PC-Steuerprogramme: Helfer im Steuerdschungel

PC-Steuerprogramme Test
Welches Steuerprogramm ist am besten? Testsieger beim Finanztest-Vergleich wurde wieder die Steuer-Spar-Erklärung.

finanztest 02/2004

Das komplizierte Steuerrecht macht es auch den Programmherstellern nicht leicht. Doch trotz einiger Macken helfen die Programme bei der Steuererklärung.

PC-Steuerprogramme

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Steuererklärung. Können Steuerprogramme dabei wirklich helfen?

Finanztest hat acht Steuerprogramme genau geprüft und auch die Billig- und die Deluxeversionen dieser Programme ausprobiert. Sie funktionieren alle auf Computern, die mit dem Betriebssystem Windows arbeiten.

Der Sieger unseres Tests ist wie in den vergangenen beiden Jahren das Programm Steuer-Spar-Erklärung von der Akademischen Arbeitgemeinschaft. Diese Software bekam als einzige die Note „sehr gut“.

Auch die Verlierer stehen fest: Vom mangelhaften Onlineprogramm SteuerFuchs unter www.steuerfuchs.de und von der Steuersoftware Capital Einkom­men-Steuer 2004 sollten die Steuerzahler besser die Finger lassen.

Von den übrigen fünf PC-Steuerprogrammen haben vier mit „gut“ abgeschnitten. Eins haben wir mit „ausreichend“ bewertet.

Wer sich in den vergangenen Jahren an ein Programm gewöhnt hat, das beim Test diesmal wenigstens mit „gut“ abgeschnitten hat, sollte sich gut überlegen, ob er nun bei der Steuererklärung 2003 eine andere Software benutzt. Denn selbst der Testsieger Steuer-Spar-Erklärung ist nicht perfekt. Und es kostet sehr viel Zeit und Mühe, sich in ein neues Programm einzuarbeiten.

Steuerprogramme schon für 5 Euro

PC-Steuerprogramme Test
Die Steuererklärung erledigt schneller, wer schon übers Jahr Einnahmen und Ausgaben notiert hat.

Die Steuerprogramme kosten zwischen 15 und 40 Euro. Auf Internetseiten wie www.amazon.de oder www.ebay.de sind die Programme zum Teil günstiger zu bekommen. In der Tabelle stehen die Preise, die die Hersteller uns genannt haben.

Noch billiger sind die abgespeckten Programmversionen bei Aldi, Lidl und Co. So verkaufte Aldi etwa das Programm Taxman als Billigversion unter dem Namen „Steuer 2003“ Anfang des Jahres für nur 4,99 Euro. .

Knackpunkt unseres Tests war natürlich nicht der Preis. Bei der Prüfung kam es darauf an, welches Programm den Steuerzahler am zuverlässigsten unterstützt und ihm hilft, die maximale Steuererstattung zu bekommen.

Programme ersetzen Denken nicht

Wenn ein PC-Steuerprogramm wie etwa tax 2004 Standard verspricht, für Steuerlaien geeignet zu sein, ist das irreführend. Denn Nutzer, die beim Stichwort Steuern nur Bahnhof verstehen, kommen mit keinem der Programme im Test zur optimalen Steuererstattung. Blutige Anfänger können sich das Geld für ein Programm also gleich sparen. ­Finanztest ist bei der Untersuchung der Steuerprogramme deswegen von einem Nutzer ausgegangen, der bereits Grundkenntnisse in Steuerfragen hat.

Eine Steuererklärung per Computer verlangt vom Benutzer bis zum Ende der Eingaben volle Konzentration. Es kann leicht passieren, dass steuerlich Unerfahrene wegen fehlender Hilfen etwas nicht beantragen oder Steuervorteile nicht nutzen.

Wie viel muss jemand zum Beispiel in einen Riester-Vertrag einzahlen, um die maximale staatliche Zulage und den optimalen Sonderausgabenabzug zu erhalten? Die Antwort konnte kein Programm geben. Die meisten scheiterten schon an der korrekten Berechnung der Riester-Zulagen. Dem Testsieger gelang das aber fehlerfrei.

Preiswerte „Gute“ tun es auch

Die Steuer-Spar-Erklärung ist vor allem deswegen Testsieger geworden, weil die Software auch schwierige Fälle lösen kann. Durch seine Ausführlichkeit wird das Programm für den Nutzer aber schnell unübersichtlich. Deswegen ist die Steuer-Spar-Erklärung vor allem für Menschen geeignet, die mit den umfangreichen Abfragen des Programm etwas anfangen können.

Für steuerlich Unerfahrenere eignen sich eher tax oder QuickSteuer 2004. Vor allem, wenn die Nutzer zu den einfachen Steuerfällen zählen wie Arbeitnehmer ohne volljährige Kinder. Die Software führt sie im Interviewmodus mit einfachen Fragen durch die Steuererklärung. Neben Hilfen finden Nutzer im „Wissenscenter“ Urteile, Steuervorschriften und Steuerrechner wie bei den meisten anderen Programmen.

QuickSteuer und Taxman sind nahezu Zwillinge. Sie unterscheiden sich fast nur bei den Beigaben (siehe Tabelle). Für eine simple Steuererklärung genügt oft das preiswertere QuickSteuer für rund 15 Euro.

Nach wie vor Fehler im Detail

Bis auf die Steuer-Spar-Erklärung arbeitete keines der Programme die Musterfälle fehlerfrei ab. Sie mussten die Steuererklärung für einen umfangreichen und einen einfachen Steuerfall erstellen. Unsere Tester brauchten für die Eingabe der Daten beim einfachen Fall im Schnitt eine halbe bis maximal zwei Stunden, beim komplexen Fall eineinhalb bis zwei Stunden.

Sind die Daten eingegeben, errechnen die Programme die Steuererstattung. Beim einfachen Fall B wies die Steuer-Spar-Erklärung mit 11,26 Euro die geringste Differenz aus. Völlig daneben lag Capital. Die Abweichung betrug 627,19 Euro.

Beim komplexen Fall A schaffte das Programm tax die geringste Abweichung mit 27,46 Euro. Der Testsieger Steuer-Spar-Erklärung wich um 45,40 Euro ab.

Das Programm Steuerlotse ist ein Problemfall. Es kann eine getrennte Veranlagung und die Quellensteuer nicht einrechnen. Mängel wie diese führten im Test zu einer Abweichung von 1 091,41 Euro.

Schwere steuerrechtliche Fehler

Von der Höhe der Abweichungen sollte sich aber niemand blenden lassen. Sie war nicht entscheidend für die Testnoten. Schließlich können die Abweichungen schon ganz anders aussehen, wenn wir unsere Modellfälle nur ein wenig verändern. Viel wichtiger ist, wie viele gravierende fachliche Fehler ein Steuerprogramm macht.

Das Wiso Sparbuch hat sich zum Beispiel bei Fall A um 112,33 Euro verrechnet, hat bei Fall B um 294,23 Euro danebengelegen und ist trotzdem Zweiter im Test geworden. Das mit „gut“ bewertete Programm machte etwa bei Fall A insgesamt drei Fehler, das „mangelhafte“ Capital-Programm machte aber gleich neun Fehler.

Als einen schweren Fehler werteten wir es, wenn der Musterfamilie wegen falscher oder unvollständiger Steuererklärung Nachteile entstanden. So mussten die Programme zum Beispiel beim komplexen Fall A herausfinden, dass für das Ehepaar nach derzeitiger Rechtslage die getrennte Veranlagung günstiger ist. Im Vergleich zum Test der Steuerprogramme vor zwei Jahren prüften diesmal alle bis auf Steuerlotse und SteuerFuchs diese Variante. Schwierigkeiten hatten sie aber mit der optimalen Zuordnung der außergewöhnlichen Belastungen bei der getrennten Veranlagung. Nur Steuer-Spar-Erklärung und tax halfen hier weiter.

Auch die komplizierte Regelung der Übertragung von Freibeträgen für Kinder und die Sonderregeln für erwachsene Kinder bereiten den Programmen Probleme. Wie beim Test vor zwei Jahren erkannte kein Programm, dass die Übertragung des Kinderfreibetrags nicht immer Vorteile bringt. Die Übertragung können Alleinerziehende wie Frau Neumann in unserem Modellfall beantragen, wenn der andere Elternteil keinen Unterhalt zahlt.

Sicherheit beim Surfen muss sein

Im Testurteil über die Steuerprogramme haben wir auch berücksichtigt, ob die Nutzer ihre Programme sorglos übers Internet aktualisieren können. Das ist bei fast allen Anbietern gewährleistet.

Attacken aus dem Netz müssen aber nach wie vor Käufer des Capital-Programms und von Steuerlotse fürchten.

Kostenlose Alternative

Auch wer kein Programm kaufen möchte, kann seine Steuererklärung am Computer machen. Für die elektronische Steuererklärung bietet die Finanzverwaltung im Internet unter www.elster.de kostenlos das Programm ElsterFormular an.

ElsterFormular kann für Ehepaare aber nicht berechnen, ob eine getrennte oder gemeinsame Veranlagung besser ist. Legale Steuertricks gibt es dort natürlich auch nicht.

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