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Carsharing: Die Bahn fährt vorn

Carsharing Test

test 07/2004

Ein eigenes Auto ist teuer. Wenn sich mehrere Menschen ein Fahrzeug teilen, lässt sich viel Geld sparen. Der Test zeigt: Organisiertes Autoteilen funktioniert.

Carsharing

Steigende Spritkosten schrauben die Tankrechnung in schwindelnde Höhen. Doch wer genau nachrechnet, kommt oft zu einem viel erschrecken­de­ren Ergebnis: Das Teuerste am Auto ist gar nicht das Fahren, sondern das Besitzen. Kfz-Steuer, Versicherung, Zinsen, Wertverlust, Prüfplaketten-, Werkstatt- und Pflegekosten fallen in jedem Fall an – sogar wenn das Auto fast nur steht.

Mehr als 65 000 Menschen in Deutschland haben sich die Investition in ein Auto erspart – und fahren trotzdem. Sie nutzen die Dienste von Carsharing-Organisationen. Deren Autos sind besser ausgelastet und die Kosten verteilen sich auf viele.

Für wen es sich lohnt

Carsharing Test

Eine aktuelle Untersuchung des Freiburger Öko-Instituts prognostiziert dem Autoteilen eine große Zukunft: Bis zu zwei Millionen Deutsche kommen als potenzielle Kunden infrage. Und zwar diejenigen mit Führerschein, die pro Jahr weniger als 10 000 Kilometer fahren und nicht täglich auf den Wagen angewiesen sind. Für sie kann sich das Teilen rechnen.

Etwa hundert Carsharing-Organisationen gibt es in Deutschland. Demnächst könnte das Geschäft sogar richtig boomen. Der früher eher von ökologisch orientierten kleinen Firmen und Vereinen geprägte Markt ist stark im Umbruch:

  • Die Deutsche Bahn nimmt mit „DB-Carsharing“ teil und platzierte sich im Test ganz vorn. Sie ist bereits in 66 Städten aktiv – meist in Kooperation mit den lokalen Organisationen, gelegentlich auch in eigener Verantwortung. Aktiv ist die DB auch hinter den Kulissen: Als Dienstleister betreibt sie für viele Anbieter ein Callcenter und die Datenverarbeitung.
  • Unter der Flagge „Shell Drive“ fährt seit kurzem auch der Mineralölkonzern Shell aufs Autoteilen ab – in der Hoffnung, sein Tankstellengeschäft sinnvoll zu ergänzen.
  • Der niederländische Marktführer Green­wheel übernimmt das Berliner Tradi­tions­unternehmen Stattauto.
  • Regionale Bus- und Bahnunternehmen machen immer öfter mit, weil sie erkennen: Carsharing ist keine Konkurrenz, sondern bietet attraktiven Zusatznutzen.

Wunschauto zum Wunschtermin?

Von neuen finanzkräftigen Partnern, tech­ni­schem Fortschritt, mehr Koopera­tion und Effizienz profitiert die Kundschaft. Ob Carsharing tatsächlich immer besser funktioniert, wollten wir genau wissen und haben unsere Tester in 14 Organisationen eingeschleust. Über viele Wochen hinweg prüften sie unerkannt – als ganz normale Kunden – die Angebote, buchten Fahrzeuge und unternahmen Probefahrten. Hier die Ergebnisse:

Infos: Wer sich für Carsharing interessiert, muss erst einmal erfahren, wie das Autoteilen funktioniert, was es kostet, wo die Fahrzeuge stehen und welche Nutzungsbedingungen gelten. Ergiebigste Quelle ist das Internet, aber unsere Tester profi­tierten auch von guten Broschüren und Beratungsgesprächen bei der Anmeldung. Cambio Bremen erzielte hier die beste Note. Das Münchener Stadtteilauto W. Ernst schnitt wegen seines bescheidenen Internetauftritts nur ausreichend ab.

Tipp: Die meisten Carsharing-Organisationen bieten ausgereifte Infos. Nutzen Sie die Adressenliste.

Verfügbarkeit: Kein Fahrzeug zu bekommen, wenn man es braucht – das ist die größte Sorge aller Autoteiler. Hier können wir Entwarnung geben. Fast immer bekamen unsere Tester ihr Wunschauto zum Wunschtermin – vor allem bei stundenweiser Anmietung. Bei Buchung für einen oder mehrere Tage mussten etwas öfter kleine Kompromisse beim Fahrzeugtyp oder bei der Abholstation gemacht werden. Unterm Strich erzielten aber alle Organisationen mindestens ein „Gut“. An der Spitze rangiert Teilauto Magdeburg.

Tipp: Buchen Sie frühzeitig, wenn Sie auf einen bestimmten Fahrzeugtyp angewiesen sind oder an Ferienwochenenden reisen möchten.

Fahrzeugübernahme: Fast durchweg „gut“ gelangten unsere Tester an die Autoschlüssel. Oft liegen sie an der Station in einem Tresor bereit, den der Kunde mit einem Schlüssel öffnen kann. Viele Autos lassen sich auch mit Magnetkarte und Bordcomputer starten.

Tipp: Kontrollieren Sie das Auto bei der Übernahme auf Schäden. Am besten immer ein Handy mit auf Tour nehmen, damit sich eventuelle Probleme durch Anruf bei der Hotline sofort klären lassen.

Ausstattung: Die Angebotspalette vieler Firmen ist erstaunlich groß und umfasst oft auch Vans, Limousinen und Transporter. Im Test haben wir gezielt die Ausstattung der Klein- und Mittelklassewagen untersucht. Selbst die konnte sich sehen lassen. Pluspunkte gabs zum Beispiel für CD-Radio, Klimaanlage und Kindersitz, aber auch für nützliche Details wie Parkscheibe und Eiskratzer. Die beste Punktzahl hierbei erreichte Cambio Bremen.

Fahrzeugzustand: Natürlich haben wir auch den Zustand der Autos begutachtet. In Prüfstellen einer Sachverständigenorganisation ließen wir von jedem Anbieter in der Regel fünf Autos untersuchen – vom Lack bis zu den Reifen. Die meisten Kritikpunkte resultierten aus der intensiven Nutzung der Fahrzeuge, zum Beispiel verschmutzte Polster oder Dellen an den Stoßfängern. Sicherheitsrelevante Beanstandungen gab es nur bei Teilauto Erfurt. Sie führten zur Abwertung: Bei einem Wagen zog das Lenkrad nach links, bei einem anderen war ein Reifen beschädigt.

Tipp: Melden Sie technische Probleme immer sofort dem Carsharing-Unternehmen. In manchen Autos mit Bordcomputer ist die Servicezentrale per Mobilfunk im Notfall direkt erreichbar.

Geschäftsbedingungen: Bei der Begutachtung der Verträge stießen wir auf diverse kundenunfreundliche Regelungen. Zum Beispiel eine Formulierung, die Kunden für Schäden haftbar machen soll, die bei der Fahrzeugübernahme nicht im Bordbuch notiert sind. Wenn es hingegen um die eigene Haftung geht, versuchen manche Firmen, sie auf ein Minimum zu beschränken.

Tipp: Auch wenn einige Geschäftsbedingungen ärgerlich sind, ist das nicht unbedingt ein Grund, aufs Carsharing zu verzichten. Wenn es tatsächlich einmal „hart auf hart“ kommt, dürfte sich so manche Passage als rechtlich unwirksam erweisen.

Preise: Recht unübersichtlich und unterschiedlich wirken die Preise der meisten Anbieter. Oft bietet der Wirrwarr allerdings die Chance, je nach persönlichen Bedürfnissen eine optimale Variante auszutüfteln. Kurios: Die Deutsche Bahn schafft als Autovermieter das, womit sie im Kerngeschäft immer wieder Probleme hat – sie bietet übersichtliche und einheitliche Tarife.

Die Konkurrenz schläft nicht: Immer mehr Firmen kooperieren miteinander. So ermöglichen es die Firmen der Cambio- und der Stadtmobil-Gruppe ihren Kunden neuerdings, beim Besuch einer anderen Stadt Autos der Partnerorganisation zum Heimattarif zu nutzen.

Das Stellplatzdilemma

Ein Problem ist, dass es an attraktiven Standorten an reservierten Stellflächen mangelt. Schuld daran sind allerdings selten die Anbieter, sondern vielmehr die Verkehrspolitiker. Sie müssten dieser umweltverträglichen Form der Autonutzung Sonderparkrechte im Straßenraum gewähren. Dann fänden noch viel mehr Menschen Gefallen am Autoteilen.

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Carsharing: So läufts

19.03.2010 © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. nach oben