15.12.2010
Bluttest
Durchführung
Für den Test wird der Frau frühestens ab der 32. Schwangerschaftswoche Blut abgenommen und im Labor untersucht. Das Ergebnis liegt wenige Tage später vor.
Störeinflüsse
Wenn sich die Frau erst kurz vor dem Test infiziert hat, kann es sein, dass das Virusmerkmal noch nicht nachweisbar ist. Hat sie eine chronische Hepatitis B, ist ein Nachweis manchmal nicht mehr möglich. Darüber hinaus kann es veränderte Hepatitis-B-Viren geben, die der Test nicht sicher erkennt. In allen drei Fällen würde der Test aussagen, dass die Frau frei ist von Hepatitis-B-Viren, obwohl sie sie in sich trägt und an ihr Kind weitergeben kann.
Treffsicherheit
Der Test hat eine hohe Treffsicherheit. Man kann davon ausgehen, dass damit fast alle Frauen, die mit Hepatitis-B-Viren infiziert sind, erkannt werden. Dass eine Frau aufgrund der Tests die Nachricht erhält, sie sei infiziert, obwohl sie es in Wirklichkeit nicht ist, kommt nur ganz selten vor.
Konsequenzen
Erhält die Frau ein positives Testergebnis, werden zunächst weitere Bluttests gemacht; zusätzlich wird sie auch noch körperlich untersucht. Bestätigt sich die Infektion, wird das Baby nach der Geburt so behandelt wie es unter Behandlung beschrieben ist.
Da es sich bei Hepatitis B nach dem Infektionsschutzgesetz um eine meldepflichtige Krankheit handelt, werden der Name und andere Daten der Frau den staatlichen Gesundheitsbehörden gemeldet. Dort entscheidet man dann, ob zum Beispiel Angehörige ebenfalls getestet und gegebenenfalls geimpft werden sollen. Ist die Frau oder sind ihre Angehörigen im Gesundheitswesen tätig, kann von ihnen auch das Einhalten bestimmter Verhaltensregeln gefordert werden.
Nutzen
Es gibt zur Frage des Nutzens einer Hepatitis-B-Impfung bei Neugeborenen mehrere sorgfältige Studien, die übereinstimmend einen Nutzen belegen. Zusammen mit der hohen Treffsicherheit wird daher der Nutzen als „mit großer Sicherheit“ belegt bewertet.
Wenn bei einer Frau eine Infektion mit Hepatitis-B-Viren vorliegt und man weder nach einer solchen Infektion sucht noch das Kind nach der Geburt behandelt, infizieren sich einer Modellrechnung zufolge 44 von 100 Neugeborenen bei der Mutter. Das ist anders, wenn man schwangere Frauen auf die Infektion testet und die Kinder infizierter Frauen nach der Geburt sofort behandelt. Dann kann fast immer verhindert werden, dass sie an Hepatitis B erkranken.
Risiken
Durch das Verfahren
Für den Test ist eine einfache Blutabnahme notwendig. Deren Risiko ist sehr gering.
Durch die Folgen des Testergebnisses
Es kann sein, dass das Kind geboren wird, bevor ein positiver Testbefund mit einer zweiten Untersuchung überprüft werden konnte. Dann be-?kommt es den Hepatitis-B-Impfstoff gespritzt, obwohl noch nicht eindeutig feststeht, ob die Mutter infiziert ist. Stellt sich später heraus, dass sie gesund ist, war die Impfung des Kindes zu diesem Zeitpunkt unnötig. Die Impfung ist sehr sicher und nebenwirkungsarm. Auf diese Weise hat das Kind die Impfung, die es sonst üblicherweise im 2. Lebensmonat bekäme, etwas früher erhalten. Die Risiken infolge des Testergebnisses sind gering.
test-Bewertung
Der Nutzen einer gegen Ende der Schwangerschaft routinemäßig durchgeführten Blutuntersuchung auf Hepatitis B ist sicher nachgewiesen. Das Kind kann nach der Geburt durch eine Impfung wirksam vor einer Infektion geschützt werden. Das Risiko dieses Tests ist sehr gering, das infolge des Testergebnisses gering. Die Nutzen-Risiko-Abwägung fällt positiv aus. Damit wird die routinemäßige Blutuntersuchung zum Nachweis einer Infektion mit Hepatitis-B-Viren als „geeignet“ bewertet, um gesundheitliche Nachteile beim Kind zu vermeiden.
Kassen- oder Wahlleistung
Die Untersuchung des Blutes auf HbsAg als Zeichen einer Hepatitis-B-Infektion gehört zur regulären Schwangerenvorsorge, deren Kosten die Krankenkasse trägt – es sei denn, es ist klar, dass die Frau Antikörper gegen HBV hat, beispielsweise weil sie bereits geimpft wurde.
Kosten
Als privat bezahlte Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt für den Test ungefähr zwischen 17 und 19 Euro berechnen (GOÄ-Ziffern 250, 4643). Die Kosten für Beratungsleistungen kommen gegebenenfalls hinzu.
Näheres lesen Sie unter Rechnung für Privatzahler.
