Special Einschulung: PISA und die Ganztagsschule
06.06.2006
Die PISA-Studie weist nach: In der Bundesrepublik hängt der Bildungserfolg stärker als in anderen Ländern von der sozialen Herkunft ab. Schüler, die zu Hause keine Förderung erhalten, lernen weniger - wenn die Schule diesen Nachteil nicht ausgleicht. Dies scheint die Regelschule in Deutschland nur unzureichend zu leisten. Offenbar ist die Ganztagsschule hierfür die bessere Lösung - jedenfalls zeigen dies die Ergebnisse der PISA-Studie: Länder, in denen die Ganztagsschule die Regel ist, haben hier meist besser abgeschnitten.
Konsequenz aus PISA
Ganztagsschulen sollen benachteiligte Schüler fördern helfen, vor allem nachmittags. Als Konsequenz aus der PISA-Studie hatte die rot-grüne Bundesregierung 2003 das Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ (IZBB) für vier Milliarden Euro aufgelegt. Damit wollte sie den Aus- und Aufbau von Ganztagsschulen in den folgenden Jahren fördern. Von den IZBB-Mitteln profitieren laut Bundesministerium für Bildung und Forschung bundesweit gegenwärtig rund 3.000 Ganztagsschulen. In Schuljahr 2005/2006 soll die Zahl auf 5.000 Schulen ansteigen. Die Bundesländer entscheiden, welche Schulen und Schulformen sie mit dem Geld aus dem Investitionsprogramm finanziell, inhaltlich oder personell fördern.
Häufig eine Mogelpackung
Allerdings entpuppten sich zahlreiche Projekte als Mogelpackung. Denn: Anders als in den erfolgreicheren Ländern Europas, scheint in Deutschland häufig statt eine Ganztagsschule eher eine Ganztagsbetreuung gemeint zu sein. Diese kann zwar die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Über deren spezifische Fördereffekte bestehen jedoch Zweifel.
Tipps
- Informieren Sie sich vor der Anmeldung Ihres Kindes, ob eine zur Ganztagsschule gewandelte Schule überhaupt die Voraussetzung für diese Schulform erfüllt. Oft sind Schulen, die sich plötzlich zur Ganztagsschule erklärt haben, baulich dafür gar nicht geeignet. Es fehlt an Bewegungs- und an Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder. Oder der Personalschlüssel hat sich mit der Umetikettierung kaum oder gar nicht verändert.
- Klären Sie, was für Sie und Ihr Kind am besten ist. Je nachdem, ob es sich bei „Ihrer“ Schule um eine offene oder gebundene Ganztagsschule handelt, sind Sie in Ihrer Flexibilität stark eingeschränkt. Nicht jede Familie profitiert deshalb von der gebundenen Ganztagsschulorganisation. Bedenken Sie: Musikstunden, der Sportverein und spontane Verabredungen mit Freunden haben für Kinder einen hohen Stellenwert.
- Wenn Sie mehr Wert auf Flexibilität legen, können Sie sich nach offeneren Schul- und Betreuungsformen erkundigen. Möglicherweise gibt es in Ihrer Nähe etwa eine Halbtagsschule mit zusätzlichen Angeboten an einem oder mehrere Nachmittagen. Achten Sie aber auch hier darauf, dass alles stimmt - die Organisation, die Räume, das Essen und das Personal.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Vorbereitungen auf den ersten Schultag
