Handys und Tarife: Gute Displays, schlechte Displays
„Gute Displays Schlechte Displays“ – Fotohandys ab 250 Euro, die als Taschenlampe, Radiowecker oder Musikbox funktionieren. Auch im Test: Das erste UMTS-Handy.
Die Verkaufszahlen für Handys ziehen an. Vor allem Mobiltelefone mit integrierter Digitalkamera sind beliebt. Die Produktauswahl des aktuellen Tests spiegelt diese Situation: Von den 25 geprüften Handys haben 17 eine integrierte Digitalkamera. Ein Handy, das Siemens C60, wird mit ansteckbarer Kamera verkauft. Solche „Handycams“ werden von den Mobilfunkfirmen stark subventioniert und kosten mit Vertrag kaum mehr als herkömmliche Modelle. Natürlich hoffen die Anbieter, dass die Subventionen durch massenhaft per Multimedia-Mail (MMS) verschickte Handyfotos wieder hereinkommen. Doch niemand zwingt die Kunden, die mit dem Mobiltelefon geschossenen Fotos für bis zu 1,29 Euro pro MMS zu verschicken.
Viele nutzen die Kamera als Spielzeug, manch einer lädt sich die Fotos per Kabel-, Infrarot- oder Bluetooth-Verbindung in PC oder Notebook und verschickt sie preiswert als E-Mail an Freunde und Bekannte. Mehr als ein gehobenes Spielzeug sollte aber auch niemand erwarten: Die Kameras haben eine Auflösung von bis zu 0,3 Megapixel, aktuelle „große“ Digicams bringen es auf bis zu 8 Megapixel (www.test.de/digitalkameratest).
Preiswerte Fotohandys
In der Preisklasse bis 300 Euro werben fünf Mobiltelefone um Käufer. Die „guten“ sind Alcatel OT 735 (279 Euro), Nokia 3200 (269 Euro), Sagem myV-65 (299 Euro), Siemens MC60 (289 Euro); das Motorola V300 (250 Euro) war „befriedigend“. Trotz sehr ähnlicher test-Qualitätsurteile liegen die Leistungen der Handys in einzelnen Prüfpunkten zum Teil weit auseinander. Eine Empfehlung erhält das erste von test geprüfte Alcatel-Kamerahandy OT 735: Für das Verschicken und Empfangen von Textnachrichten (SMS) erhielt es die besten Noten, doch die Fotofunktion ist eher mittelmäßig.
Das recht edel wirkende Motorola V300 wurde hingegen wegen seiner umständlichen Benutzerführung abgewertet. Gespeicherte Fotos sind beispielsweise im Ordner „Downloads“ zu finden. Beim Umgang mit Fotos besteht für den Nutzer die Gefahr, ungewollt eine Verbindung zum T-Mobile-Portal aufzubauen.
Businessklasse mit Kamera
In der Preisregion bis etwa 400 Euro stehen acht Handys mit integrierter Kamera zur Auswahl. Das beste test-Qualitätsurteil erhielt das Nokia 6220, dicht gefolgt von LG G7050, Sony Ericsson Z600 und Samsung X600. Eine interessante Kameralösung bietet das Samsung: Das Objektiv ist in das obere Ende des Handys eingebaut und wird nur bei Bedarf herausgeklappt, rings um die Linse sind Leuchtdioden angebracht, die beim Fotografieren im Dunkeln Licht bringen sollen – eine Art „Miniblitz“. Wer unter den Businesshandys, die in der Regel besser ausgestattet sind als die Standardhandys (zum Beispiel größerer Speicher, Bluetooth, Infrarot, Organizer), die besten Fotofunktionen sucht, sollte sich das umfangreich ausgestattete Nokia 3660 näher ansehen. Die unten abgerundete Form und vor allem das recht hohe Gewicht von 130 Gramm werden aber nicht jedem Nutzer gefallen. Zum Vergleich: Das Samsung X600 ist kleiner und mit 79 Gramm viel leichter.
Sharp GX 20 mit bester Fotofunktion
Spitzenreiter bei der Fotofunktion wurde aber das Klapphandy Sharp GX20, das aufgrund des Preises von 500 Euro zu den Luxusmodellen zählt. Das Aufmacherfoto dieses Artikels zeigt die starken Qualitätsunterschiede bei Handydisplays: „gute Displays“ wie beim Sharp GX 20 im Unterschied zu „schlechten Displays“ mit niedriger Auflösung wie beim Siemens C60. Das GX20 hat eine Auflösung von 240 x 320 Pixeln und stellt 65 536 Farben dar, das C60 hat dagegen nur 101 x 80 Pixel und 4 096 Farben zur Verfügung.
Standardhandys
Wer dem Fotoboom bei Handys wenig abgewinnen kann, findet auch unter den herkömmlichen Modellen interessante Varianten. Sehr exotisch wirken die Siemens Xelibri. Das X6 erinnert stark an eine Puderdose mit Telefonfunktionen, das eckige X5 fällt durch einen Trageclip auf. Beide Handys sind wohl eher als Zweithandys konzipiert und platzierten sich aufgrund der spartanischen Ausstattung und ihrer mäßigen Telefonleistungen am Ende der Tabelle.
Spielekonsolentelefon Nokia N-Gage
Ebenfalls exotisch, allerdings aus ganz anderen Gründen, zeigte sich das Nokia N-Gage Diese Mischung aus Spielecomputer à la Gameboy und Handy in der Form einer Graubrotscheibe kostet ohne Vertrag 239 Euro. Das Vergnügen mit den austauschbaren Spielen (z. B. Lara Croft) ist wegen des kleinen Displays begrenzt. Als unauffälliger Begleiter taugt das große und 140 Gramm schwere N-Gage nicht. Gewöhnungsbedürftig ist die Haltung: Für Gespräche wird das Handy mit der Kante ans Ohr gehalten.
Nur eingeschränkt erhältlich
Immer mehr Handys sind an einzelne Mobilfunkanbieter gebunden. Vorteil: Alle Funktionen sind auf das jeweilige Netz abgestimmt. Nachteil: Will der Nutzer den Anbieter wechseln, wird das wegen der veränderten Software schwer. Nur für Vodafone-Kunden bestimmt sind Sagem myV-65 und Sharp GX20. Ausschließlich von T-Mobile gibt es Motorola V300, LG G7050 und Siemens ST55.
UMTS-Netz immer noch im Aufbau
Erstmals haben unsere Prüfer auch ein Handy mit UMTS-Funktion getestet. Modelle wie das Nokia 7600 arbeiten sowohl im herkömmlichen GSM-Netz als auch im leistungsfähigeren UMTS-Standard. Der Nutzer wird später gar nicht merken, ob sein Mobiltelefon gerade per GSM oder UMTS funkt.
Doch es gibt bislang nur in wenigen Städten UMTS-Netze: Das Nokia 7600 arbeitete bei unseren Testversuchen problemlos und bot auch brauchbare Sprachqualität. Da aber die „Übergabe“ von GSM auf UMTS während des Betriebs noch gar nicht vergleichbar zu testen ist, haben wir das Nokia 7600 in der Tabelle nur für die GSM-Funktionen bewertet. Wir empfehlen Privatnutzern, noch zu warten, bis die technischen Probleme gelöst sind. UMTS wird derzeit vor allem von Geschäftskunden erprobt, die für ihr Notebook einen schnellen Internetzugang benötigen.
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