Special Einschulung: Nicht schulfähig - was nun?
06.06.2006
Bestehen berechtigte Zweifel an der Schulfähigkeit eines dem Alter nach schulpflichtigen Kindes, ist das Engagement der Eltern gefragt. Die Hoffnung, das Problem werde sich schon auswachsen, erfüllt sich oft nicht. Die Eltern müssen herausfinden, welche Schwierigkeiten ihr Kind hat und warum es sie hat. Gerade Spätentwickler sollten jetzt angeregt und zielgerichtet gefördert werden. Denn Zurückstellung allein bewahrt die Kinder zumeist nicht vor schulischen Misserfolgen. Eltern können einiges tun, um ihrem Kind im folgenden Jahr einen guten Schulstart zu ermöglichen.
Erfahrungen nutzen, Hinweisen nachgehen
Eltern sollten auf jeden Fall mit dem Rektor, dem Lehrer und den Erziehern im Kindergarten sprechen - also mit denjenigen, die an der Schulfähigkeit des Kindes zweifeln. In manchen Fällen hilft eine schulpsychologische Einzeluntersuchung weiter. Die Eltern können die Erfahrung und das Wissen der Erzieher oder der Vorschullehrer nutzen. Diese kennen das Kind mindestens ein Jahr und können es bei vielen Gelegenheiten beobachten. Sie wissen, wie es sich bewegt, mit anderen streitet, wie es bastelt, malt oder baut. Durch ihr berufliches Fachwissen und ihre Erfahrung können sie meist sehr gut beurteilen, wo ein Kind noch Schwierigkeiten hat und ob es auf einem Gebiet besondere Hilfe braucht. Eltern sollten diese Hinweise Ernst nehmen und im Fall des Falles weitere Hilfen beanspruchen.
Den Kinderarzt fragen
Der Kinderarzt sollte ein zurückgestelltes Kind auf jeden Fall untersuchen. Vielleicht hat schon die U9 ergeben, dass es in einem oder mehreren Bereichen entwicklungsverzögert ist. Beim erneuten Termin wird der Kinderarzt es noch einmal untersuchen. Er schätzt erneut ein, wie es sich bisher körperlich und psychisch entwickelt hat. Um sich ein Bild von der Persönlichkeit und dem Leben des Kindes machen zu können, wird er ausführlich mit den Eltern sprechen. Sie können den Arzt informieren, wie sie ihr Kind erleben, was ihnen auffällt und was ihnen die Erzieher gesagt haben. Dabei sollten sie auch ihr Kind miteinbeziehen. Es soll ja nicht Gegenstand irgendwelcher Maßnahmen sein, sondern sich aktiv daran beteiligen.
Ein Kind muss sich ausreichend bewegen
Erkennt der Arzt, dass sich ein Kind unkoordiniert, unsicher oder tollpatschig bewegt, empfiehlt er geeignete Maßnahmen. Sie richten sich danach, wie schwer und warum ein Kind körperlich oder motorisch beeinträchtigt ist. Vielleicht stellt er im Gespräch mit den Eltern fest, dass es sich extrem wenig bewegt und deshalb unsicher ist - etwa wegen beengter Wohnverhältnisse, schwieriger Nachbarn, häufigem Kranksein oder fehlender Spielmöglichkeiten. Hier reicht oft der Rat: Lassen Sie Ihr Kind mehr spielen und sich mehr bewegen. Besuchen Sie mit ihm eine Kinderturngruppe, eine Gymnastik- oder Tanzgruppe. Dort kann es mit anderen zusammen spielen, laufen oder tanzen und so Körpergefühl und Motorik verbessern. Manchmal jedoch ist eine entwicklungsneurologische Untersuchung notwendig. Zeigt sich dabei, dass Bewegungskoordination, Gleichgewicht und Hand-Augen-Koordination weiter reichend gestört sind, überweist der Arzt das Kind an Spezialisten - etwa an Physiotherapeuten wie Krankengymnasten und Bewegungstherapeuten oder an Ergotherapeuten.
Hyperaktiv und unkonzentriert
Hyperaktiv, zappelig, unaufmerksam. Solches Verhalten bedeuten nicht zwangsläufig, dass ein Kind an der in den Medien regelmäßig erwähnten Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) leidet. Auch wenn sich Eltern dieser möglichen Diagnose stellen müssen. Andere Gründe für solch auffälliges Verhalten sind etwa auch die Allgegenwart lärmender Medien zu Hause, familiäre Probleme, ungünstige soziale Bedingungen, psychische Belastungen heute oder in der Vergangenheit sowie andere psychische Störungen, wie Angststörungen oder Depressionen. Auch organische Erkankungen wie eine Schilddrüsen-Überfunktion sollten vor einer endgültigen Diagnose untersucht werden. Sie macht ein Kind unruhig und muss dringend behandelt werden. Auch Bewegungsmangel führt manchmal dazu, dass ein Kind im Gegensatz zu anderen nicht in der Lage ist, stillzusitzen, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, Ausdauer zu beweisen oder sich an Regeln und Ordnungen zu halten. Aus welchen Gründen auch immer ein Kind hyperaktiv und unkonzentriert ist, Voraussetzung jeder Behandlung ist auch hier wieder die Mitarbeit und das Verständnis der Eltern.
Sprach- und Sprechprobleme
Ein Kind braucht Hilfe, wenn ihm altersgemäßes Sprechen schwer fällt - es etwa noch deutliche Fehler in der Grammatik macht, Wörter fehlerhaft ausspricht, nur beschränkt versteht oder stark stottert. In solchen Fällen zieht der Kinderarzt meist einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Logopäden hinzu. Diese sehen, ob die Probleme auf einer Entwicklungsverzögerung oder Wahrnehmungsstörung beruhen oder gar organische Ursachen haben. Das Zusammenspiel der Muskeln und Nerven kann gestört oder Sprachorgane oder Gehör fehlgebildet sein. Auch psychische oder motorische Probleme können die Sprache beeinträchtigen. Der zuständige Spezialist bespricht einen möglichen Befund mit den Eltern. Er schlägt Übungen, eine oder auch mehrere Therapien vor. Eltern können die Therapien unterstützen, in dem sie sich an einige Sprachregeln halten - etwa langsam und deutlich in einfachen Sätzen sprechen, ihr Kind ausreden lassen oder es nicht ständig korrigieren, wenn es fehlerhafte Sätze spricht. Lieber wiederholen sie den falschen Satz einfach richtig. Darüber hinaus können sie das Selbstwertgefühl des Kindes fördern, steigern und festigen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Schulwahl I: Regelschulen
