Druckertinte: Guter Druck für wenig Geld

Der Preis für Druckertinte treibt uns Tränen in die Augen. Sparen ist angesagt – und mit Tinte von Fremdanbietern wie Geha, JetTec und KMP auch möglich. Dagegen steht der Vorwurf der Druckerhersteller, Fremdtinte sei schlecht. Auch der stimmt zuweilen. Doch lesen Sie selbst.
Drei, zwei, eins, meins – bei ebay kommt ein Drucker, der Canon Pixma IP 4000, unter den Hammer. Der war im August 2005 neu ab 93 Euro zu haben. Am 14. April brachte er bei ebay satte 226 Euro. Ein Schnäppchen macht der Käufer trotzdem: Dieser Drucker ist einer der letzten seiner Art bei Canon, der mit preiswerten Tintenpatronen von Fremdanbietern bestückt werden kann. Der aktuelle IP 4200 hat Patronen mit einem Kontrollchip. Mit Fremdpatronen ohne Chip druckt er nicht.
Knebelei der Kunden

Schade, dass nun auch Canon solche „Kundenbindung“ betreibt. Der Trick ist nicht neu: Hewlett-Packard verbietet seit Jahr und Tag den Nachbau seiner Patronen. Epson nutzt schon länger Kontrollchips und hat inzwischen auch die Patronengehäuse gegen exakten Nachbau geschützt. Für viele Drucker gibt es dennoch Fremdpatronen, wie unser Test belegt. Wenn nicht, helfen Nachfüllsets und „Druckertankstellen“ beim Sparen (siehe „Selbst nachfüllen“). Fakt ist: Mit Fremdtinte geht der Kunde Kompromisse ein. Aber Originaltinte zum Preis von Kaviar zu kaufen, macht auch keinen Spaß. Muss ja auch nicht sein, denn wer genau hinguckt, schafft den Spagat zwischen Sparwunsch und Qualitätsanspruch.
Qualität versus Preis

Vorteil Originalpatrone. Bei den drei geprüften Druckern behaupten sich die Originalpatronen mit der jeweils besten Qualität. Die besten Tinten von Fremdanbietern liefern zwar oftmals gleich gute Ausdrucke. Doch die sind dann entweder nicht so wischfest oder nicht so lichtbeständig wie die mit Originaltinten.
Vorteil Fremdtinte. Das Plädoyer für Fremdtinte hat ein Argument: den Preis. Insbesondere für Drucker von Canon und Epson gibt es Tintenpatronen mit akzeptabler Druckqualität zu etwa einem Drittel des Originalpreises. Bei Hewlett-Packard sind Fremdpatronen scheinbar genauso teuer wie das Original – doch sie enthalten rund doppelt so viel Tinte. Eine erkleckliche Ersparnis ist also auch da drin, nur leider drucken sie sichtbar schlechter als das Original.
Sparen mit Großpackungen. Angesagt sind billige Großpackungen mit mehreren Patronensätzen. Da sollte aber das Verfallsdatum draufstehen, denn nur frische, originalverpackte Patronen können lange lagern: Der für diesen Test zuständige Prüfingenieur druckt privat mit inzwischen drei Jahre alten Originalpatronen – ohne Einbußen. Doch Vorsicht: Die Garantie erlischt nach zwei Jahren.
Lebensdauer. Das Argument der Druckerhersteller, Fremdtinten würden zu Störungen und Ausfällen der Drucker führen, können wir nicht bestätigen. Im Test hielten die Drucker klaglos durch, obwohl wir ihnen im bunten Mix eine Fremdtinte nach der anderen anboten. Ein Epson-Drucker hatte letztendlich 12 000 Blatt Textdruck ohne Probleme hinter sich.
Sparen bei Canon

In Canon-Druckern wie dem verwendeten iP2000 steckt der Druckkopf im Drucker. Ausgewechselt werden nur die Tintentanks. Die von JetTec erweisen sich als beste Fremdpatronen. Diese Tinte ermöglicht Ausdrucke in der Qualität von Canon-Tinte. Und mit 11 Euro statt 35,50 Euro bietet sie ein enormes Sparpotenzial. Zum Preis eines Originalsets von Canon gibt es bei JetTec drei, und ein Bier in der Kneipe an der Ecke ist auch noch drin. Kleiner Wermutstropfen: Bei der Lichtbeständigkeit fällt die Tinte von JetTec gegenüber dem Original leicht ab – im Fotoalbum ist das aber eher unkritisch.
Sparen bei Epson

Epson baut den Druckkopf ebenfalls in den Drucker ein, ähnlich wie Canon. Also müssen auch hier nur die Tintentanks gewechselt werden. Aufgepasst: Viele Epson-Drucker wie der C86 können unterschiedlich große Schwarzpatronen aufnehmen. Der Spareffekt fällt jedoch mit den dicken Schwarzpatronen nicht automatisch höher aus wie bei IncTec. Dieses Patronenset ist sparsam und bietet eine mit dem Original vergleichbare Qualität der Ausdrucke – vor allem bei Schwarz (Textdruck). Das Tintenset von iColor druckt bei vergleichbarer Qualität (und dünner Schwarzpatrone) besonders billig, ist aber nicht sehr lichtbeständig. Das können fast alle anderen viel besser.
Sparen bei Hewlett-Packard

Anders als bei Canon und Epson steckt in Druckern von Hewlett-Packard der „Wegwerf“-Druckkopf in jeder Patrone und nicht im Drucker. Fremdanbieter sammeln leere HP-Patronen ein und befüllen sie wieder. Die enthalten in unseren Fällen doppelt so viel Tinte wie das Original – trotz ähnlicher Preise für die Patronensets ist die Ersparnis also deutlich. Allerdings bleibt die Qualität von Fremdpatronen für Hewlett-Packard-Drucker deutlicher hinter dem Original zurück als bei Canon und Epson. Die Ursache liegt wohl im Recycling-Kreislauf: leer drucken, einsammeln, reinigen, befüllen, leer drucken. Darunter leidet die HP-Patrone.
Die Fremdanbieter reinigen die leeren HP-Patronen jetzt gründlicher als beim letzten Test vor einem Jahr. Das sahen wir daran, dass es keine verstopften Düsen mehr gab, wie sie früher vereinzelt auftraten. Doch mit jedem Recyclingzyklus verschleißt der in die Patrone integrierte Druckkopf weiter, es kann zu leicht streifigen Ausdrucken kommen. Wer seine Fotoausdrucke in ein Steckalbum hinter „Zellophan“ packt, und sie sich nicht ganz so genau aus der Nähe ansieht, wird die Makel vielleicht nicht bemerken.
Die Patronensets von Geha und KMP sind mindestens 50 Prozent günstiger als das Original. Und sie halten immerhin bei Textdruck in Schwarz, also einem normalen Brief, mit dem Original mit. Fotodrucke sind jedoch etwas schlechter. Vor allem mangelt es an Lichtbeständigkeit. Wenn es darauf ankommt, sind Originaltinten die bessere Wahl.
Sparfüchse ersteigern einen alten Canon-Drucker bei ebay – falls die Verkäufer nicht inzwischen gemerkt haben, welches Kleinod sie da aus der Hand geben.
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