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Wildpilze: Pilz des Jahres 2009

14.08.2009

Selten und schön: Der Blaue Rindenpilz ist der Pilz des Jahres 2009. Geheimnisvoll leuchtet er im Unterholz. Der Pilz mit dem wunderschönen Indigo-farbenen Fruchtkörper führt abgestorbene Bäume zurück in den Kreislauf der Natur. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie erinnert mit dem Pilz des Jahres an die wichtige Rolle, die Pilze im Ökosystem spielen.

Wildpilze

Ein Holzzersetzer

Der Blaue Rindenpilz ist so etwas wie der Bestatter des Waldes. Er lebt von toter organischer Substanz. Der Pilz führt abgestorbene Bäume zurück in den Kreislauf der Natur. Er ist ein Saprobiont oder Holzzersetzer. Die Pilzfäden durchdringen totes Holz und bauen es allmählich ab. Die Fruchtkörper des Blauen Rindenpilzes erscheinen zunächst als feine Sprenkel auf dem Holz. Dann überziehen sie kleine Flächen. Mitunter wächst der Überzug auch in die Länge. Fruchtkörper bis zu einem Meter wurden schon gesichtet. Violettblau bis fast dunkelblau bei älteren Exemplaren. Die Oberfläche der Fruchtkörper ist uneben wie eine Kruste.

Leuchtend blau

Der Blaue Rindenpilz ist vermutlich der Schönste aus der Familie der Rinden- und Schichtpilze. Corticiaceae sagen die Fachleute dazu. Rindenpilze sind nicht jedermanns Sache. Nur Fachleute können sie präzise bestimmen. Mit Hilfe von Mikroskopen zumeist. Der Blaue Rindenpilz aber verrät sich fast selbst. Durch seine violettblaue Farbe. Der dafür verantwortliche Farbstoff kommt aus der Gruppe der Terphenyle. Ein Molekül mit drei Kohlenstoffringen, das in Abwandlungen, etwa als Polyporsäure in vielen Porlingen vorhanden ist.

Verwandt mit Pfifferlingen

Neuere Genuntersuchungen zeigen, dass Rindenpilze in enger Verwandtschaft zu Hutpilzen, Feuerschwämmen und Pfifferlingen stehen. Obwohl ihr Aussehen das nicht vermuten lässt. Pilzexperten ordnen den Blauen Rindenpilz zusammen mit anderen corticioiden Gattungen in die große Verwandtschaft der porlingsartigen Pilze ein. Als Speisepilze kommen auch die Porlinge nicht in Frage - von wenigen Ausnahmen wie dem Schwefelporling abgesehen.

Farbig im Labor

Die Pilzzellen des Blauen Rindenpilzes wachsen übrigens auch in Reinkultur. Der Pilz gedeiht in Petrischalen mit Nährlösung. Das gilt für alle holzzersetzenden Pilze, denn sie leben ausschließlich von toter organischer Substanz. Mehr brauchen sie nicht. Interessant am Blauen Rindenpilz: Die Pilzzellen wachsen im Labor ebenso leuchtend und farbig wie ihre Fruchtkörper im Freien. Der Farbstoff steckt nicht nur in den Fruchtkörpern sondern in allen Pilzzellen (Hyphen genannt) und als Farbkruste sogar in den Zwischenräumen zwischen einzelnen Zellen.

In Deutschland selten

Wer den Blauen Rindenpilz in der freien Natur finden will, muss Glück haben. In Deutschland zumindest. Der Pilz ist hier selten. Er gilt als gefährdet. In den süddeutschen Flussniederungen ist er vereinzelt zu Hause. In warmgetönten, feuchten Laubwäldern. Dort, wo es noch reichlich Totholz gibt. Armstarke Äste von Esche, Ahorn, Haselnuss und Eiche. Die Fruchtkörper des Pilzes wachsen meist auf der Unterseite der Äste. Suchen Sie hier. Bisher wächst der Pilz nur in Höhenlagen bis 400 Meter. Durch die Klimaerwärmung erwarten Experten eine Ausbreitung. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) bittet alle Pilzfreunde, Ihre Funde zu melden. Sie sammelt Informationen über die Ausbreitung dieses seltenen Pilzes.

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18.03.2010 © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. nach oben