Fahrradhelme für Kinder und Erwachsene: Guter Schutz für wenig Geld
Mit einem billigen Fahrradhelm riskiert man keineswegs Kopf und Kragen. Radler können so eine ganze Stange Geld sparen.
Keine Knautschzone, kein Gurt und kein Airbag schützen ihn: Allein der Schutzhelm kann den Kopf des Radlers bei einem Sturz oder schweren Zusammenprall vor lebensbedrohlichen Verletzungen bewahren. Vor allem Kinder sollten nie ohne Helm aufs Rad, denn die altersbedingt fehlende Erfahrung und Übersicht und bei den Jungs ausgeprägte Wildheit gefährden sie besonders – auch wenn sie schon etwas älter sind (im Test: Helme für Sechs- bis Zehnjährige). Aber auch Erwachsene sind mit der Devise „Nicht ohne meinen Helm“ gut beraten. Für die Großen mit Vorbildfunktion ist er beim Familienausflug sowieso Pflicht.
Zum Beginn der Freiluftsaison haben wir neue (Unisex-)Modelle für Groß und Klein geprüft. Die praktische Erprobung beschränkte sich auf die Handhabung und den Komforteindruck. Für den eigentlichen Härtetest, die Prüfung der stoßdämpfenden Eigenschaften, mussten behelmte Kunststoffschädel den Kopf im Testlabor hinhalten.
Nur ein Ausreißer
Falsch: Nach hinten gekippt (Mitte).
Falsch: Nach vorn gekippt (unten).
Die Tabellen zeigen, dass die allermeisten Helme ihre Träger gut vor den Folgen eines Unfalls schützen können – soweit das überhaupt vom Unfallgeschehen her möglich ist. Erfreulicherweise hatten wir nur einen einzigen echten Ausreißer im Test: Der Helm Etto Mack 1 für Erwachsene war in der Stoßdämpfung zwar noch okay, versagte aber in der Abstreifprüfung. Für die Praxis übersetzt: Bei ihm ist die Gefahr groß, dass er sich beim Crash vom Kopf löst und diesen dann ungeschützt lässt. Unsere Konsequenz: test-Urteil „mangelhaft“. Der Hersteller hat inzwischen versichert, dass künftig nur noch eine verbesserte Version auf den Markt kommt und alte Helme ausgetauscht werden.
Neun der zwölf Kinderhelme und 12 von 18 Erwachsenenhelmen kamen in der Endabrechnung auf die Gesamtnote „gut“. Damit dürfte es nicht schwer fallen, einen preislich und optisch passendes Modell zu finden. Gerade der Nachwuchs ist da sehr sensibel und weigert sich häufig, mit „uncoolen“ Modellen bei den Freunden vorzufahren.
„Trendiger Moto-Cross-Look“
Dieser Gefahr beugen viele Hersteller mit sportlichem Design vor. Cratoni beispielsweise beschreibt seinen Mad X in „HighEnd-Technologie“ so: „Trendiger Moto-Cross-Look mit Soft-Schild. Quick-Turn-Easy Verstellsystem. Modernste Inmold-Verbundbauweise.“ Alles klar? Die Helme heißen „Speedy“, „Woody“ oder „Caddy“. Nur Abus widersteht mit seinem „Helmut“ tapfer dem Trend, bietet den gleichen Helm aber auch unter dem Namen „Airstream“ an.
Gute für 15 oder 70 Euro
Da die Unterschiede zwischen den meisten Helmen nicht sonderlich groß sind, rückt der Preis ins Blickfeld: Ein „gutes“ Kindermodell ist für 9 Euro (Prophete FX-6) oder auch für 50 Euro (Uvex speedy/Cratoni Mad X) zu haben. Ähnlich sieht es bei den Fahrradhelmen für Erwachsene aus: „Gute“ Qualität gibt es für 15 (Profex) und 19 Euro (GPR Urbanus), aber wahlweise auch für 60 (Ventura) oder 70 Euro (Abus Apache).
Wem der Preis egal ist, der hat im breit gefächerten Spitzenfeld die Qual der Wahl, denn feinere Unterschiede gibt es jede Menge. Das belegen deutlich unsere Noten neben den Qualitätsurteilen. Sie zeigen, ob es sich um ein gutes „Gut“ handelt, ein mittelprächtiges oder eins, das gerade so erreicht wurde.
Die Testsieger heißen Casco
Testsieger bei den Kinderhelmen ist der 40 Euro teure Casco Python. Sein einziges wirkliches Manko: Er hat keinen Insektenschutz. Damit ist ein luftdurchlässiges Netz gemeint, das die vorderen Lüftungsöffnungen des Helms abdeckt und so verhindert, dass sich im Frühjahr und Sommer Bienen, Hornissen oder anderes Getier unter den Helm verirrt. Wir haben den Insektenschutz (natürlich auch bei den Erwachsenenhelmen) vornehmlich unter Sicherheitsaspekten betrachtet. Schließlich kann ein unter der Helmschale herumirrendes Insekt den Radler schon arg irritieren. Wir verbuchten das Fehlen einer solchen Schutzvorrichtung abwertend, sind dabei aber nicht allzu streng gewesen. Ansonsten waren die Kinderhelme beim Unfallschutz allesamt okay.
Auch bei den Erwachsenenhelmen hat ein Casco (Generation 2 für 66 Euro) am besten abgeschnitten – mit der Spitzennote des Tests überhaupt: 1,7. Wirklich groß ist der Abstand zum besseren Teil der „guten“ Konkurrenz aber auch wieder nicht, sodass der nur 19 Euro teure GPR Urbanus zum „heimlichen“ Testsieger dieser Gruppe wird. Nur ein kleiner Wermutstropfen stört bei ihm das Bild: Die Hitzebeständigkeit ist nicht optimal.
Allerdings sind in diesem Prüfpunkt eine ganze Reihe von Helmen noch deutlich schlechter. Bei ihnen kann sich, wenn sie beispielsweise im Sommer im Auto liegen, teilweise die äußere Schale vom übrigen Helm lösen. Das vermindert zwar nicht die Schutzwirkung, ist aber hässlich und macht den Helm letztlich unbrauchbar, weil wohl kaum jemand mit einem in Auflösung begriffenen Kopfschutz gesichtet werden möchte. Wir haben bei „mangelhaftem“ Urteil in diesem Prüfpunkt das Qualitätsurteil um eine halbe Note abgewertet.
Besser mit Drehknopf
Für die individuelle Kopfgröße werden die Helme heute nicht mehr mit Schaumstoffpads im Innern passend gemacht, sondern mit Plastikringen, die sich über Drehknöpfe (alle Kinderhelme und die Mehrheit der Erwachsenenmodelle) oder Schieber einstellen lassen. Durch die Kopfringsysteme entfällt das umständliche Auswechseln der Pads mit ihren Klettverbindungen. Die Anpassung ist seither wesentlich erleichtert.
In den meisten Fällen umschließen die innen liegenden Plastikringe den Kopf vollständig. Manche Helme haben aber anstelle des Vollrings einen Halbring, der vom Hinterkopf nur bis zu den Schläfen reicht. Konsequenzen für Anpassung oder Sitz hat das kaum. Was die Feineinstellung angeht, favorisieren wir den Drehknopf, weil er mit einer Hand bedienbar ist, also auch noch während der Fahrt ein sicheres Nachjustieren erlaubt.
Ob der Gurt einen Steck- oder Rasterverschluss haben soll, ist Geschmackssache. Bei den Rasterschließen kann man sich aber manchmal beim Einstecken vertun, weil man in die falsche Ritze gerät, was dann wieder zusätzliche Fummeleien zur Folge hat. Manchmal hängt die Zufriedenheit mit einem Helm auch von solchen Kleinigkeiten ab.
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