Olivenöl nativ extra: Teure Flops
Von wegen höchste Güteklasse! Vier Öle sind „mangelhaft“, darunter drei teure: Sie kosten zwischen 16 und 36 Euro pro Liter.
Nur etwa fünf bis acht Euro kostet ein Liter Olivenöl der höchsten Güteklasse – nativ extra genannt – beim Discounter. Das ist erstaunlich billig. Kann man für diesen Preis überhaupt ein Olivenöl solcher Güte herstellen? Vertreter der Branche verneinen das ganz entschieden. Ihr Argument: Anbau, Ernte und Verarbeitung der Oliven seien sehr arbeits- und kostenintensiv – vor allem bei qualitativ hochwertigen Ölen.
Spitzenklasse nur für Spitzenpreise? Wir wollten es wissen. Für die vorliegende Untersuchung von zwölf Olivenölen der Güteklasse nativ extra haben wir acht Öle der gehobenen Preisklasse zwischen 14 und 55 Euro pro Liter eingekauft, darunter drei Bio-Öle. Zusätzlich aber auch vier Öle der Discounter Aldi, Lidl und Plus.
Ergebnis: Vier Öle sind „mangelhaft“ und gleich drei davon gehören zu den teuren: Maison Strauss für 26 Euro pro Liter, das Bio-Öl Mani Gold für 16,30 Euro und als absolutes Schlusslicht das stark fehlerhafte Morea Tropföl für stolze 36 Euro. Dieses Öl dürfte so gar nicht verkauft werden. Aber auch das preiswerteste Öl im Test, La Capannina von Plus für 4,80 Euro, ist sensorisch fehlerhaft. Bei allen „mangelhaften“ Ölen gibt es zudem Hinweise auf eine verbotene Wärmebehandlung.
Etikettenschwindel bei vier Ölen
Fehler in Geruch und Geschmack wiegen bei Olivenölen mit der deklarierten Güteklasse „nativ extra“ schwer. Sie widersprechen den gesetzlichen Vorgaben der EU, sind schlicht und ergreifend Etikettenschwindel. Das ist besonders ärgerlich, wenn man viel Geld für die vermeintlich hohe Qualität bezahlt hat. Auch Auslobungen für Bioware oder besondere Herstellungsverfahren wie „erste Kaltpressung“ oder „Tropföl“ (siehe „Was heißt das?“) geben keine Sicherheit für höchste Güte.
Spitzenpreise garantieren also keine Spitzenklasse – schließen sie aber auch nicht aus. Unsere beiden Testsieger, das „sehr gute“ Bio-Öl von Neuco mit 17,60 Euro pro Liter und das „gute“ Roi Carte Noire Tropföl für stolze 55 Euro, sind kaum als Billigöle zu bezeichnen. Aber auch drei preiswerte Öle von Aldi und Lidl sind „gut“: zwei Aktionsangebote und das reguläre italienische Lidl-Olivenöl, das schon im Test 2005 „gut“ abschnitt.
Positiver als beim letzten Test: Eine hohe Belastung an gesundheitskritischen Weichmachern fanden wir diesmal nur in einem Öl, dem Mani Gold Bio-Öl.
Zu alte Olivenöle
Olivenöle halten bei kühler und dunkler Lagerung zwei, maximal drei Jahre. Aber sie werden mit dem Alter nicht besser. Monat für Monat verlieren sie an Frische und Fruchtigkeit. Das lässt sich analytisch überprüfen. Der Test zeigt: Nicht immer füllen die Anbieter das frischeste Öl ab. Oder sie mischen altes Öl mit neuer Ernte. Oft sind auch die Mindesthaltbarkeitsfristen sehr lang. La Capannina jedenfalls war zum Kaufzeitpunkt bereits überlagert. Bei Maison Strauss deuteten die chemischen Parameter sogar auf ein Alter von etwa vier Jahren hin. Dabei hätte man dem Mindesthaltbarkeitsdatum zufolge das Öl getrost noch länger lagern dürfen.
Warum entlarven wir in jedem Olivenöltest Etikettenschwindel – auch bei teuren Ölen? Eine mögliche Erklärung: Anbieter exklusiver und teurer Spitzenöle, die auf dem Etikett oft besondere Herstellungsverfahren, eine geschützte Herkunft und spezielle Olivenölsorten ausloben, lassen ihre Öle offensichtlich nicht immer durch ein amtlich anerkanntes Olivenöl-Panel kontrollieren. Discounter dagegen wissen, dass ihre Produkte regelmäßig geprüft werden und lassen die Qualität ihrer Olivenöle auch selbst durch ein Olivenöl-Panel testen. Von diesen geschulten Prüfergruppen gibt es in Deutschland allerdings noch zu wenige.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Unser Rat
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen