Beratung für Existenzgründer: Weichenstellung
21.10.2003
Nicht guter Rat ist teuer. Für Existenzgründer ist schlechter Rat teuer. Wenn ein angehender Unternehmer im Vertrauen auf seine Berater falsche Entscheidungen trifft, kann das zum Desaster werden. Umso wichtiger ist es, die richtige Beratung zu finden. Ganz ohne sachkundige Unterstützung gehts nämlich nicht. Doch im Test gaben viele Beratungsangebote ein schwaches Bild ab. Von schlampiger Vorbereitung bis zur akuten Ahnungslosigkeit reichten die Mängel.
Geschäftsidee auf dem Prüfstand
Hauptzweck der ersten Existenzgründungsberatung: die Geschäftsidee und die Chancen für die Umsetzung kritisch zu überprüfen. Die ersten Schritte muss der angehende Unternehmer bereits hinter sich haben und ungefähr wissen, wie eine Existenzgründung vor sich geht und womit er sein Geschäft machen will. Der Berater soll sich in das Konzept hineindenken, die schwachen Punkte erkennen und gezielt nachfragen. Auf Detailwissen und Einzelheiten kommt es nicht an. Aber das geplante Projekt muss systematisch auf typische Risiken und Fehler hin abgeklopft werden. Der angehende Unternehmer läuft sonst Gefahr, die Weichen falsch zu stellen.
Design vor Konzept
Doch unsere Tester wurden oft schlecht beraten. Nur wenige Berater machten sich die Mühe, das von den Gründern erarbeitete Grobkonzept vorab überhaupt durchzulesen. Bei rund einem Drittel aller Gespräche verzichteten sie schon darauf, es sich überhaupt rechtzeitig zuschicken zu lassen. Häufig achteten die Berater vor allem auf die Gestaltung von Businessplan und Rentabilitätsanalyse. Motto: Hauptsache, die Papiere sehen professionell aus.
Vorbehalte statt konstruktiver Kritik
Mit bestimmten Geschäftsmodellen hat mancher Berater persönliche Schwierigkeiten. Die drei angehenden Feng Shui-Berater, die für Finanztest als Tester unterwegs waren, stießen zuweilen auf unverhohlenes Unverständnis. „Dafür gibt heutzutage doch niemand Geld aus“, äußerte eine Beraterin. Welchen Nutzen Feng Shui aus der Sicht der Gründerinnen und potenzieller Kunden haben kann und wie dementsprechend die Marktchancen einzuschätzen sind, lässt sich nach einer solchen Äußerung kaum noch sinnvoll erörtern.
Doppelt hält besser
Gut an der Erstberatung für Existenzgründer: Sie ist meist kostenlos. Damit ist die Strategie für Existenzgründer klar: Sie sollten sich nach Möglichkeit nicht auf eine einzige Beratung verlassen, sondern zu verschiedenen Anbietern Kontakt aufnehmen. Das erste Grobkonzept verschiedenen Beratern zu präsentieren, erhöht die Wahrscheinlichkeit, wertvolle Anregungen zu bekommen und keinen wichtigen Schwachpunkt zu übersehen. Außerdem lässt sich auf diese Weise am ehesten ein Berater finden, dem der Existenzgründer sich auch später bei der Planung der Details anvertrauen mag.
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