Special Einschulung: Vorzeitige Einschulung oder Zurückstellung
06.06.2006
Der Zeitraum möglicher Einschulungstermine umfasst in vielen Bundesländern schon fast zwei Jahre. Zurückgestellte Kinder sind an ihrem ersten Schultag vielleicht schon acht Jahre und treffen auf Kinder, die erst im Laufe des ersten Schuljahres sechs Jahre alt werden. Auch wenn in der Regel die Schulleitung der infrage kommenden Schule über Zurückstellungen und vorzeitige Einschulungen entscheidet - die Eltern müssen den notwendigen, gut begründeten Antrag einreichen und verantworten. Bei der Entscheidung für eine frühzeitige Einschulung oder eine Zurückstellung können ihnen Gespräche mit dem Kinderarzt, den Erziehern des Kindergartens, der Schule und natürlich mit der eigenen Familie helfen.
Der Kinderarzt
Die neunte kostenlose Vorsorgeuntersuchung, die U9, soll noch vor der Schulanmeldung abklären, ob sich ein Kind gesund entwickelt hat. Die U9 findet zwischen dem 60. und 64. Monat statt. Eltern, die diese letzte Vorsorgeuntersuchung vergessen haben, sollten sie mit ihrem Kind nachholen. Sie ist besonders wichtig, wenn sie eine vorzeitige Einschulung ihres Kindes wünschen. Die U9 klärt, ob ein Kind in den ersten fünf Jahren seines Lebens, im Elternhaus und im Kindergarten die körperlichen und geistigen, die sozialen und emotionalen sowie sprachlichen Fähigkeiten entwickelt hat, um als Schulkind problemlos bestehen zu können. Sollte dies nicht der Fall sein, kann es nach einer entsprechenden Diagnose die notwendigen Förderungen erhalten. Die Mithilfe der Eltern ist bei der U9 unverzichtbar. Sie sollten den Kinderarzt ausführlich über ihr Kind informieren können und zum U9 Termin entsprechend vorbereitet sein. Dabei hilft ihnen der Fragenkatalog des Ratgebers Schulkind.
Der Kindergarten
Kaum jemand kann so verlässlich über die emotionale und soziale Entwicklung sowie die Schulbereitschaft eines Kindes urteilen, wie die Erzieher im Kindergarten. Sie wissen, wie sich ein Kind in einem Raum außerhalb der Familie bewegt. Ob es zum Beispiel gelernt hat, Freundschaften zu schließen, in einer Gruppe klarzukommen oder altersentsprechende Aufgaben zu lösen. Sie informieren über Konzentration, Arbeitseifer und Ausdauer eines Kindes. Ein Gespräch mit den Erziehern ist deshalb durch nichts zu ersetzen.
Die Schule
Eltern sollten sich unbedingt ausführlich über die künftige staatliche oder freie Schule ihres Kindes informieren. Das können sie über Broschüren, Internet oder einen Tag der offenen Tür tun. Schulfeste bieten Gelegenheit, mit Lehrern oder anderen Schulkindeltern zu sprechen. Gerade die Erfahrungen „alter“ Schulkindeltern ergänzen häufig das offizielle Bild einer Schule. Wichtig sind auch Fragen nach der Form des Eingangsunterrichts, nach der Förderung lernschwacher Kinder und wie viel „Schulfähigkeit“ von einem Schulneuling in dieser Schule erwartet wird. Ebenfalls wichtig: die Lage der Schule, die Ausstattung des Pausenhofs und der Klassen. Und nicht zuletzt: Wer sind seine Klassenkameraden? Kommen seine Freunde aus dem Kindergarten oder vom Spielplatz mit ihm in dieselbe Schule? Wird es Nachbarskinder treffen, mit denen es bald seinen Schulweg gemeinsam bewältigen kann? Die wichtigste Frage aber lautet: Wird das Kind - unterstützt von seiner Familie - die neuen Aufgaben bewältigen können?
Die Familie
Eltern sollten sich im Klaren darüber sein, warum sie ihr Kind früher, beziehungsweise später einschulen lassen wollen, wie sich ihre Entscheidung auf den Familienalltag auswirkt und wie sie sich auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten.
- Zurückstellung. Lassen Eltern ihr Kind zurückstellen, läuft der Familienalltag vorerst weiter. Dafür ändert sich das kindliche Umfeld: Viele Freunde verlassen den Kindergarten und das zurückgestellte Kind wird zum ältesten Kind. Möglicherweise fühlt es sich zurückgesetzt, allein gelassen oder nicht ernst genommen. Einige Eltern übertragen ihre schlechten Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit auf ihr Kind, anstatt ihm einen guten Schulstart zuzutrauen.
- Vorzeitige Einschulung. Es ändern sich meist schon vorzeitig Schlaf-, Aufsteh- und Essenszeiten. Die Familie muss sich darauf vorbereiten, bestenfalls den morgendlichen „Schulstart“ einige Zeit vorher einüben. In der Regel können Eltern eher bei einem Mädchen an eine vorzeitige Einschulung denken als bei gleichaltrigen Jungs, bei jüngeren Geschwisterkindern eher als beim Erstgeborenen oder Einzelkindern. Haben die Eltern aber Zweifel, dass ihr Kind schon frühzeitig reif für die Schule ist, sollten sie von diesem Schritt Abstand nehmen. Denn zahlreiche Studien zeigen: Vor allem die Jüngsten einer Klasse leiden öfters an psychischen Problemen. Durchschnittlich wiederholen 28 Prozent der vorzeitig eingeschulten Kinder irgendwann eine Klasse, bei den fristgemäß eingeschulten sind es 18 Prozent. Das durch die Früheinschulung gewonnene Jahr wird also von knapp einem Drittel später wieder verloren.
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Tabelle: U 9: Fragenkatalog für Eltern
