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Special Einschulung: Schulwahl I: Regelschulen

06.06.2006

Welche Schule ist die richtige? Grundsätzlich hat jedes Kind in Deutschland seine Schule: Jede staatliche Grundschule nimmt die Kinder innerhalb eines festgelegten Einzuggebiets auf. Eltern, die ihr Kind auf eine andere Grundschule schicken möchten, haben in der Regel zwei Möglichkeiten. Entweder sie beantragen die Aufnahme bei einer anderen staatlichen Grundschule oder sie wählen eine so genannte freie Schule. Gerade in Großstädten haben Eltern oft die Qual der Wahl. Eltern, die sich für eine andere staatliche Schule entscheiden, müssen einen individuell und gut begründeten Antrag bei dem zuständigen Schulamt einreichen. Gründe, die sich aus der gewählten oder abgelehnten Schule selbst ergeben, erkennt das Amt im Allgemeinen nicht an.

Special Einschulung

Gründe für die Schulwahl

Es gibt viele Gründe, warum Eltern ihr Kind nicht auf die Schule im Einzugsgebiet, sondern auf eine andere Schule schicken wollen: der Arbeitsort der Eltern, der Wohnort der Großeltern oder Tagesmütter, die die Kinder nach der Schule betreuen oder auch enge Bindungen zu Kindergartenfreunden. Einige halten ihre zuständige Schule für unzureichend. Sei es, weil ihnen die Räume oder der Pausenhof der Schule missfällt, der Schulweg ungünstig ist oder die Schule einen schlechten Ruf hat. Auch die Unterrichtsform kann die Wahl beeinflussen. So organisieren einige Schulen den Schulalltag oder den Erstunterricht anders als die Regelschulen. Andere haben besondere pädagogische Konzepte: etwa Schulen, die Kinder mit - meist körperlichen - Behinderungen in den normalen Schulalltag integrieren oder freie Schulen wie Waldorf- und Montessori-Schulen.

Problem der Betreuung

Entscheidend für die Schulwahl kann auch die Betreuung sein. In Deutschland sind die meisten Grundschulen Halbtagsschulen, die nicht „verlässlich“ sind. Als verlässlich gelten Halbtagsschulen, die die Kinder garantiert den ganzen Vormittag betreuen - also auch dann, wenn der Unterricht ausfällt. Dies ist vielerorts nicht der Fall - und für viele Eltern ein Problem. Sie vereinbaren Familie und Beruf nur unter großem finanziellen und organisatorischen Aufwand. Das soll sich in Zukunft ändern: Als Folge der ersten PISA-Studie wächst die Zahl der Ganztagsschulen.

Ganztagsschulen

Nicht jede Schule mit Essensausgabe, Unterricht und Freizeitaktivität am Nachmittag verdient den Namen Ganztagsschule - vor allem, wenn sie Chancengleicheit und Förderung im Sinne von PISA erreichen soll. Der Ganztagsschulverband e.V. nennt deshalb klare Kriterien, die eine echte Ganztagsschule erfüllen muss:

  • Die Schule sollte an mindestens vier Wochentagen mindestens sieben volle Stunden Lern-und Freizeit-Angebote machen.
  • Vormittag und Nachmittag sollten konzeptionell zusammenhängen.
  • Erweiterte Lernangebote und individuelle Fördermaßnahmen, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten sind in die Konzeption mit eingebunden.
  • Es gibt täglich ein warmes Essen.
  • Es stehen für den Ganztagsbetrieb genügend Personal, ausreichend geeignete Räume sowie zusätzliche Lehr- und Lernmittel zur Verfügung.
  • Alternative Unterrichtsformen, etwa Projektarbeit sind möglich. Soziales Lernen wird begünstigt.
  • Die Schule verantwortet alle Angebote.

Momentan existieren in Deutschland zwei Formen von Ganztagsschulen:

  • die gebundene Ganztagsschule. Sie entspricht ungefähr dem, was der Ganztagsschulverband fordert. Schulische Angebote und Feizeitaktivitäten sind über den ganzen Tag verteilt. Die Schüler müssen vormittags und nachmittags am Unterricht und an den Angeboten teilnehmen.
  • die offene Ganztagsschule. Die verpflichtenden Schulfächer liegen vorwiegend auf den Vormittagen. Einige Schulen bieten jeden Tag Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung an, andere nur an bestimmten Wochentagen.

Plädoyer für die Schule „um die Ecke“

Eltern sollten bei allen Überlegungen zur Schulwahl eines auf jeden Fall bedenken: Ein Kind will Freunde haben. Im Regelfall geht ein Kind mit seinen Kindergartenfreunden oder Freunden aus der Nachbarschaft zur Schule. Vorausgesetzt es geht in „seine“ Schule. Seine zukünftigen Klassenkameraden wohnen dann im Umkreis, sozusagen um die Ecke. Es kann sich jederzeit ohne große Probleme verabreden und Treffen selbstständig organisieren. Anders sieht es aus, wenn ein Kind eine andere, vielleicht weiter entfernte Schule besucht. Es besteht die Gefahr, dass es zunehmend den Kontakt zu seinen alten Freunden und zum Wohngebiet verliert. Für gegenseitige Freundschafts-Besuche wird es lange auf die Dienste seiner Eltern als Chauffeur angewiesen sein. Und lange Wegzeiten zur Schule oder zu Freunden sind oft „verlorene Zeiten“.

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14.03.2010 © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. nach oben