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Autokauf: Räder auf Raten

Autokauf Test
König Kunde. Schnäppchen, Rabatte, EU-Wagen – es gibt viele Wege, günstig an ein neues Auto zu kommen. Die Branche steht unter Verkaufsdruck.

finanztest 04/2006

Sieben von zehn Autokäufern bezahlen in Raten. Mit den besten Krediten fahren sie sogar günstiger als beim Barkauf.

Autokauf

Die Branche lässt sich einiges einfallen, damit sich wieder mehr Menschen für ein neues Auto entscheiden: Suzuki verspricht, fünf Jahre lang die Inspektionskosten zu bezahlen. Volvo lockt mit Leasing ohne Anzahlung.

Opel übernimmt drei Jahre lang die Haftpflicht- und die Vollkaskoversicherung. Ford will für das alte Auto bis zu 3 000 Euro über dem aktuellen Zeitwert zahlen. Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern bringt die Fußballweltmeisterschaft ins Spiel: „Goal-Wochen“ mit einem effektiven Jahreszins von 0,9 Prozent für den Autokredit.

Auf den Straßen zwischen Stralsund und Starnberg fahren zwar rund 46 Millionen Pkw und damit so viele wie nie zuvor. Doch die Zahl der Neuzulassungen ist zurückgegangen: Die Autobranche blieb 2005 das sechste Jahr in Folge unter ihrem Normalniveau, es wurden nur gut drei Millionen Autos neu zugelassen. Das sind fast eine Million weniger als 1999.

Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Center of Automotive Research (CAR), meint: „Neuwagen sind derzeit günstig zu haben. Wer selbstbewusst auftritt, kann eine Menge rausholen.“

Rabatte für alle

Jeder Autokäufer sollte bei dem Händler über einen Preisnachlass verhandeln. Der Gelsenkirchener Autoexperte sagt: „Beim ­Autohändler sind mindestens 5 bis 8 Prozent Barzahlerrabatt drin. Rechnet man Zugaben wie Winterreifen, die Übernahme von Überführungs- und Zulassungskosten oder den Ersatz der Mehrwertsteuer dazu, liegt das Rabattniveau bei etwa 14 Prozent.“

Zum Teil geht noch mehr, und das nicht nur für Barzahler. Ford-Händler geben häufig einen vom Hersteller gewährten Händlerbonus direkt an ihre Kunden. Das können bis zu 2 000 Euro sein. Der Kunde müsste dann zum Beispiel für den Ford Fiesta Fun nur 9 500 Euro bezahlen.

Barzahlung, Finanzierung, Leasing

Kunden haben drei Möglichkeiten: Sie können das Geld bar bezahlen, über die Haus- oder Autobank auf Pump kaufen oder mit einem Leasingvertrag die Kosten der monatlichen Nutzung begleichen.

Jede Variante hat Vor- und Nachteile. Welche die beste ist, hat eine sehr emotionale und eine ganz praktische Seite. Jeder Interessent muss sich zwei Fragen beantworten: Soll das Auto mein Eigentum ­werden? Wie viel Geld habe ich zur Verfügung? So findet er mit unseren Berechnungen leicht die passende Finanzierung.

Wir haben bei 19 Anbietern Finanzierungs- und Leasingangebote für zehn Automodelle erfragt und günstige Angebote ermittelt. Um sie vergleichbar zu machen, haben wir die unterschiedlichen Raten, die in der Zukunft fällig sind, auf die Gegenwart heruntergerechnet.

Am Gegenwartswert zeigt sich, dass es für einige Automodelle keinen großen Preisunterschied macht, welche Art der ­Finanzierung der Kunde wählt. Für einzelne Autos kann eine gute Finanzierung aber deutlich günstiger sein als der Barkauf.

Beispiel Opel Meriva: Bei einer 0-Prozent-Finanzierung der herstellereigenen GMAC Bank beträgt der Gegenwartswert aller Zahlungen mit 14 500 Euro fast 1 000 Euro weniger als der Kaufpreis. Um das auszugleichen, müsste der Barkäufer schon viel besser feilschen als der Kreditkunde.

Die günstigste Finanzierung bietet aber nicht immer die Herstellerbank an. Bei sieben Modellen war die berufsständische BDK der günstigste Anbieter.

Die Unterschiede zwischen dem billigsten und dem teuersten Angebot sind innerhalb jeder Finanzierungsart sehr groß. Beispiel Nissan X-Trail Geländewagen: Für das Leasing ergaben die Berechnungen bei der CC-Bank einen Gegenwartswert von rund 35 500 Euro, bei Sixt Leasing dagegen von nur 28 800 Euro.

Drei-Wege-Finanzierung beliebt

Weit über die Hälfte der Kaufverträge bei den Autohändlern sind mittlerweile Drei-Wege-Finanzierungen. Wohl deshalb, weil der Kunde sich nicht sofort entscheiden muss, ob er das Auto einmal kaufen, vollständig finanzieren oder später wieder zurückgeben will. Die Entscheidungsfreiheit kostet ihn nicht viel mehr Geld als der Barkauf oder ein klassischer Kredit.

Die Monatsrate ist nur etwa halb so hoch wie bei einer klassischen Finanzierung. Das dicke Ende kommt aber noch: die Schlussrate von etwa 50 Prozent des Kaufpreises, die den Kunden erst zum Besitzer macht. Oder er gibt das Auto an den Händler zurück und hat kein Auto mehr.

Niedrige Leasingraten

Niedriger als bei der Kreditfinanzierung sind die Monatsraten beim Leasing. Der Kunde zahlt nur für die Nutzung und den Wertverlust während der Vertragslaufzeit. Am Ende hat er kein Auto. Steuervorteile beim Leasing können nur Gewerbetreibende nutzen.

Bei der Rückgabe kann es Ärger geben, wenn das Auto nicht in einem vertragsgemäßen Zustand ist. Gebrauchsspuren werden toleriert, für Beschädigungen muss der Leasingnehmer zahlen. Die Abgrenzung führt leicht zu Streit, den häufig nur ein externer Gutachter klären kann.

Leasingnehmer haben einen weiteren Nachteil: Die für 2007 angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent wirkt sich direkt auf die laufenden Leasingraten aus, die der Kunde ab 2007 zahlt. Das trifft ihn auch, wenn er den Vertrag noch 2006 geschlossen hat.

Bei allen anderen Arten der Finanzierung können Kunden sich die 3 Prozent Mehrwertsteuererhöhung sparen, wenn sie dieses statt nächstes Jahr kaufen. Die Autohersteller hoffen deshalb, dass manche den Kauf ins Jahr 2006 vorziehen. „Zudem ist der Fahrzeugbestand der Privaten mit ­einem Durchschnittsalter von über acht Jahren deutlich überaltert“, sagt Ferdinand Dudenhöffer.

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09.02.2012 . © Stiftung Warentest. Alle Rechte vorbehalten. Twitter Facebook YouTube Stiftung Warentest im Netz: