatus haben die 790 und 930 Euro teuren Stadtwagen von Bugaboo und Stokke, die exemplarisch mitgeprüft wurden. Beide haben einen Liegeaufsatz für Säuglinge in den ersten sechs Monaten. Danach kommt der Sitzaufsatz ins Spiel. So ausgerüstet, besticht der Bugaboo Cameleon durch hohen Schiebe- und Einstellkomfort sowie ordentlich Platz fürs Gepäck. Er hat aber nicht nur Vorteile: Negativ schlagen die Verletzungsgefahr beim Lösen der Bremse sowie Weichmacher zu Buche.
Der Stokke Xplory mit höhenverstellbarer Sitzposition lässt sich wie eine Sackkarre schieben und ziehen, wenn man die hinteren Räder wegklappt. Treppen, Unebenheiten und Sandwege sind dann kein Problem. Das Gefährt ist insgesamt aber so unhandlich, dass man es weder zusammenklappen noch irgendwo hinauf- oder hineinheben möchte. Am besten bleibt es bis zur nächsten Ausfahrt in der Garage oder im Wirtschaftsraum stehen – falls vorhanden.
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