Schufa-Selbstauskunft: Gratis in 14 Städten
Ein negativer Schufa-Eintrag kann ein Desaster sein: Es gibt keinen Kredit mehr, kein Handy, eventuell nicht einmal eine neue Wohnung. Welche Daten gespeichert sind, zeigt eine Selbstauskunft – jetzt auch online.
Ohne Schufa geht bei Verträgen fast nichts. Egal ob Kredite, Leasing, Handy, egal ob Neckermann, Quelle oder Otto-Versand: Alle erkundigen sich bei der Schufa, ob der Kunde kreditwürdig ist. Das gilt sogar bei der Suche nach einer neuen Bleibe: Auch große Wohnungsunternehmen können Auskünfte einholen. Privaten Vermietern ist das zwar verwehrt, doch sie wissen sich zu helfen: Viele verlangen einfach, dass der Interessent eine Eigenauskunft bei der Schufa einholt und sie ihnen dann vorlegt.
Steht dort ein negativer Eintrag, kann das katastrophale Folgen haben: Die Kreditkarte wird gesperrt, das Konto nur noch auf Guthabenbasis geführt oder sogar gekündigt, Versandhändler winken ab, Vermieter ebenso. Und entrinnen kann dem niemand. Die Schufa weiß über fast jeden volljährigen Deutschen etwas. 384 Millionen Einzeldaten von rund 63 Millionen Menschen liegen in ihrem Register – eine riesige Datenflut. Sobald jemand ein Konto eröffnet, im Versandhandel bestellt, einen Kredit aufnimmt oder einen Handyvertrag abschließt, wird das an die Schufa weitergegeben.
Ablehnen kann niemand
Formal braucht das Unternehmen dafür zwar die Erlaubnis des Kunden, wirklich ablehnen kann der aber nicht. In fast allen Verträgen steht die sogenannte Schufa-Klausel. Wer unterschreibt, stimmt der Weitergabe seiner Daten zu – wer nicht unterschreibt, bekommt eben kein Konto, kein Handy, keine Wohnung. Zusätzlich werten die Datensammler die Schuldnerverzeichnisse der Amtsgerichte aus.
Kein Wunder, dass die Schufa einen schlechten Ruf hat. „Schnüffler“, „Spitzel“, „Denunzianten“ – wie ramponiert das Image ist, zeigen Internetforen wie www.Schufa-Nein-Danke.de.vu. Dabei ist die Schufa nicht die einzige Auskunftei. Auch andere Unternehmen wie Creditreform, Informa oder Bürgel-Wirtschaftsinformation sammeln ähnliche Daten. Und: „Zu rund 93 Prozent der gespeicherten Personen liegen ausschließlich positive Informationen vor“, beteuert Schufa-Vorstandsvorsitzender Rainer Neumann.
Auskunft im Internet
Doch welche Informationen sind das? Wer wissen will, was die Schufa weiß, kann eine Selbstauskunft einholen – nun auch per Internet, unter www.meineschufa.de. Dort können Interessenten online einen Antrag ausfüllen, anschließend identifizieren sie sich per Postidentverfahren in einer Postfiliale. Der Freischaltkode wird per Brief zugeschickt.
Die Selbstauskunft kostet 7,80 Euro pro Quartal, wobei das Angebot derzeit sogar fürs ganze Jahr gilt. Wer in eine der Schufa-Filialen geht, die es in 14 Großstädten gibt, kann auch gratis einen Einblick in die gespeicherten Daten bekommen, allerdings nur am Bildschirm. Wer davon einen Ausdruck möchte, muss dafür zahlen.
Nicht alle Daten werden offenbart
Was der Kunde dann an Daten über sich zu sehen bekommt, sind in erster Linie die Girokonten, die Kreditkarten, Darlehen, Ratenkäufe, Bürgschaften, Leasingverträge, Handyverträge, darüber hinaus Kundenkonten beim Handel und natürlich die Kreditausfälle und eventuelle Privatinsolvenzen.
Doch nicht all diese Daten werden bei Anfragen von gewerblichen Kunden herausgegeben, betont die Schufa. Es gibt zwei Arten von Auskünften: Die B-Auskunft enthält nur Angaben darüber, ob der Kunde sich bisher vertragstreu verhalten und Raten ordnungsgemäß zurückgezahlt hat. Bei den A-Auskünften – sie gehen hauptsächlich an Banken – gibt es zusätzlich Informationen über seine gesamte finanzielle Belastung. Überhaupt nicht gespeichert werden Beruf, Einkommen, Vermögen, Familienstand oder Kaufverhalten. Diese Daten können die Unternehmen schließlich selbst bei ihren Kunden erfragen. Die Schufa ist – obwohl viele das glauben – keine Behörde, sondern ein gewerbliches Unternehmen.
Zusätzlich berechnet die Schufa sogenannte Score-Werte. Das sind Zahlen zwischen 1 und 1 000, die schematisch eine Prognose über die Kreditwürdigkeit des Kunden geben sollen. Je höher der Wert, desto besser. Je ein Score wird für sieben Branchen ermittelt, zum Beispiel für Banken, Telefonfirmen oder Versandhandel.
Score-Wert kann diskriminierend sein
Was genau in die Scores einfließt, sagt die Schufa nicht: Geschäftsgeheimnis. Offenbar sind es aber nicht nur persönliche Daten. Vielmehr werden aus der Datenflut Personengruppen gebildet, die ähnliche Merkmale haben. Das macht die Scores so problematisch. Für jede Gruppe wird dann das jeweilige Risikoprofil erarbeitet und der Einzelne nach den Daten seiner Vergleichsgruppe bewertet.
Das Ergebnis kann sehr diskriminierend sein. So wird vermutet, dass der Score auch die Wohngegend bewertet. Wer in einem Stadtteil mit vielen Sozialhilfeempfängern lebt, schneidet schlecht ab. Auch wer oft umzieht oder viele Kreditkarten hat, kann seine Scores verschlechtern. Am Ende erhält jemand schlechte Score-Werte, obwohl er seine Finanzen bisher perfekt im Griff hatte.
Und das kann teuer werden. Denn viele Banken arbeiten nicht mehr mit einem einheitlichen Kreditzins für alle Kunden. Sie machen feine Unterschiede: Kunden mit einem schlechten Score zahlen mehr.
Score-Auskunft kostet extra
Bei der Eigenauskunft werden die Scores nicht mitgenannt. Wer sie erfahren will, zahlt dafür extra: 3 Euro Grundgebühr plus 1 Euro für jeden Wert.
Viele Kunden, die ihre Schufa-Daten abfragen, stellen fest: Die Angaben sind unvollständig. Offenbar gibt nicht jedes Unternehmen alle Kundendaten an die Wiesbadener weiter. Die Schufa ruft Verbraucher deshalb auf, ihr selbst weitere Daten zu melden: „Jeder Vertrag ist ein Zeichen des Vertrauens in Ihre Person.“ Dass aber jemand seine Score-Werte verbessert, wenn er die Datensammler mit noch mehr Material füttert, verspricht die Schufa vorsichtshalber nicht.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Negativer Eintrag
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen