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09.02.2011

Medikamente bei Krebs

Eine Krebsgeschwulst entsteht aufgrund unkontrollierter Zellwucherungen in einem Gewebe. Das Grundprinzip jeder medikamentösen Therapie gegen Krebs besteht darin, zu versuchen, dieses Wachstum mit Medikamenten möglichst dauerhaft oder wenigstens vorübergehend zu stoppen, die durch den Tumor verursachten Beschwerden zu lindern und zu verhindern, dass die Geschwulst ihre Zellen über das Blut in andere Organe und Gewebe streut (Metastasen absiedelt). Chemotherapeutika werden auch gegeben, um nach einer Operation noch vorhandene Krebszellen abzutöten und auf diese Weise zu verhindern, dass sich Metastasen bilden. Diese Ziele lassen sich allerdings nicht immer erreichen.

Viele Krebsmedikamente wirken gut bei seltenen Tumorarten wie Lymphdrüsen-, Knochen- und Hodenkrebs sowie Leukämie. Bei den weitaus häufigeren Organkrebsen (Darm-, Brust-, Lungen-, Blasen-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs) können sie in bestimmten Situationen (z. B. nach der Operation bei Brust- und Darmkrebs) zur Heilung beitragen; bei fortgeschrittenen Stadien können sie zwar keine Heilung mehr bewirken, aber häufig die Lebenszeit verlängern und krebsbedingte Beschwerden lindern. Es gilt also gut abzuwägen, ob der Nutzen der Behandlung tatsächlich größer ist als die damit verbundenen Leiden, z. B. aufgrund der unerwünschten Wirkungen der Medikamente.

Für viele Tumorarten liegen standardisierte Empfehlungen vor, welche Medikamente einzeln oder kombiniert eingesetzt werden sollten und wie lange. Ob und wie oft die Therapie wiederholt werden muss, hängt auch von der Tumorgröße ab. Die Befindlichkeit und Konstitution der Krebskranken machen es jedoch oft nötig, von diesem Schema abzuweichen. Neuerdings wird eine Chemotherapie nicht mehr nur nach einer Operation oder Bestrahlung eingesetzt, sondern oft bereits vorher (neoadjuvante Therapie). Ziel ist dabei, den Tumor zu verkleinern, sodass die Operation schonender ausfallen kann.

Spezialisten für die medikamentöse Behandlung

Es ist ratsam, dass Sie sich für eine ambulante Chemotherapie einen Spezialisten suchen, der sich mit diesen Medikamenten gut auskennt. Bei diesen Spezialisten handelt es sich meist um Internisten mit dem Schwerpunkt Hämatologie und internistische Onkologie (Blut- und Krebserkrankungen), auch Onkologen genannt, die in sogenannten onkologischen Schwerpunktpraxen tätig sind. Häufig sind auch andere Fachärzte erfahren in der Behandlung von Krebserkrankungen aus ihrem speziellen Fachgebiet (z. B. Gynäkologen bei Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs, Urologen bei Blasen-, Hoden- und Prostatakrebs).

Erkundigen Sie sich am besten in der Klinik, in der Sie operiert oder vorbehandelt wurden, welche niedergelassenen Kollegen schwerpunktmäßig Krebskranke behandeln und mit den Chemotherapie-Schemata vertraut sind.

Stationäre oder ambulante Behandlung?

Eine Chemotherapie erfolgte früher ausschließlich stationär, heute ist es vielfach möglich und üblich, sie – und ebenso auch andere Arzneimittel im Rahmen der Krebstherapie – ambulant zu verabreichen. Nur wenn die Medikamente sehr hoch dosiert werden müssen, oder wenn schwerwiegende unerwünschte Wirkungen zu erwarten sind, die eine kontinuierliche ärztliche Überwachung erfordern, werden Sie für die Therapie stationär aufgenommen.

Die ambulante Therapie hat den Vorteil, dass Sie in Ihrer gewohnten Umgebung bleiben und – je nachdem, wie Sie sich fühlen – auch Ihrer Arbeit nachgehen können. Für Infusionen oder Spritzen gehen Sie meist in die Praxis, Chemotherapeutika in Tablettenform können Sie zuhause einnehmen.

Sind Infusionen häufig oder über einen längeren Zeitraum hinweg nötig, kann der Arzt Ihnen (unter örtlicher Betäubung oder kurzer Vollnarkose) einen Venenkatheter mit einem Medikamenten-Reservoir unter die Haut legen (Port). Der Vorratsbehälter aus Metall (Titan) ist mit einer Membran aus Silikon abgedeckt und mündet in einem dünnen Schlauch, der in die Schlüsselbein-Vene eingelegt wird. Für die Arzneimittelgabe muss der Arzt dann nur noch mit einer speziellen „Portnadel“ die Haut und die unmittelbar darunter liegende Silikonabdeckung durchstechen. Auch eine Infusion kann auf diese Weise angelegt werden.

Wichtig ist, dass Sie die Haut über dem Port gut beobachten. Über die Portnadel können – selten, aber die Gefahr ist nicht auszuschließen – Bakterien in das Port-System eindringen, sodass sich das Gewebe um den Port herum entzündet und der Venenzugang entfernt werden muss. Auch kommt es vor, dass Blut aus der Vene in den Katheter beziehungsweise in die Portkammer zurückläuft, dort gerinnt und den Port verstopft. Eine Spülung mit einer speziellen Lösung kann ihn dann wieder durchgängig machen.

Bei fachgerechter Behandlung kann ein Port jahrelang komplikationslos liegen bleiben. Ist absehbar, dass keine weitere Chemotherapie erforderlich ist, wird der Port entfernt.

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09.02.2012 . © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. Twitter Facebook YouTube Stiftung Warentest im Netz: