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Wildpilze: Pilz des Jahres 2007

14.08.2009

Orange-gelb leuchtet ein Stängel im Grün der Wiese. Nicht ganz gerade, nicht richtig krumm. Die kleine Keule ist nur wenige Zentimeter hoch und birgt ein tödliches Geheimnis.

Wildpilze

Dieser bringt den Tod

Puppenkernkeule heißt der Pilz des Jahres 2007. Er wächst aus einer Puppe, die ursprünglich ein Schmetterling hätte werden sollen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie erinnert mit ihrer Wahl an die wichtige Rolle, die Pilze im Ökosystem spielen. Selbst dann, wenn sie den Tod bringen.

Ein Alien auf Erden

Ein bisschen gruselig ist die Geschichte schon: Die Sporen der Puppenkernkeule dringen in lebende Schmetterlingslarven ein. Dort wachsen sie zu einem Geflecht von Pilzfäden und töten das Insekt. Der Pilz saugt die Kraftstoffe des Insektenkörpers auf und entwickelt daraus einen keulenförmigen Fruchtkörper. Dieser Fruchtkörper leuchtet nun orange-gelb über das Grün der Wiese. Die Puppenkernkeule ist ein Schlauchpilz. Ihre Kammern sind gefüllt mit winzig kleinen Sporenschläuchen. Bereit für eine neue Attacke auf die nächste Schmetterlingslarve. Dieser Pilz ist ein Alien auf Erden. Ein parasitischer Pilz, wie Fachleute sagen. Mit einer wichtigen Funktion.

Ökosystem perfekt

Die Puppenkernkeule reguliert die Schmetterlingspopulation. Sie ist ein Baustein im Puzzle der Natur. Steigt die Zahl der Schmetterlingslarven, finden die Pilzsporen auch viele Opfer. Der Pilz rafft die Larven dahin. Er breitet sich aus. Folge: Es gibt weniger Schmetterlinge und weniger neue Larven. Nun findet der Pilz wieder weniger Opfer. Er geht zurück, breitet sich nicht mehr aus. Das Ökosystem pendelt so in einem natürlichen Gleichgewicht zwischen Insekten und Pilzen. Der Mensch nutzt das Prinzip inzwischen auch in der Landwirtschaft. Bauern setzen Pilze zur Bekämpfung gefräßiger Insekten ein. Nicht die Puppenkernkeule, aber verwandte Mikropilze. Etwa die Beauveria-Arten.

Kraftspender und Aphrodisiakum

Begehrt sind die Puppenkernkeule und ihre Verwandten der Cordyceps-Arten auch in der Medizin. Pilze der Cordyceps-Arten sollen gegen Husten und Erkältung wirken, Blutungen stillen, Lunge und Nieren stärken und die Spermienproduktion anregen. In China werden die Pilze als Aphrodisiakum empfohlen. Sie stärken die Lebensenergie „Qi“. Chinesische Kräuterbücher dokumentieren die Heilwirkung seit Jahrhunderten. Heute greifen auch Sportler auf solche Pilze zurück. Sie machen fit und sind nicht verboten. Legales Doping also. Am besten wirken die mumifizierten Insektenlarven mit dem Pilz-Fruchtkörper angeblich als Tee. Nicht sehr appetitlich.

Mittel gegen Tumore

Doch auch die westliche Medizin hat den Wert der Pilze erkannt. Wissenschaftler unserer Zeit haben die Inhaltsstoffe analysiert und zahlreiche Heilwirkungen bestätigt. Polysaccharide etwa wirken entzündungshemmend. Sie helfen bei der Regulierung von Zucker- und Fettwerten im Blut. Polysaccharide stärken das Immunsystem. Die Medizin setzt sie gegen Tumore und Metastasen ein. Auch Cordycepin, ein weiterer Inhaltsstoff der Pilze, soll gegen Tumore wirken und ihr Wachstum bremsen. Der Pilz tötet überdies Bakterien und Insekten.

Teuer und begehrt

Die Gruppe der Cordyceps-Pilze umfasst weltweit etwa 450 Arten. Die Puppenkernkeule ist eine davon. Sie wächst auch in Deutschland. Besonders im Herbst. Zu den Cordyceps-Arten gehören neben Insektenparasiten auch Pilzparasiten. Etwa die Zungenkernkeule, die auf Hirschtrüffeln lebt. Zur näheren Verwandtschaft zählen Pflanzenparasiten, wie der Mutterkornpilz und der Graskernpilz. Da die Puppenkernkeule und ihre Verwandten als Medikamentengrundstoff begehrt sind, werden die Pilze auch kultiviert. Dazu infizierten die Züchter bisher Puppen der Seidenspinnerraupe mit Pilzfäden. Das ist aufwändig und teuer. Vor wenigen Jahren gelang es, die Puppenkernkeule auch auf Nährboden im Labor zu ziehen. Noch zählen die Cordyceps-Pilze aber zu den teuersten Pilzen der Welt. Vor allem die Chinesische Keule spielt locker in der Liga der Trüffeln.

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19.03.2010 © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. nach oben