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Autoversicherung: Polierte Preise

Autoversicherung Test
Junge Eltern gelten als vorsichtig. Sie ­erhalten Rabatt in der Autoversicherung. Wird der Nachwuchs volljährig und fährt manchmal selbst, steigt der Beitrag stark.

finanztest 11/2005

Immer mehr Versicherer machen sich mit billigeren Zweittarifen selbst Konkurrenz. Die Gothaer hat es in unserem Test mit ihrem Spartarif sogar in die Top Ten für einige Modellkunden geschafft.

Autoversicherung

Die Autoversicherer werden kreativ. Da die Zahl der Pkw-Neuzulassungen seit Jahren stagniert, müssen sich die Gesellschaften gegenseitig Kunden abjagen. Dafür lassen sie sich eine Menge einfallen. Auffälligste Entwicklung ist der Trend zum Zweittarif. Immer mehr Unternehmen bieten neben ihrem regulären Tarif noch einen oder mehrere günstigere an.

Die Kunden profitieren von diesem Wettbewerb. Im Schnitt sinken die Bei­träge. Doch davon haben nur diejenigen ­etwas, die sich die Mühe machen zu wechseln – entweder zu einem anderen Versicherer oder in einen neuen Tarif bei ihrer angestammten Gesellschaft.

Finanztest hat 106 Tarife untersucht und die günstigsten Anbieter für acht ­Modellkunden ermittelt. Der teuerste ­Anbieter verlangt oft weit mehr als doppelt so viel wie der günstigste. Kunden können daher locker mehrere Hundert Euro sparen. Zu den billigen zählen auch einige neue Angebote.

Schon der Wechsel zu einem neuen Tarif beim gleichen Versicherer kann sich lohnen. Der neue Spartarif der Gothaer ist zum Beispiel für unsere junge Familie (Modell 6) rund 90 Euro günstiger als der Normaltarif. Unser 66-jähriger Rentner (Modell 7) würde immerhin noch 72 Euro bei einem Wechsel einsparen. Der Viel­fahrer (Modell 4) profitiert dagegen vom Tarif der neuen DBV-Winselect.

Was bei der Gothaer Spartarif heißt, nennen andere Basis- oder Kompakttarif. ­Daneben gibt es dann zum Beispiel eine Komfort- oder Premium-Variante. Der günstigere Tarif bietet selten dieselben Leistungen und ist oft an Voraussetzungen geknüpft wie an ein Mindestalter.

Ein Kunde mit dem Spartarif bekommt bei der Gothaer in der Vollkasko zum ­Beispiel nicht zwölf Monate lang, sondern nur sechs Monate nach Erstzulassung den Neuwert ersetzt, wenn sein Wagen gestohlen oder komplett zerstört wird. Für Haftpflicht pur gibt es den Spartarif nicht.

Zunehmend wenden sich die Versicherer speziellen Zielgruppen zu und bieten nicht mehr nur Beamten und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes Sondertarife an: Der Tarif Ladycar der Ineas-Versicherung ist Frauen vorbehalten. Bei der Axa müssen junge Fahrer weniger Beitrag zahlen, wenn sie keine Punkte in Flensburg haben.

Billiger versichern bei der Allianz

Autoversicherung Test
Der Traumkunde der Versicherer ist etwas älter, verbeamtet, fährt oft mit der Bahn und gibt gut auf sein Auto Acht.

Selbst die Allianz hat seit kurzem eine ­Billigversicherung im Angebot, den Kompakttarif. Die für unseren Test nötigen ­Details mochte uns die Allianz zwar nicht geben. Doch wir wissen aus Stichproben, dass das neue Angebot im Schnitt etwa 15 Prozent günstiger ist als ihr Optimaltarif und etwas geringere Leistungen bietet.

Der Marktführer wirbt für sein neues Angebot nicht. Es ist ein Tarif für die Schublade der Außendienstmitarbeiter. So haben sie noch etwas in petto, wenn Kunden danach fragen. Wer der Allianz treu bleiben will, sollte sich erkundigen. Noch billiger wird es für Versicherungsnehmer, die den Internettarif über das neue Internetportal Allianz24 abschließen.

Den Hauptkonkurrenten Huk-Coburg machen die Aktivitäten der Münchner langsam nervös. Auch sie schneidern an ­ihren Preisen. Genaue Zahlen gibt es in der Nacherhebung im Dezember-Heft. Bei der Huk-Coburg ist noch nichts spruchreif und der Internettarif der Allianz kam nach unserem Stichtag auf den Markt. So viel vorweg: Die Allianz wird mit ihrem Internetangebot erstmals preislich vorne mitspielen.

Auf Rat und Hilfe eines Allianz-Ver­treters müssen diese Kunden dabei verzichten. Der gesamte Kontakt muss online ­laufen. Wer das nicht mag, zahlt eben mehr.

Lockangebote für Neukunden

Es gibt einen großen Haken in der schönen Tarifwelt. Generell unterscheiden die Versicherer zwischen Neu- und Bestandskunden. Die Neuen werden mit attraktiven Preisen geködert. Nach einem Jahr gehören sie zum Bestand und werden nicht mehr besonders umworben.

Versicherungsnehmern, die von den Lockangeboten profitieren wollen, bleibt oft nur übrig, sich zum Jahresende erneut auf die Suche zu machen. Die Gesellschaften sind von diesem Versicherungshopping nicht gerade begeistert. Denn sie wollen der Konkurrenz die Kunden zwar wegnehmen, sie dann aber bitteschön behalten.

Kunden müssen sich nicht lange oder sogar für immer an einen Autoversicherer binden. Denn anders als eine private Krankenversicherung oder eine Lebensversicherung können sie die Police fürs Auto ohne Probleme oder finanzielle Verluste kün­digen (siehe Text „Richtig kündigen“).

Viele Kunden können bei der Autover­sicherung sehr viel mehr sparen als bei den meisten ihrer anderen Policen. Denn eine Autoversicherung ist auch im günstigsten Fall für die meisten nicht ganz billig und die Preisunterschiede sind groß.

Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Psychonomics im Auftrag des ­Autoversicherers Direct Line vergleicht aber nur etwa ein Viertel aller Autofahrer Angebote verschiedener Gesellschaften. Nur 13 Prozent der Autofahrer haben in den vergangenen zwei Jahren die Versicherung für ein bestehendes Fahrzeug gewechselt.

„Ein Grund ist, dass viele Kunden einfach eine sehr starke Bindung an die eigene Gesellschaft oder den Vertreter haben“,­ ­erklärt Ansgar Metz von Psychonomics dieses Phänomen. „Aber auch Bequemlichkeit und fehlendes Vertrauen in neue Anbieter spielen eine große Rolle.“

Natürlich kommt es nicht nur auf den Preis an. Wer von seinem Vertreter gerne persönlich beraten wird, ist bei einem ­Serviceversicherer mit vielen Außendienstmitarbeitern besser aufgehoben als bei ­einem Direktversicherer, der nur über ­Telefon und Internet zu erreichen ist, oder gar bei einem reinen Internetversicherer.

Doch auch unter den Anbietern mit ­Außendienst sind die Preisunterschiede so groß, dass sich ein Wechsel lohnen kann.

Um die Seriosität der Unternehmen müssen Kunden sich keine Sorgen machen, selbst wenn sie den Namen einer ­Gesellschaft nicht kennen. Alle Autoversicherer werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht.

Ob der Service eines Anbieters gut ist oder nicht, hängt von der Unternehmenspolitik ab, die über die Jahre auch wechseln kann, und vom einzelnen Mitarbeiter. Wer mit einem Vertreter eines bestimmten Versicherers in München sehr zufrieden ist, kann an dem Stuttgarter Mitarbeiter derselben Gesellschaft verzweifeln.

Sparen beim eigenen Versicherer

Kunden, die ihren Versicherer nicht verlassen wollen, weil sie mit ihm sehr zufrieden sind, er bereits zu den günstigen gehört oder weil sie vielleicht weiterhin alle ihre Versicherungsverträge bei einem Anbieter gebündelt haben möchten, sollten sich ­jedes Jahr ausrechnen lassen, ob der Neukundentarif ihrer Versicherungsgesellschaft nicht günstiger ist.

Mit einem neuen Vertrag können sich die Leistungen und Bedingungen ändern. In der Haftpflicht, die eine Pflichtversicherung für alle Autofahrer ist, haben die Versicherer allerdings wenig Spielraum. Der Hauptunterschied liegt in den höheren Deckungssummen, die für Personen­schäden zwischen 6,5 und 8 Millionen ­Euro je Person liegen und für Personen-, Sach- und Vermögensschäden insgesamt 50 oder 100 Millionen Euro betragen.

In den neuen Verträgen bieten die Versicherer meist 100 Millionen Euro Deckung. Ein Kunde wird sich also selten schlechter stellen. Der bisher teuerste Sachschaden in Deutschland belief sich auf rund 30 Millionen Euro.

Der Grundschutz in der Kasko ist zwar nahezu gleich, doch die Versicherer setzen hier stärker auf einzelne Leistungserweiterungen, um sich von der Konkurrenz abzuheben (siehe große Tabelle ab S. 68).

Wer Wert auf ein besonderes Extra legt, wie die Erstattung von Lawinenschäden in der Teilkaskoversicherung, muss darauf achten, dass die Bedingungen des neuen Vertrags diese Leistung noch vorsehen.

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10.02.2012 . © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. Twitter Facebook YouTube Stiftung Warentest im Netz: