27.09.2007
Risikoschwangerschaft
In aller Regel sind Frauen bestens dafür gerüstet, Nachwuchs auszutragen und zur Welt zu bringen. Viele Frauen empfinden das auch so. Sie vertrauen dem, was in ihrem Körper vor sich geht. Sie fühlen sich wohl und gesund. Mäßige Beschwerden, die sie zweifelsfrei der Schwangerschaft zuordnen können, beunruhigen sie nicht. Und selbst wenn gegen Ende der Schwangerschaft der Rücken schmerzt, die Beine wehtun und die Luft knapp wird – sie wissen, das gehört dazu, das geht vorbei. Das gilt auch für Frauen, die bereits mit gesundheitlichen Problemen in die Schwangerschaft gegangen sind, wenn sie medizinisch so gut versorgt sind, wie das hierzulande normalerweise der Fall ist.
Allerdings verunsichert eine Zeit so großer innerer und äußerer Veränderungen auch viele Frauen. Ein Teil von ihnen empfindet die häufigen medizinischen Kontrollen dann als Beruhigung – vorausgesetzt, sie bekommen bestätigt, dass wirklich alles in Ordnung ist. Bei anderen hingegen schürt der Mutterpass mit seinen Angaben eher Angst und Sorge. Er enthält nämlich zwei Kataloge mit je 26 Positionen, die als „Schwangerschaftsrisiko“ gelten. Der eine Katalog umfasst die gesundheitliche Verfassung der Frau zu Beginn der Schwangerschaft, der andere hält Ereignisse fest, die im Verlauf der Schwangerschaft aufgetreten sind. Danach ist es gar nicht so einfach, einer Einstufung als „Risikoschwangere“ zu entgehen, denn schon, wenn die Frau jünger ist als 18 oder älter als 35 Jahre, wenn sie ihr erstes Kind bekommt, wird dieses Etikett vergeben. Auch eine Allergie oder besondere psychische Belastungen im familiären oder beruflichen Bereich führen dazu, die Schwangerschaft als risikobehaftet anzusehen. Bei solchen Kriterien verwundert es nicht, dass drei Viertel aller Schwangerschaften in Deutschland heute als „Risikoschwangerschaft“ eingestuft werden. Demgegenüber schätzt eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation, dass von 100 schwangeren Frauen 70 bis 80 ein geringes Risiko aufweisen, wenn die Geburt beginnt.
