Special Einschulung: Voraussetzungen für die Schulreife
06.06.2006
Alle Eltern müssen sich die Frage stellen: Ist unser Kind schulfähig und schulbereit? Ein Schulkind muss die nötigen körperlichen, geistigen und sprachlichen sowie emotionalen und sozialen Voraussetzungen mitbringen, um nicht von Anfang an den Spaß am Lernen zu verlieren. Die ersten Lern- und Schulerfahrungen prägen die gesamte Schullaufbahn - oft negativ. Folge: Viele Kinder lehnen Schule und schulisches Lernen frühzeitig und dauerhaft ab. Daher gilt: Eltern sollten ihr Kind vor der Schulanmeldung durch einen Arzt untersuchen lassen. In vielen Bundesländern ist eine Einschulungsuntersuchung durch den Schularzt sogar Pflicht.
Körperliche Voraussetzungen
Ein Arzt kann feststellen, ob ein Kind von seiner körperlichen Entwicklung her, dem Schulalltag gewachsen sein wird. Wichtig sind die motorischen Fähigkeiten eines Kindes: etwa die Feinmotorik fürs Schreibenlernen. Auch die grobmotorische Geschicklichkeit sollte altersgemäß sein - verbunden mit einer sicheren Gleichgewichtskoordination, einer guten Raumwahrnehmung und der Fähigkeit, Bewegungen auch gezielt zu planen. Wie soll ein Kind schreiben lernen, wenn es Schwierigkeiten hat, Auge und Hand richtig zu koordinieren? Ebenfalls in der Untersuchung enthalten sind Hör- und Sehtests: Wer schlecht hört oder sieht, kann dem Unterricht nur unzureichend folgen - ein schweres Handicap für die Schullaufbahn. Rechtzeitig entdeckt können solche Schwächen behandelt, korrigiert oder durch geeignete Unterrichtsformen ausgeglichen werden.
Geistige Voraussetzungen
Ein Kind, das rechnen, lesen und schreiben lernen will, muss ganz spezifische Wahrnehmungsleistungen erbringen können. Dazu gehört das teilinhaltliche Erfassen von Details. Beispiel: Ein Kind hört das A in Wörtern wie Abend und Mama. Es hört den Buchstaben aus dem Ganzen heraus und kann ihn losgelöst vom Ganzen betrachten. Es erkennt und unterscheidet b und p als Laut und mit dem Auge. Damit besitzt es die fürs Lesen und Schreiben erforderliche optische und akustische Differenzierungsfähigkeit. Darüber hinaus benötigt ein Schulkind die sogenannte Entnahmefähigkeit. Beispiel: Ein Kind soll eine Burg möglichst getreu nachbauen. Die Entnahmefähigkeit ermöglicht es dem Kind, von einer Vorlage die wesentlichen Details in ihrer Beziehung zum Ganzen zu entnehmen, um sie möglichst getreu nachzuahmen. Das heißt, es vergleicht seine Burg auch während des Bauprozesses ständig mit der Vorlage und baut sie möglichst detailgetreu nach.
Sprachliche Voraussetzungen
Sprechen- und Verstehen-Können gehört zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Schulstart. Ein Kind muss in der Lage sein, sich mitzuteilen und andere zu verstehen. Wichtig ist auch, dass es durch Reimen, Singen und Silben-Klatschen die Fähigkeit erworben hat, die lautlichen Merkmale einer Sprache zu erkennen, zu begreifen und darüber nachzudenken. Damit stehen ihm die wesentlichen Grundlagen fürs Schreiben- und Lesenlernen zur Verfügung.
Emotionale und soziale Voraussetzungen
Schulanfänger müssen auch neue emotionale und soziale Herausforderungen meistern: Mit Schulbeginn muss das Kind neue Kontakte knüpfen, Freunde finden und neue Vertrauensverhältnisse zu Erwachsenen aufbauen, etwa Lehrer. Es sollte sich einer Gruppe zugehörig fühlen und aktiv dabei sein können, ohne sich verlassen zu fühlen oder gar selbst zu verlieren. Ganz wichtig: Es muss bereit sein, sich anzustrengen, Ausdauer zu zeigen sowie aufmerksam und konzentriert zu arbeiten. Ein Schulkind sollte neugierig sein, Fragen stellen und Interesse zeigen, etwas Neues zu erfahren und zu lernen. Das wichtigste aber ist: Es sollte Lust darauf haben, in die Schule zu gehen.
Schulreifetests: Pro und Contra
Spezielle Tests sollen die Schulreife oder Schulfähigkeit eines Kindes prüfen. Oft sind sie Bestandteil der schulärztlichen Untersuchung oder des Einschulungsverfahrens. Zweifellos sagen solche Tests einiges über die untersuchten Fähigkeiten und den Entwicklungsstand eines Kindes aus. Positiv: Sie können helfen, mögliche Störungen oder Entwicklungsrückstände zu erkennen. Ein Kind kann frühzeitig gefördert werden. Negativ: Die unterschiedlichen Tests führen oft zu unterschiedlichen Ergebnissen und Empfehlungen. Weitere Kritikpunkte: Schulreifetests liefern nur unsichere Prognosen über die Schullaufbahn eines Kindes. Zudem beziehen sich die Ergebnisse eines Tests immer auf den Testtag. Das bedeutet, die Ergebnisse können sich verfälschen, wenn sich ein Kind der Testsituation verweigert, es ängstlich ist oder zu aufgeregt.
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