MP3- und PC-Lautsprecher: Besser mit Bass
Völlig aus der Mode sind Schallplatte, Tonbandkassette, CD und HiFi-Anlage. Angesagt sind MP3-Spieler und Kleinstanlagen mit Lautsprecher. Doch deren Design ist oft besser als ihr Klang.
Mit tragbaren Musikspielern hat sich alles geändert, meinen die Kinder. Ganz bestimmt nicht, wissen die Eltern besser. Sicher, das private Schallplattenarchiv füllt längst keine Schränke mehr. Inzwischen passt die komplette Musiksammlung auf einen daumengroßen MP3-Spieler. Doch wer unterwegs – ohne Stöpsel im Ohr – mit anderen zusammen Musik hören will, den nervt flacher Kofferradio-Klang. Den „genossen“ die Alten schon vor Jahrzehnten und den erleben die Jungen noch heute beim Eislaufen auf dem See – zum Beispiel mit einer batteriebetriebenen iPod-Station.
Wir hörten uns an, wie gut Minianlagen im tollen Design mit iPod-Anschluss, zwei kleinen und einem größeren Basslautsprecher – 2.1-Systeme eben – klingen. Denn die Kleinstanlagen sind vielleicht die gravierendste Änderung im Musikgeschäft: Die Jugendlichen bekommen nicht mehr die abgelegte HiFi-Anlage der Eltern oder eine Minianlage ins Zimmer. Dort steht ganz auf der Höhe der Zeit Computer oder Laptop mit Lautsprechern. Das ist die Musikanlage von heute. Allerdings reicht der Schalldruck kaum für die Party und der Klang, insbesondere der iPod-Anlagen, ist weit entfernt von HiFi. Design und Kostenrahmen ziehen enge Grenzen. Die lotet jeder Anbieter anders aus. So gibt es dennoch brauchbare Systeme für besondere Ansprüche.
Für den iPod
Die vier Dockingstationen für den vielleicht bekanntesten Musikspieler – den iPod – gehören zu den teuersten im Test. Dennoch liefern sie mit Ausnahme der Altec Lansing schlechteren Klang als die anderen Anlagen im Test. Wer sich das kleine „UFO“, die JBL On Stage II ansieht, erwartet vielleicht auch nicht mehr. Und die klanglich besten Boxen (Behringer MS40) sehen im Vergleich dazu so dröge aus, dass wohl kaum ein jugendlicher Musikfreak darauf abfährt. Der nimmt wohl lieber den schlechteren Klang einer iPod-Designanlage als altbackenes Design anspruchsvollerer Lautsprechersets in Kauf.
Für unterwegs
Zwei Mini-Anlagen, die speziell für den iPod konzipierten Altec Lansing und Logic3, können mit Batterien betrieben werden. Die Altec Lansing hält mit vier C-Batterien (Babyzellen) auch eine lange Party durch. Zum Lieferumfang gehört ein kleiner Rucksack, in den sie bequem hineinpasst. Sie empfiehlt sich so als handliches Mitnahmegerät. Die Logic3 versorgt sich aus schwächeren Mignonzellen (AA). Sie begrenzen den Betrieb auf zwei Stunden. Mit Batterien und selbst mit Strom aus dem Netz spielt die Lautsprecheranlage nur recht leise auf. Das favorisiert sie nicht für die Cocktailparty im Schnee.
Transportabel, wenn auch nicht batteriebetrieben, ist ebenfalls die Hama. Sie wird mit den beiden Lautsprechersatelliten in einem mitgelieferten Beutel verstaut. Die Satelliten stecken dann in Plastikdosen, die wie zu groß geratene Brillenetuis aussehen – das ist praktisch und sicher. Am Ziel muss sich die Hama den Strom aber aus dem Netz holen, denn Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.
Für das Jugendzimmer
Guten Klang und eine Fernbedienung bieten die 2.1-Anlagen von Creative, Logitech und Teufel. Die beiden letzten sind sogar recht bassstark und aus diesem Grund ein heißer Tipp für Filmfreunde, die ihre DVDs vom Notebook abspielen. Auch das lässt sich problemlos an die Lautsprecher anstöpseln.
Ein Minus für die sonst gelungene Teufel-Anlage ist der hohe Standby-Stromverbrauch. Ohne Signal zieht sie selbst im Standbymodus nach 20 Minuten immer noch inakzeptable sieben Watt. Der Netzschalter ist auf der Rückseite der Bassbox nur unbequem zu erreichen. Wer sich beim Griff zum Netzschalter nicht verrenken will, setzt sie über eine schaltbare Steckdosenleiste auf Nulldiät – wie auch die Anlagen ohne trennenden Netzschalter (Creative, Harman/Kardon, JBL, Klipsch, Logic3 und Speed Link).
Für den Computer
Für den Anschluss an Laptop und Desktop sind natürlich alle Lautsprecher-Sets mit „gutem“ Ton geeignet. Manche jedoch besser: Wer wie ein Tonmeister mit einem Musikprogramm arbeitet, ergänzt seinen Rechner am besten mit den Behringer-Boxen. Ihnen fehlt zwar ein wenig das Bassfundament, doch sie klingen von Klassik bis Pop ausgewogen gut.
Für guten Klang sollten die Satelliten den Ton auf Ohrhöhe abstrahlen. Da gewinnen Anlagen wie die Logitech mit ihrem ohnehin guten Klang durch die geneigte Front ihrer Frontlautsprecher. Trotz der niedrigen Position der Satellitenboxen auf dem Arbeitstisch richten sie den Schall auf die richtige Höhe – gut für den Stereoeffekt, ausgewogenen Klang und ordentlichen Schalldruck. Kleine Satelliten ohne diese Neigung (Beispiel Teufel) werden am besten höher, etwa an der Wand hinter dem Monitor montiert.
Praktisch für Audioverbindungen
Ein Digitaleingang – umschaltbar optisch und elektrisch – und der für HiFi gängige Cinch-Eingang zeigen, dass Behringer es ernst meint mit gutem Musikklang. Gleiches gilt für das Lautsprecherset von Teufel, dem jedoch der optische Digitaleingang fehlt. Allerdings ist ein USB-Anschluss vorhanden. Der ist praktisch für die Audioverbindung zum Computer, damit die anderen Eingänge freibleiben – beispielsweise für den MP3-Spieler. Und nicht zuletzt liefert seine große Bassbox beachtlichen Bass.
Der gute Klang und die gute Ausstattung der Lautsprecher-Sets von Behringer (zwei Regalboxen im Studiodesign) und von Teufel (zwei kleine Satelliten und eine Bassbox) werden durch eine ausführliche, ansprechende Gebrauchsanleitung ergänzt: Beide Anbieter haben sich fernab des Boxenschiebens auch guter Klangqualität verschrieben. Das ist nicht die schlechteste Schnittstelle zwischen HiFi-verwöhnten Eltern und Kindern, die MP3-Musik lieben.
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