Wildpilze: Das größte Lebewesen der Welt
23.09.2010
Nicht Pflanze, nicht Tier: Pilze sind Pilze. Eine eigene Gruppe im Gefüge aller Lebewesen. Biologen sprechen von einem Reich. Erkennbar an einem typischen Zellkern, den es so nur bei Pilzen gibt. Diese Erkenntnis ist neu. Noch vor 40 Jahren wurde der Pilz zu den Pflanzen gezählt. Heute gilt er als größtes Lebewesen der Welt. In Oregon USA gibt es einen Hallimasch, so groß wie 1 200 Fußballfelder.
Pilze wachsen unterirdisch
Das, was wir als Pilz essen, ist nur seine Frucht. Der Pilz selbst wächst unter der Erde. Er besteht aus einem Geflecht feiner wurzelähnlicher Fäden, dem Myzel. Das Pilzgeflecht breitet sich oft über mehrere Quadratmeter aus. Einige Arten werden über 100 Jahre alt. Das Myzel ernährt sich von abgestorbenen organischen Substanzen: Laub, Nadelstreu, Holz und Tierkadavern. Damit erfüllen Pilze eine wichtige Funktion. Sie recyceln das organische Material für den Kreislauf der Natur.
Riesenpilz von Oregon
Der größte Pilz der Erde wurde erst im Jahr 2000 entdeckt. Es ist ein Hallimasch mit essbaren Früchten. Sein Pilzgeflecht erstreckt sich über neun Quadratkilometer. Das ist die Fläche von etwa 1 200 Fußballfeldern. Entdeckt wurde der Riesenpilz von der Forstwissenschaftlerin Cathrine Parks. Gen-Analysen belegen, dass das Pilzgeflecht zu ein und demselben Pilz gehört. Seit 2 400 Jahren wächst er in der Erde des Malheur National Forest in Oregon USA.
Der Killerpilz
Der Riesen-Hallimasch bildet nur wenige Fruchtkörper aus. Wahrscheinlich hat er deshalb keine Ableger bekommen. Ohne die Konkurrenz anderer Pilze breitet sich der Riesen-Hallimasch ungehindert aus. Das trockene Klima in Oregon scheint sein Wachstum zu beflügeln. Etliche Tannen und Douglasfichten sind dem Pilz bereits zum Opfer gefallen. Er durchdringt den Boden und die befallenen Bäume mit seinen millimeterdicken Fäden. Dadurch entzieht der Pilz den Bäumen die Nahrung. Ein Extrem, denn für gewöhnlich stehen Pilze und Bäume in einer fruchtbaren Beziehung.
Gemeinschaft mit Bäumen
Pilze leben so zusagen in einer Ehe mit Bäumen. Das Myzel umschlingt den Baum und versorgt ihn mit Wasser und Aminosäuren. Dafür erhält es seinerseits Kohlenhydrate. Biologen sprechen von einer Symbiose. Selbst hochgiftige Pilze können für einen Baum lebenswichtig sein. Zum Beispiel der grüne Knollenblätterpilz für Eichen und Buchen.
Bis zu 10 000 Pilzarten
Auch wenn alles gezählt wird: Bei Pilzen ist auf die Statistik kein Verlass. Schon die Frage, wie viele Pilzarten es in Europa gibt, führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Einige Quellen sprechen von etwa 2 500 Wald- und Wiesenpilzen. Andere gehen von über 5 000 Pilzarten in Europa aus. Wieder andere zählen allein in Deutschland 10 000 verschiedene Pilzarten. Sicher ist: Die Zahl steht nicht fest. Immer wieder werden neue, bisher unbekannte Pilzarten entdeckt. Viele davon sind freilich mikroskopisch klein. Weltweit soll es etwa 100 000 verschiedene Pilze geben. Diese Artenvielfalt ist fast einmalig. Nur bei Insekten werden noch mehr Spezies gezählt.
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