Special Einschulung: Vorzeitige Einschulung oder Zurückstellung
17.02.2011
In der Regel entscheidet die Schulleitung über Zurückstellung oder vorzeitige Einschulung eines Kindes. Die Eltern müssen aber den notwendigen, gut begründeten Antrag einreichen und verantworten. Gespräche mit dem Kinderarzt, den Erziehern des Kindergartens, der Schule und mit der eigenen Familie können ihnen bei einer Entscheidung helfen.
Bedeutung der U9
Die neunte kostenlose Vorsorgeuntersuchung, die U9, soll noch vor der Schulanmeldung abklären, ob sich ein Kind gesund entwickelt hat. Die U9 findet zwischen dem 60. und 64. Monat beim Kinderarzt statt. Eltern, die diese Vorsorgeuntersuchung vergessen haben, sollten sie mit ihrem Kind nachholen. Sie ist besonders wichtig, wenn sie eine vorzeitige Einschulung ihres Kindes wünschen. Die U9 klärt, ob ein Kind in den ersten fünf Jahren seines Lebens, im Elternhaus und im Kindergarten die körperlichen und geistigen, die sozialen und emotionalen sowie sprachlichen Fähigkeiten entwickelt hat, um als Schulkind problemlos bestehen zu können. Sollte dies nicht der Fall sein, kann es nach einer entsprechenden Diagnose die notwendigen Förderungen erhalten. Die Mithilfe der Eltern ist bei der U9 unverzichtbar. Sie sollten den Kinderarzt ausführlich über ihr Kind informieren können und zum U9 Termin entsprechend vorbereitet sein. Viele Kinderärzte übergeben den Eltern deshalb bereits bei Terminabsprache einen Fragebogen, den sie zur U9 ausgefüllt mitbringen sollen. Ansonsten kann auch dieser Fragenkatalog weiterhelfen.
Der Kindergarten
Kaum jemand kann so verlässlich über die emotionale und soziale Entwicklung sowie die Schulbereitschaft eines Kindes urteilen, wie die Erzieher im Kindergarten. Sie wissen, wie sich ein Kind außerhalb der Familie bewegt. Ob es zum Beispiel gelernt hat, Freundschaften zu schließen, in einer Gruppe klarzukommen oder altersentsprechende Aufgaben zu lösen. Sie informieren über Konzentration, Arbeitseifer und Ausdauer eines Kindes. Ein Gespräch mit den Erziehern ist deshalb durch nichts zu ersetzen.
Die Schule
Eltern sollten sich unbedingt ausführlich über die künftige staatliche oder freie Schule ihres Kinder informieren. Das können sie über Broschüren, Internet und einen Tag der offenen Tür tun. Oder sie unterhalten sich direkt mit der Schulleitung. Schulfeste bieten Gelegenheit, mit Lehrern oder anderen Schulkindeltern zu sprechen. Die Erfahrungen „alter“ Schulkindeltern ergänzen häufig das offizielle Bild einer Schule. Wichtig sind auch Fragen nach der Form des Eingangsunterrichts, nach der Förderung lernschwacher Kinder und wie viel „Schulfähigkeit“ von einem Schulneuling in dieser Schule erwartet wird. Ebenfalls wichtig: die Lage der Schule, die Ausstattung des Pausenhofs und der Klassen. Und: Wer sind seine Klassenkameraden? Kommen seine Freunde aus dem Kindergarten oder vom Spielplatz mit ihm in dieselbe Schule? Wird es Nachbarskinder treffen, mit denen es bald seinen Schulweg gemeinsam bewältigen kann? Die wichtigste Frage aber lautet: Wird das Kind - unterstützt von seiner Familie - die neuen Aufgaben bewältigen können?
Die Familie
Eltern sollten sich im Klaren darüber sein, warum sie ihr Kind früher, beziehungsweise später einschulen. Ihre Entscheidung wirkt sich auf den Familienalltag aus.
- Zurückstellung. Der Familienalltag läuft vorerst weiter. Dafür ändert sich das kindliche Umfeld: Freunde verlassen den Kindergarten. Das zurückgestellte Kind wird zum ältesten Kind. Möglicherweise fühlt es sich zurückgesetzt, allein gelassen oder nicht ernst genommen. Einige Eltern übertragen ihre schlechten Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit auf ihr Kind, anstatt ihm einen guten Schulstart zuzutrauen. Grundsätzlich gilt: Eltern sollten ihr Kind rechtzeitig auf die Zurückstellung vorbereiten.
- Vorzeitige Einschulung. In der Regel ändern sich Schlaf-, Aufsteh- und Essenszeiten. Die Familie muss sich darauf vorbereiten. Am besten übt sie frühzeitig den morgendlichen „Schulstart“. Meist können Eltern eher bei einem Mädchen an eine vorzeitige Einschulung denken als bei gleichaltrigen Jungs, bei jüngeren Geschwisterkindern eher als beim Erstgeborenen oder Einzelkindern. Die Eltern sollten davon überzeugt sein, dass ihr Kind frühzeitig reif für die Schule ist. Wenn nicht, sollten sie von diesem Schritt Abstand nehmen. Zahlreiche Studien zeigen: Vor allem die Jüngsten einer Klasse leiden öfters an psychischen Problemen. Durchschnittlich wiederholen 28 Prozent der vorzeitig eingeschulten Kinder irgendwann eine Klasse. Also knapp ein Drittel verliert das gewonnene Jahr wieder. Bei den fristgemäß eingeschulten sind es 18 Prozent.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Tabelle: U 9: Fragenkatalog für Eltern
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