Telefonieren ins Ausland: 30 Minuten für einen Euro
Wer Freunde oder Geschäftspartner im Ausland anruft, kann mit der richtigen Vorwahl über 75 Prozent sparen.
Statt 13,8 Cent über die Deutsche Telekom kann ein Anruf ins US-amerikanische Festnetz zur Erbtante in Dallas pro Minute nur 3,5 Cent kosten – vorausgesetzt, das Gespräch läuft über 010012 Telecom. Das sind 75 Prozent Ersparnis. Anderes Beispiel: Für 3,6 Cent pro Minute ist der französische Geschäftspartner per Call-by-Call im Büro zu erreichen. Die Deutsche Telekom verlangt im Standardtarif T-Net fast das Vierfache. Und nach Hongkong sind sogar 96 Prozent Ersparnis drin. Ein Preisvergleich lohnt sich also sehr.
Die günstigsten Tarife für Anrufe in die Fest- und Mobilfunknetze 20 ausgewählter Länder stehen in den Tabellen („Von Deutschland nach...“).
Achtung: Wer seine Tochter auf Interrail-Tour durch Spanien auf ihrem deutschen Handy anrufen will, findet Informationen dazu im Test „Mit dem Handy im Urlaub“. Denn die in den Tabellen („Von Deutschland nach...“) aufgelisteten Tarife in Funknetze gelten nur für Anrufe auf ausländische (!) Handys, das heißt, der Gesprächspartner hat etwa einen englischen Handyvertrag.
Anruf für Anruf sparen
Das Verfahren für das Sparpotenzial beim Telefonieren heißt Call-by-Call. Das bedeutet so viel wie „Anruf für Anruf“. Dabei legt sich der Nutzer nicht auf einen Anbieter fest, sondern entscheidet sich bei jedem einzelnen Telefonat, also Anruf für Anruf, neu – am besten natürlich für den Anbieter mit dem günstigsten Tarif.
Das Gute: Es funktioniert ganz einfach. Ist der Anbieter ausgesucht, stellt man beim Wählen nur seine Vorwahlnummer, auch Netzkennzahl genannt, vor die eigentliche Nummer.
Ohne Anmeldung durchwählen ...
Zwei Arten von Call-by-Call stehen zur Verfügung: Call-by-Call ohne Anmeldung und Call-by-Call mit Anmeldung.
Wer sich für Call-by-Call ohne Anmeldung entscheidet, gibt keine persönlichen Daten an und wählt einfach durch. Für alle, die mal in Genf, mal in Rom anrufen ist diese Variante am sinnvollsten. Abgerechnet wird ganz praktisch über die Rechnung der Telekom. Allerdings kommt es vor, dass Netze überlastet sind. Dann bleibt nichts anderes übrig, als es noch einmal zu probieren oder über einen anderen Anbieter zu telefonieren.
... oder einmalig registrieren lassen
Bei Call-by-Call mit Anmeldung muss sich der Kunde einmal registrieren lassen. Außerdem wird dabei nicht über die Deutsche Telekom abgerechnet, sondern direkt vom Anbieter.
Sinnvoll ist Call-by-Call mit Anmeldung für alle, die oft in ein Land telefonieren, für das der Anbieter einen sehr günstigen Tarif bietet. Im Fall von Niger zum Beispiel würde sich – wie bei einigen anderen Ländern Afrikas auch – die Anmeldung bei der Telefonfirma comnet lohnen. Sie liegt hier mit 29,5 Cent pro Minute ins Fest- und Funknetz vor dem günstigsten Anbieter ohne Anmeldung mit 35,9 Cent (01051 Telecom). Aber: Bei Anrufen in andere Länder sollte man erneut einen prüfenden Blick auf die Tarife werfen. Wer sich bei einer Firma für Call-by-Call angemeldet hat, kann trotzdem weiter andere günstige Vorwahlnummern ohne Anmeldung nutzen.
Übrigens: Afrikanische Länder wie Niger sind in den Listen hier nicht vertreten, aber im Internet und im Faxabruf zu bekommen. Dort haben wir auch Telefonfirmen wie comnet gelistet, bei denen eine Anmeldung erforderlich ist – vorausgesetzt, sie verlangen keinen Mindestumsatz.
Ersparnis in Euro und Cent
Die Tabellen zeigen: Je nach Zielland lassen sich mit dem günstigsten Anbieter bei Anrufen ins Festnetz zwischen 72 und 96 Prozent im Vergleich zum Standardtarif T-Net der Deutschen Telekom sparen. 39 bis 97 Prozent sind bei Anrufen auf ausländische Handys drin.
Beispiel: Ein Zehn-Minuten-Gespräch mit der Tochter in Frankreich (Festnetz) kostet mit der Telekom 1,38 Euro. Mit dem günstigsten Anbieter jedoch, der 010012 Telecom, würde der Anrufer dafür lediglich 36 Cent bezahlen.
Auch im Mobilfunknetz überzeugt der Sparfaktor: So verlangt die Telefonfirma 01051 Telecom für einen fünfminütigen Anruf auf ein thailändisches Handy nur 84 Cent. Mit der Telekom würde der Spaß gut zehnmal so viel kosten.
Abrechnung nach Sekunden ist exakt
Call-by-Call-Nutzer sollten beachten, welche Taktzeit für die Abrechnung gilt. Am exaktesten und somit kundenfreundlichsten geht es im Sekundentakt. Bei der 60-Sekunden-Taktung dagegen zahlt der Kunde für jede angebrochene Minute.
In den Preisen, mit denen die Telefonfirmen werben, sind weder Taktzeit noch mögliche Verbindungsgebühren berücksichtigt. Deshalb haben wir auch den mittleren Minutenpreis berechnet. Da er aussagt, welcher Anbieter tatsächlich am billigsten ist, haben wir die Tabellen danach sortiert.
Auf die Listen, fertig, los!
Wer einen Blick auf die Tariflisten wirft, hat die Kosten im Griff. Gut zu wissen:
- Funknetz: Nur wenige Länder wie beispielsweise die USA oder Sri Lanka unterscheiden nicht zwischen Festnetz und Mobilfunknetz. In der Regel sind Anrufe aufs Handy aber deutlich teurer. Deshalb: Gesprächspartner am besten gleich nach einem Festnetzanschluss fragen.
- Preselection: Vorsicht bei dieser „Vor-Einstellung“ einer Netzkennzahl. Das ist zwar bequem, kann aber teuer werden. Auf jeden Fall sollten Sie weiter parallel auch Call-by-Call nutzen!
- Calling Cards: Sie wollen eine Karte mit günstiger Vorwahlnummer kaufen? Vergleichen Sie: Call-by-Call ist oft billiger.
- AktivPlus: Keine Lust auf Call-by-Call?Vieltelefonierersparen auch mit dem AktivPlus-Tarif der Telekom. Für etwa 5 Euro mehr Grundgebühr gibts deutlich niedrigere Preise als im Standardtarif T-Net, auch ins Ausland. Aber: Call-by-Call-Tarife toppen sie nur selten.
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Tabelle: Von Deutschland nach Asien und Osteuropa
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