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Fahrrad: Reparatur + Pflege

Fahrrad Special

28.07.2011

Wartung und Pflege von Fahrrädern lohnt sich. Das Rad funktioniert besser und hält länger. Schwierig ist zu entscheiden, was sinnvollerweise selbst zu erledigen ist und welche Wartung besser ein Fachmann macht.

Fahrrad

Reparieren und reparieren lassen

Selbst ist der Mann und die Frau: Bei jeder kleinen Reparatur zum Fahrraddoktor zu rennen, kostet Zeit und Geld. Selbst reparieren lohnt sich. Voraussetzung: Der Hobby-Reparateur hat das nötige Geschick, Know-how und Werkzeug. Wer sich nicht auskennt, sollte sich unbedingt erst schlaumachen und sich die Reparatur von einem Bekannten zeigen lassen. An Volkshochschulen gibts zuweilen Kurse. Manche Fahrradclubs haben Selbsthilfewerkstätten. Wer grobe Fehler macht, fährt gefährlich, und selbst leichte Fehler bei der Montage können zu kostspieligen Defekten führen.

Regelmäßig pflegen

Fahrräder verschleißen. Aber: Je besser ein Rad gepflegt ist, desto langsamer verschleißt es. Für viele Teile ist Pflege Pflicht, weil sonst die Sicherheit leidet. test.de liefert einen Wartungsplan für dauerhaft problemloses Radfahren.

Laufende Wartung

  • Bremsen. Die müssen jederzeit einsatzbereit sein. Wenn die Bremskraft nachlässt und sich der Hebel so weit an den Lenker ziehen lässt, dass Sie sich die Finger klemmen können, müssen Sie entweder den Zug an den Einstellschrauben oder an der Bremse selbst nachspannen oder die Bremsbeläge austauschen.
  • Beleuchtung. Kontrollieren Sie regelmäßig, ob die Beleuchtung funktioniert.
  • Reifen. Zu wenig Luftdruck im Reifen erhöht nicht nur den Rollwiderstand, sondern vor allem auch den Verschleiß und das Pannenrisiko. Der richtige Luftdruck ist in der Regel auf der Flanke des Reifens angegeben. Steht da nichts oder ist nichts erkennbar, gilt: Je schmaler der Reifen, desto höher muss der Luftdruck sein. Sportliche Tourenreifen im Format 32-622 sollten 5 Bar Druck bekommen. Bei 42-622 reichen 4 und bei 47-622 schon 3,5 Bar.
  • Kette. Die Kette braucht regelmäßig Öl. Das erleichtert das Treten und schont die Ritzel. Bei Verwendung von dünnflüssigem Nähmaschinenöl ist nach jeder Regenfahrt frische Schmierung nötig. Zähere Öle und Schmierstoffe halten länger. Auch billiges Motoröl fürs Auto ist geeignet. Allerdings: Je zähflüssiger die Kettenschmierung desto eher bleibt Dreck daran kleben und sorgt für erhöhten Verschleiß. Spätestens, wenn die Kette leise zu rasseln und/oder quietschen beginnt, braucht sie frisches Öl.

Inspektion

Einmal im Jahr, am besten gleich zum Saisonstart im Frühjahr, sollten Sie sich ihr Fahrrad ganz genau anschauen und etwaige Mängel gleich beseitigen lassen. Klar: Wenn Sie sehr viel fahren, sollten Sie im Sommer eine zweite Kontrolle vornehmen.

  • Grundreinigung. Dreck am Rad stört nicht nur die Optik, sondern erhöht auch den Verschleiß. Auf den Felgen, in den Kettengelenken und Bowdenzügen sowie Rad-, Lenk- und Tretlagern fräsen vor allem feine Sandpartikel am Metall und zerstören die Teile erstaunlich schnell. Waschen Sie das Rad mit viel Wasser mit etwas Spülmittel von oben nach unten ab. Verwenden Sie keinen Hochdruckreiniger. Er drückt einen Teil der Schmutzpartikel und Wasser in die Lager und Zughüllen hinein und macht damit alles eher schlimmer. Wischen Sie die Kette und Ritzel mit einem alten Lappen ab und entfernen Sie so viel vom alten schwarzen Schmier wie möglich.
  • Sichtkontrolle. Prüfen Sie alle Schrauben auf festen Sitz. Drehen Sie sie gegebenenfalls fest: kräftig, aber nicht mit Gewalt. Schauen Sie sich Rahmen, Gabel und Lenker genau an. Tiefe Kratzer, Beulen, Risse oder Roststellen können zu gefährlichen Brüchen führen. Kontrollieren Sie vor allem den Lenker rechts und links neben der Klemmung in der Lenkermitte penibel. Er ist auch bei kleinen Macken unbedingt auszutauschen. Ein Lenkerbruch während der Fahrt führt unweigerlich zum Sturz.
  • Schmierung. Geben Sie an alle Gelenke einen Tropfen säurefreies Nähmaschinenöl.
  • Bowdenzüge. Schauen Sie, ob Brems- und Schaltzüge intakt sind. Vor allem am Bremszug dürfen zwischen Bremshebel und Bremse keine Drahtadern gebrochen sein. Achten Sie auch auf das Stück Bremszug, das bei gezogener Bremse im Bremshebel zu sehen ist. Die Hülle der Bowdenzüge darf keine Schäden haben.
  • Bremsen. Schauen Sie, ob die Bremsbeläge noch dick genug sind.
  • Pedale. Die Pedale müssen sich frei und ruckfrei drehen lassen. Fahren Sie nicht damit, wenn sie schwergängig sind, beim Drehen Geräusche machen oder auf der Pedalachse deutlich wackeln. Sie können sich lösen oder abbrechen und zu gefährlichen Stürzen führen..
  • Räder. Überprüfen Sie wenn möglich den Verschleiß der Felgen anhand der Verschleißindikatoren. Je nach Felgentyp wird ein Streifen oder Punkt sichtbar oder verschwindet, wenn die Bremsflanken zu weit abgeschliffen sind. Bei verschlissenen Felgen kann das Felgenhorn abreißen und der Reifen platzen. Probieren Sie, ob die Räder frei drehen und nicht zu sehr eiern. Greifen Sie außerdem kräftig in alle Speichen. Wenn Speichen gerissen oder lose sind, kann das Rad bei der nächsten Fahrt völlig kaputt gehen. Wackeln Sie seitlich am Rad. Die Achse darf sich nicht seitlich oder quer zur Radnabe bewegen.
  • Reifen. Die Reifen dürfen nicht zu weit abgefahren und/oder rissig und spröde sein. Mehrere Reifenpannen in kurzem Abstand zeigen meist an: Der Reifen ist nicht mehr widerstandsfähig genug und sollte erneuert werden.
  • Lenkung. Ziehen Sie die Vorderradbremse und drücken den Lenker vor und zurück. Fassen Sie dabei mit einer Hand um den untersten Teil der Lenkstange und das angrenzende Rahmenrohr. Beide dürfen sich dabei nicht spürbar gegeneinander verschieben. Ist dort Spiel spürbar, ist der so genannte Steuersatz entweder verschlissen oder zumindest falsch eingestellt.
  • Licht. Schauen Sie bei herkömmlichen Fahrradlampen, ob sich der Glaskolben der Glühbirnen bereits deutlich dunkel verfärbt hat. Moderne LED-Lampen halten sehr viel länger. Wenn sie nicht mehr funktionieren, sind meist Kontaktschwierigkeiten oder Elektronikfehler die Ursache.
  • Kettenkontrolle. Wenn Sie ein Rad mit Kettenschaltung fahren, lassen Sie die Kette kontrollieren. Die Bolzen in den Außenlaschen schleifen sich in die Kettenrollen der Innenglieder hinein. Dadurch längt sich die Kette und passt nicht mehr genau in die Zähne von Kettenrädern und Ritzeln. Bei sportlichen Fahrten im Gelände bei schlechtem Wetter halten Schaltungsketten oft nicht einmal 2 000 Kilometer. Unter normalen Bedingungen haben Ketten ihre Verschleißgrenze meist nach 3 000 bis 6 000 Kilometern erreicht. Wenn Sie die Kette rechtzeitig wechseln, brauchen Sie nicht jedes Mal gleichzeitig auch für viel Geld Kettenräder und Ritzel zu tauschen. Bei rechtzeitigem Wechsel halten die Zahnräder zwei bis vier Kettenlaufzeiten lang.

Große Inspektion

Von Zeit zu Zeit ist eine große Inspektion nötig. Da sollten zusätzlich Rad-, Steuer- und Tretlager gereinigt, geschmiert und - wenn für den Lagertyp erforderlich - neu eingestellt werden. Wie häufig genau das Rad zur Generalüberholung in die Werkstatt sollte, ist schwer abzuschätzen. Räder, die unter freiem Himmel stehen und häufig auch bei schlechtem Wetter gefahren werden, sollten zumindest alle zwei Jahre zur Komplettwartung. Hochwertige Räder mit gut gedichteten Lagern bleiben länger problemlos in Bewegung. Einfache Räder brauchen häufiger Wartung, wenn sie zuverlässig und dauerhaft funktionieren sollen. Auch die große Inspektion können Sie grundsätzlich auch selbst machen. Sie benötigen dazu allerdings etwas Spezialwerkzeug und vor allem Know-how.

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09.02.2012 . © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. Twitter Facebook YouTube Stiftung Warentest im Netz: