Interview: Bis zu 80 000 Neuerkrankungen
Dr. Jochen Süss, Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten, Friedrich-Loeffler-Institut, Buchautor.
Wie groß ist das Infektionsrisiko?
Schätzungen gehen in Deutschland von 60 000 bis 80 000 Neuerkrankungen an Lyme-Borreliose pro Jahr aus. An FSME sind in den letzten zehn Jahren im Schnitt pro Jahr 264 Menschen erkrankt, das Maximum mit 546 Fällen wurde 2006 erreicht. Das größte FSME-Risiko hat man gegenwärtig in Russland, Österreich, der Tschechischen Republik, in Estland, Litauen und Lettland, in Polen, Deutschland, in der Schweiz, in Schweden und Ungarn.
Wie häufig sind Schäden?
Eine früh diagnostizierte, richtig und vollständig behandelte Lyme-Borreliose wird in der Regel vollständig ausgeheilt. Todesfälle an Lyme-Borreliose sind nicht sicher beschrieben, aber eine zu spät diagnostizierte, nicht, nicht ausreichend oder falsch therapierte ist oft Ursache für schwere und schwerste Beschwerden mit zum Beispiel Schmerzen und starker Einschränkung des Lebenswertes. Zwei Drittel der an FSME-Erkrankten werden ohne Spätfolgen oder bleibende Schäden wieder gesund. Sie sind lebenslang vor FSME geschützt. Ein Drittel erleidet Folgeschäden wie Lähmungen. Von diesen Patienten versterben in Mitteleuropa bis zu 2 Prozent, in Sibirien bis zu 30 Prozent.
Wie kann man besser vorbeugen?
Wichtig ist, sich des Zeckenstichrisikos immer bewusst zu sein, Kleidung und Körper abzusuchen, Zecken rasch zu entfernen, Repellents zu verwenden, sich über FSME-Risikogebiete zu informieren. Die FSME-Schutzimpfung verhindert in 99 Prozent der Fälle eine Erkrankung. Bei der Lyme-Borreliose steht in 70 bis 90 Prozent aller Fälle am Beginn eine „Wanderröte“. Dann sofort eine Therapie beginnen. Sonst handeln Patient und Arzt fahrlässig.
Was können Repellents leisten?
Einen vollständigen Schutz können sie naturgemäß nicht geben, erst im Zusammenwirken mit allen anderen Schutzmaßnahmen (wie Absuchen, Zecken entfernen, FSME-Schutzimpfung etc.) wird größtmögliche Sicherheit entwickelt.
Sind natürliche Rezepturen besser?
Es gibt genügend Beispiele, dass Naturstoffe wie auch chemische Substanzen eher besser als auch schlechter funktionieren. Bei beiden Gruppen sind Anwendungs- und Sicherheitshinweise zu beachten.
Wann sollte man eine Lotion, wann ein Pumpspray wählen?
Man wird Repellents, die auf der Haut eine längere Wirkung entfalten sollen, meist als Lotion verwenden. Will man verhindern, dass Zecken die Kleidung erreichen, sind sicher meist Pumpsprays geeignete Mittel.
Wo liegen Grenzen des Schutzes?
Sie sind überschritten, wenn man sich allein auf Repellents verlässt und alle anderen Vorbeugemaßnahmen nicht mehr berücksichtigt.
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Testtabelle: Mittel gegen Zecken
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