27.09.2007

Risiko

Die Vorteile von Vorsorge und Früherkennung scheinen bestechend. Doch es gibt auch Nachteile. Sie erwachsen aus den Konsequenzen solcher Kontrollen, und diese sind zweigeteilt. Da sind zum einen die direkten Risiken, die unmittelbar mit der Anwendung eines Tests zusammenhängen. Meist sind diese Risiken gering. So kann die Entnahme einer Blutprobe beispielsweise zu Infektionen führen, die Anwendung des Dopplerultraschalls könnte die Gewebe des Ungeborenen durch Wärme beeinträchtigen.

Viel bedeutender können dagegen Risiken durch die Folgen des Testergebnisses sein. So könnte ein Test den Verdacht auf ein Problem beim Kind wecken, der sich nur mit eingreifenden Maßnahmen abklären lässt, die ihrerseits risikoreich sind. Beispielsweise könnte zu einer Fruchtwasserentnahme geraten werden, bei der aber das Risiko besteht, dass die Frau das Kind verliert. Die falsch-positiven Ergebnisse von Tests können unnötige Behandlungen nach sich ziehen. Da Medikamente aber immer auch unerwünschte Wirkungen haben, bleibt das nicht immer folgenlos.

Zu den indirekten Risiken gehören auch die Sorgen und Nöte der schwangeren Frau und ihres Partners, wenn sich die Frau wieder und wieder Untersuchungen aussetzen muss, statt „einfach nur schwanger“ zu sein. Sich fortwährend der Frage gegenüberzusehen, ob denn wirklich alles in Ordnung ist, kann erheblich belasten. Noch bedeutsamer können diese seelischen Folgen sein, wenn die Frau ein falsches Untersuchungsergebnis erhält und nun mit eingreifenden Verfahren diesen – wie sich hinterher herausstellt – falschen Verdacht abklären lässt.

Hier sind die Risikoklassen folgendermaßen definiert:

Geringes Risiko, wobei alle genannten Bedingungen zutreffen müssen: Mit dem Verfahren selbst verbindet sich ein sehr geringes bis geringes Risiko. Es gibt nur wenig falsche Testergebnisse. Diese lassen sich abklären, ohne in das Schwangerschaftsgeschehen eingreifen zu müssen, die Folgediagnostik birgt keine zusätzlichen Risken. Von einer gegebenenfalls überflüssigen Behandlung sind keine negativen Auswirkungen zu erwarten.

Erhöhtes Risiko, wobei von den genannten Bedingungen das eine oder das andere infrage kommen kann: Mit dem Verfahren selbst verbindet sich ein erhebliches Risiko. Es gibt eine nennenswerte Zahl falscher Testergebnisse. Um diese abzuklären, muss in das Schwangerschaftsgeschehen eingegriffen werden oder die Folgediagnostik birgt zusätzliche Risken. Von einer gegebenenfalls überflüssigen Behandlung sind negative Auswirkungen zu erwarten.

Nicht abschätzbares Risiko: Mit dem Verfahren selbst verbindet sich ein sehr geringes bis geringes Risiko. Es gibt jedoch keine zuverlässigen Studienergebnisse zur Rate falscher Ergebnisse und keine Informationen zum Ausmaß der Überdiagnostik.

Vorhersagewert

In die Beurteilung des indirekten Risikos eines Tests spielt auch mit hinein, wie häufig eine Erkrankung oder eine Abweichung in der Bevölkerung auftritt. Am Beispiel Syphilis soll das illustriert werden.

Im Jahr 2004 gab es in Deutschland etwa 300 Frauen mit einer nachgewiesenen Syphilisinfektion. Für dasselbe Jahr geht man von 700 000 Geburten aus. Es gab also mindestens 699 700 schwangere Frauen ohne eine solche Infektion. Unterstellt man nun, dass der Test auf Syphiliserreger eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 99 Prozent hat, bedeutet das, dass alle Infizierten entdeckt werden und gleichzeitig etwa 6 997 nicht infizierte Frauen ein falsch-positives Testergebnis erhalten haben. Damit würde trotz der außerordentlich hohen Treffsicherheit des Tests nahezu 1 von 100 schwangeren Frauen unnötigerweise mit Antibiotika behandelt.

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