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Special Einschulung: Schulwahl II: Freie Schulen

06.06.2006

Eltern können ihr Kind ohne besonderen Antrag in einer so genannten freien Schule anmelden. Die Schule entscheidet, welche und wie viele Kinder sie aufnimmt. Der Begriff „frei“ bezieht sich auf die Trägerschaft. Freie Schulen sind nicht-staatliche Schulen. Sie gelten entweder als genehmigte Ersatz- oder anerkannte Ergänzungsschule. Das hängt vom Gesetz des jeweiligen Bundeslandes ab, dem eine Schule unterliegt.

Special Einschulung
  • Ersatzschulen. Im Allgemeinen unterscheiden sich Ersatzschulen von staatlichen Schulen nur durch ihren Träger - in den meisten Fällen eine der beiden Großkirchen. Sie haben ihre Lehrpläne dem staatlichen Schulsystem angeglichen. Sie erhalten vom Staat Geld - wieviel, ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich - und sind meist kostenlos. Auch die Waldorf-Schulen zählen zu den Ersatzschulen.
  • Ergänzungsschulen. Sie haben meist eine andere pädagogische Grundlage als staatliche Regelschulen. Lehrpläne, Schulorganisation und Schulalltag unterscheiden sich. In der Regel verlangen sie ein Schulgeld. Das führt meist zur sozialen Auslese. Einflussreiche Ergänzungsschulen sind die Montessori-Schulen und die Jenaplan-Schulen. Die Ergänzungsschulen informieren im Internet ausführlich über ihre pädagogischen Konzepte. Weitere Informationen erhalten Eltern zudem von den jeweiligen Kultusministerien.

Ein kurzer Überblick ihrer pädagogischen Konzepte (es handelt sich um eine Zusammenfassung der jeweils selbst gemachten Aussagen):

Waldorf-Schule

Alle Schüler durchlaufen zwölf Schuljahre - ohne Sitzenbleiben: Die Waldorf-Schule will das so genannte Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik der Förderung ersetzen. Der Lehrplan sieht nicht nur Fachunterricht vor, sondern legt besonderen Wert auf vielseitigen künstlerisch-handwerklichen Unterricht. Unterrichtsinhalte und - formen sollen auf das kindlichen Lernen und die kreative Entfaltung des Kindes abgestimmt sein. Selbstgestaltete „Epochenhefte“ etwa für Deutsch, Geschichte und Mathematik ersetzen in der Grundschule weitgehend die Lehrbücher. Zensuren werden abgelehnt. Stattdessen bestehen die Zeugnisse aus möglichst detaillierten Charakterisierungen, die Leistung, Fortschritte und Bemühen in den einzelnen Fächern darlegen.

Montessori-Schule

Die Kinder lernen in jahrgangsgemischten Gruppen. Lehrkräfte sollen ihnen als Lernberater und -begleiter zur Seite stehen. Sie beobachten die Fortschritte der Schüler und schreiben individuelle Entwicklungsberichte. Wichtig: Freiarbeitszeit, in der sich die Schüler auf Aufgaben ihrer eigenen Wahl konzentrieren - mit selbst ausgesuchten Methoden, Materialien und Partnern. Zusätzlich zum Fachunterricht gibt es je nach Schule Projekte, Betriebspraktika oder Exkursionen. Einer der Leitsätze der Montessori-Pädagogik lautet: „Hilf mir, meine Arbeit selbst zu tun“. Die Erwachsenen sollen die Bedingungen schaffen, damit ein Kind aus eigener Kraft lernt, selbstständig zu denken und zu handeln. Die Montessori-Pädagogik geht davon aus, dass ein Kind lernen will. Es durchläuft Entwicklungsphasen, in denen es besonders leicht bestimmte Dinge und Fähigkeiten lernt. Diese „sensiblen Phasen“ sind zeitlich begrenzt. Erzieher, Lehrer und Eltern müssen ein Kind daher genau beobachten und es in einer pädagogisch vorbereiteten und geordneten Umgebung begleiten und unterstützen.

Jenaplan-Schule

In der Jenaplan-Pädagogik steht das soziale und individuelle Lernen des Kindes im Vordergrund. Beurteilung durch Noten, Tests aller Art sowie lehrerzentrierter Unterricht werden abgelehnt. Stattdessen ist der Unterricht in Wochenplänen strukturiert. In leistungsdifferenzierten Kursen lernen die Kinder Basiswissen etwa Mathematik oder Lesen - orientiert am Lernrhythmus des Kindes. Eine große Bedeutung hat die Vermittlung von so genannten Schlüsselkompetenzen, wie Teamfähigkeit, Kreativität und Kritikfähigkeit. Hier spielen vor allem die jahrgangsübergreifenden Stammgruppen eine zentrale Rolle für Unterricht und Erziehung. In ihnen sind in der Regel drei Jahrgänge gemischt, die gemeinsam unterrichtet werden. Auch Projektunterricht, Spiele, Gespräche und Feiern sind eine fester Bestandteil der Jenaplan-Pädagogik. Der Stammgruppenleiter begleitet und berät das Kind und bewertet es nach gemeinsamen Gesprächen durch schriftliche und mündliche Berichte. Eltern sollen der Schule als Partner und Berater zur Seite stehen.

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11.03.2010 © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. nach oben